19.12.12

Testbericht

Warum ein Flug mit dieser Airline lang sein darf

Langstreckenflüge können eine echte Tortur sein. Doch bei Emirates Airlines schafft man es, der toten Zeit an Bord wieder einen Sinn zu geben, wie unser Autor auf einem Flug nach Dubai feststellte.

Foto: Emirates

Bis zu 1400 Kanäle hat das „In-Flight Entertainment System“ von Emirates in seiner letzten Ausbaustufe in petto, die hauptsächlich im Riesenairbus A380 um die Welt fliegt
Bis zu 1400 Kanäle hat das "In-Flight Entertainment System" von Emirates in seiner letzten Ausbaustufe in petto, die hauptsächlich im Riesenairbus A380 um die Welt fliegt

Es lässt sich nicht genau sagen, wann das Fliegen zur Tortur wurde, aber es ist schon eine ganze Weile her. Auf dem Zeppelin "Hindenburg" gab es Promenadendecks, und zum Abendessen zog man sich selbstverständlich um.

Aus den 1970ern sind Fotos überliefert, die lachende Passagiere beim Cocktailempfang in der Lounge einer Boeing 747 zeigen, locker gruppiert um einen Pianisten im Smoking. Auf einem Tisch stehen frische Blumen und Champagnerflaschen.

Wohin auch immer die Abgebildeten damals unterwegs waren – es drängt sich der Eindruck auf, dass sie den Flug als äußerst angenehmen Teil ihrer Reise empfanden.

Heutzutage wird man zuerst mehrfach durchleuchtet, befragt, grundsätzlich als potenzieller Massenmörder behandelt, und anschließend in einem Sitz festgeschnallt, wo man dann dem Ende seines Transits entgegendämmert. Hoffen lässt sich höchstens darauf, dass der Nebenmann nicht allzu laut schnarcht.

Irgendwann stellten viele Airlines auch die Bemühungen ein, diese Prozedur durch attraktives oder wenigstens zuvorkommendes Personal etwas menschenwürdiger zu gestalten.

Kein verhuschter Hacker mehr am Werk

Seit ein paar Monaten schickt sich Emirates Airlines nun an, der toten Zeit an Bord wieder einen Sinn zu geben – als extralangen Kinobesuch. Das ist zwar weder eine neue Idee, noch eine besonders exklusive: Monitore in der Kopfstütze des Vordermannes gibt es seit zig Jahren überall, und seit einem knappen Jahrzehnt gewinnt die Fluggesellschaft aus Dubai auch in schöner Regelmäßigkeit die wichtigsten Preise für das beste "In-Flight Entertainment System" der Welt, wie solche Dinge im Airline-Jargon heißen.

Trotzdem hat man bei der neuesten Version von Emirates' "ICE"-System nun zum ersten Mal das Gefühl, nicht ein verhuschter Hacker habe das Gerät aus Elektro-Teilen der frühen 90er zusammengelötet, sondern Menschen mit Zugriff auf aktuelle Technik und echtem Interesse am Leiden des modernen Reisenden seien hier am Werk gewesen.

Von "Casablanca" bis zu Justin Bieber

Bis zu 1400 Kanäle hat "ICE" in seiner letzten Ausbaustufe in petto, die hauptsächlich im Riesenairbus A380 um die Welt fliegt – von TV-Shows über eigens angefertigte Radiosendungen bis hin zu circa 300 Filmen in etlichen Sprachen (zum Vergleich: Bei der Lufthansa laufen etwa 30, bei Air Berlin auf Langstrecken ungefähr zwei Dutzend Filme).

Von Klassikern wie "Casablanca" oder "2001" über den neuesten "Batman" ist alles dabei, bis hin zu "The Raven" mit John Cusack als Edgar Allen Poe. Das Fernsehprogramm beginnt bei den "Simpsons" und reicht über Kleinode wie "Absolutely Fabulous" bis zu einer verstörenden Dokumentation über den kreischigen Teenie-Star Justin Bieber.

Über Geschmack lässt sich nicht streiten, aber erstmals bekommt man als Passagier den Eindruck, die Maschine habe tatsächlich irgendeinen.

Das Ganze lässt sich, je nach Buchungsklasse und Flugzeug, über Mini-iPad-artige Controller idiotensicher steuern und auf bis zu 27 Zoll großen Bildschirmen betrachten. Das sind die Ausmaße eines großen iMacs von Apple.

Dazu kommen Nachrichten, Videospiele, Tausende Musiktitel und ein paar Funktionen, die so einfach und hirnerweichend selbstverständlich erscheinen, dass man sich fragt, wieso es sie nicht seit Jahren überall gibt: Den eigenen MP3-Player kann man einstöpseln und über das System benutzen, und eine USB-Buchse lädt die ganze mobile Elektronik auf, die man als Mensch des 21. Jahrhundert so mit sich herumschleppt.

Man wünscht sich einen langen Flug

Aber das sind Nebensächlichkeiten, denn das Wichtigste ist: fernsehen. Als Mann mit Hang zur Mediennutzung bekommt man irgendwann den Impuls, das System ausbauen und im heimischen Wohnzimmer aufstellen zu wollen – es tut einfach und geduldig alles, für das man zu Hause mehrere teure Geräte anschließen und miteinander vernetzen muss, die im Regelfall dann regelmäßig abstürzen oder sich sonstwie nicht verstehen.

Man wünscht sich einen möglichst langen Flug und wenig störende Unterbrechungen, nur um in Ruhe vor der Glotze hängen zu können.

Der einzige Nachteil ist, dass Emirates viel zu wenige solcher Flüge im Angebot hat. Praktisch alle Verbindungen laufen über Dubai, wo man meist zu so unchristlichen Zeiten zwischenlandet und weiterfliegt, dass man eigentlich jede Minute an Bord zum Schlafen benötigt, um nicht als rotäugiges Wrack am Endziel anzukommen.

Andererseits täte man das sonst eben meistens auch. Und immerhin muss man so, wenn man zwinkernd und gähnend vom Flughafen abholt wird, nicht mehr sagen: "War ein harter Flug." Sondern: "Es kam was im Fernsehen." Irgendwie klingt das charmanter.

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Emirates Airlines. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit.

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