17.12.12

Thailand

Elefanten im Wald und ein verschollener Amerikaner

Ob auf dem Rücken eines Dickhäuters oder am Stahlseil durch das dichte Blätterdach – der Tropendschungel im Süden Thailands verspricht Abenteuer. Die können manchmal allerdings auch tragisch enden.

Von Bernd Kregel
Foto: picture alliance / Arco Images

Auf der südthailändischen Insel Phuket gibt es nicht nur traumhafte Strände, sondern auch dichten Rergenwald.

17 Bilder

Urwald macht Spaß. Nahezu durch das dichte Blätterdach des Tropendschungels und erst ein paar hundert Meter später wieder festen Halt unter den Füßen zu spüren, ist ein unvergessliches Erlebnis. So muss sich Affengott Hanuman gefühlt haben, der stets ausgelassen mit seiner Affenbande die Baumkronen der Urwaldriesen durchstreifte.

Ein straff gespanntes Stahlseil macht's möglich. Verborgen im grünen Blättergewirr bietet es einer Metallrolle Halt, die Hanumans späte Erben schwungvoll von einer versteckten Baumstation zur nächsten befördert.

Anführer dieser kleinen Schar von Wagemutigen ist der sympathische So, dessen akrobatische Bewegungskünste und spontane Lebensfreude gleichermaßen ansteckend wirken. Geboren in Chiang Mai, verschlug es ihn in den thailändischen Süden auf die Ferieninsel Phuket. Hier begegnete ihm vor wenigen Jahren inmitten dieser üppigen Urwaldkulisse seine persönliche Traumwelt.

Elefantenterminal im Tropenparadies

Ähnlich erging es Peter Stiller aus Castrop-Rauxel. Auch er wagte hier einen beruflichen Neubeginn und schuf sich weiter nördlich am Strand von Khao Lak mit einem privaten Tierpark sein eigenes kleines Paradies.

Doch dann schwappte im Jahr 2004 die große Flutwelle darüber hinweg und zerstörte innerhalb weniger Stunden die Früchte seiner Arbeit. Aufhören und zurückkehren? Peter Stiller ließ nicht locker, und niemand, der heute nach dem Wiederaufbau sein romantisches Tropenparadies aufsucht, ahnt noch etwas von diesem schweren Schicksalsschlag.

Besonderes Interesse erweckt das Vorzeigeprojekt seiner Anlage, ein aus stabilen Holzstämmen errichtetes Elefantenterminal. Dort können seine fünfzehn Dickhäuter unter dem Kommando ihrer Mahouts nacheinander andocken für eine bevorstehende Dschungel-Durchquerung. Allesamt geduldige und trittfeste Tiere, verdienen sie sich auf den teils schlammigen Trampelpfaden schnell das volle Vertrauen.

Giftschlangen über Bambusflößen

Am nahen Lamru River liegen im sprudelnden Flusswasser locker zusammengefügte Bambusflöße bereit, die – gesteuert von einem Floßführer mit Hilfe einer langen Stocherstange – zügig Fahrt aufnehmen. Es geht vorbei an tückischen Felsvorsprüngen, hinweg über raschelnde Kiesbetten und an überhängenden Ästen entlang, auf denen lässig zusammengerollten Schlangen nicht sogleich anzusehen ist, was sie im Schilde führen.

"Sehr giftig!", warnt der Floßführer mit einem bedeutungsvollen Lächeln. Genießt er vielleicht sogar für einen Augenblick den Schauder, den seine Warnung bei den Passagieren auslöst?

Auf dem Rückweg in die Zivilisation gibt es auf halber Strecke zwischen Khao Lak und Phuket eine kulinarische Institution zu entdecken, deren Wurzeln weit zurückreichen in die Geschichte der Region.

Alle Erwartungen konzentrieren sich nun auf Küchenchefin Premchit im Thai-Restaurant des "JW Marriott Resorts" von Thalang. Denn sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit ihrem "Secret Na Thalang Dinner" in den Geist und die Seele der traditionellen thailändischen Küche einzuführen.

Kaleidoskop der "Rainforest Cuisine"

Dazu ist sie "wie keine Zweite legitimiert", sagt ihr australischer Ehemann Jason bei seiner Einführung in das kulinarische Feuerwerk. Denn sie gehört in der zwölften Generation zu einer Thai-Familie, die schon seit Queen Elizabeth I. die britische East India Company mit den in Europa heiß begehrten Produkten des tropischen Regenurwaldes belieferte. Das Wissen um die Geheimnisse der thailändischen Küche wurde Chefköchin Premchit somit, wie sie selber zugibt, gleichsam in die Wiege gelegt.

Ehemann Jason beteuert, nie habe in den ersten Jahren ihrer gemeinsamen Ehe ein Gericht dem anderen geglichen. Tatsächlich habe Premchit mehr als fünfhundert Speisefolgen in ihrem Kopf abgespeichert. Und so wird auch dieser spezielle Abend mit seinem bunten Kaleidoskop der "Rainforest Cuisine" ein abgehobenes Festival für die auf neue Geschmackserlebnisse vorprogrammierten Sinne.

Denn wer könnte einer weißen Andamanen-Sandfloh-Pflanze auf weißen Betelblättern mit wilden Tigertatzen-Blättern und einer wilden "Liebe im Nebel"-Blüte schon widerstehen? Oder etwa der Wilden Andamanen Blaukrabbe auf wildem Geigenkopf-Farn in Gotu-Kolablättern? Chefköchin Premchit, die die Genießer nach jedem Gang mit ihrer Anwesenheit beehrt, freut sich über die allgemeine Zustimmung.

Bizarre Inselwelt der Andamanen

Selbst James Bond, weltlichen Genüssen jeglicher Art nicht abgeneigt, hätte sich sicherlich gern auf dieses kulinarische Abenteuer eingelassen. Sein offizieller Auftrag in "Der Mann mit dem goldenen Colt" forderte jedoch seinen vollen Einsatz in der bizarren Inselwelt der Andamanen.

Käme er zurück, würde er sich sicherlich darüber freuen, dass aus gutem Grund das auffälligste Eiland, der "schiefe Felsen" in der Bucht von Phang Na, heute als "James Bond Insel" seinen Namen trägt.

Zugleich würde er sich wundern über all die hochkarätigen Anlagen in der Umgebung, die mit Stilsicherheit und architektonischer Fantasie dem Regenurwald heute eine unerwartet elegante Note verleihen. Allen voran das noble "Ritz Carlton Phulay Bay Resort", das sich in der Provinz Krabi mit seinen ausgefallenen Villen unauffällig unter die Bäume duckt und so den Blick freigibt auf die bezaubernde Insellandschaft in Richtung Sonnenuntergang.

Verschluckt vom Dschungel

Im Gegensatz zum britischen Filmhelden James Bond endete die Lebensgeschichte des Amerikaners Jim Thompson tragisch. Als engagierter Vater der thailändischen Seidenherstellung verschwand er hier nahe der malaysischen Grenze ganz unspektakulär im Dschungel, der ihn buchstäblich verschluckte. Es gibt keine einzige Spur von ihm, sein Verschwinden bleibt ein Rätsel.

Ein Denkmal hatte sich der weit über die Grenzen hinaus bekannte Unternehmer und Kunstsammler aber bereits selbst gesetzt. Es ist das Jim Thompson Haus in Bangkok, in dem er sechs Thai-Häuser aus der Umgebung zu einer unglaublich stimmigen Einheit zusammengefügt und mit Kunstgegenständen ausgeschmückt hat.

So vermittelt der kleine tropische Garten im Zentrum des Arrangements noch heute den Eindruck, als sei hier die Zeit stehen geblieben. Zu Recht ein Publikumsmagnet für alle, die das alte Thailand noch einmal unverfälscht nachvollziehen möchten.

Unverwechselbare Thai-Seide

Doch das ist es nicht allein, das die Menschen an diesem Ort begeistert. Das Jim Thompson Haus steht auch symbolisch für die unverwechselbare Art der Thai-Seide, die sich in ihrem Aussehen und ihren ausgewählten Motiven deutlich unterscheidet von der Machart in Indien oder China.

So bringt sich Jim Thompson stets neu in Erinnerung in einem aufregend dynamischen Umfeld, das mit seinen Wolkenkratzern und Einkaufszentren als Eingangstor in den thailändischen Süden in jeder Hinsicht kräftig zugelegt hat.

Das gilt auch für den Ausbau eines Bahnnetzes, das den sonst so infarktverdächtigen Straßenverkehr zumindest teilweise entlastet. Und nicht zuletzt sind es die hochkarätigen Hotels, mit denen die "Stadt der Engel" heute mehr denn je punkten kann.

Zu ihnen gehört das "Renaissance Bangkok Hotel", das gerade den Sprung in die Gruppe der "trendigsten Spitzenhotels in Südostasien" geschafft hat. Das zeigt, dass sich das Angebotsniveau hier auf breitester Ebene erheblich verbessert hat. Und es ist zugleich ein Beweis für die im "Land des Lächelns" freigesetzte Dynamik, die besonders die südthailändische Region ergriffen hat.

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Thai Airways International. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit.

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