26.11.12

Japan

Die faszinierend-bizarre Schönheit des Verfalls

In den 70er-Jahren brach der Tourismus auf der japanischen Halbinsel Izu ein. Flüge wurden billiger, und die Japaner zog es in die Ferne. Der Fotograf Thomas Jorion hielt den Verfall der Gebäude fest.

Foto: Thomas Jorion, www.thomasjorion.com

… und die Bowlingbahn wurden überflüssig.

1 Bilder

Die japanische Halbinsel Izu, die zur Präfektur Shizuoka gehört, ist bei Japanern eine beliebte Urlaubsregion. Das liegt nicht nur daran, dass sie nur etwa 100 Kilometer südwestlich von Tokio liegt und bequem per Auto oder Zug zu erreichen ist, sondern auch an ihrer einzigartigen Natur.

Vor allem für ihre Kurorte mit Thermalquellen, den sogenannten Onsen, ist die Halbinsel bekannt. Während die reizvolle Küste Badeurlauber, Surfer und Sporttaucher lockt, zeichnet sich das hügelige Hinterland durch eine üppige Vegetation aus. Das zog schon vor Jahrzehnten vor allem im Sommer viele Japaner auf die Halbinsel.

Hotels standen plötzlich leer

Doch in der 70er-Jahren erlebte der Tourismus auf Izu einen Einbruch. Der Grund lag darin, dass Fernflüge immer erschwinglicher wurden. Wie in Deutschland auch, zogen es nun viele Japaner vor, ihren Urlaub an exotischen Orten weitab der Heimat zu verbringen.

Das bekam auch die Tourismusindustrie in der Provinz Izu zu spüren, wie das britische Nachrichtenportal " Daily Mail" berichtet. Zahlreiche Ferienwohnungen und Hotelzimmer konnten plötzlich nicht mehr vermietet werden. Finanziell ruiniert, gaben die Eigentümer der Anlagen das Geschäft in der Region auf und überließen die Gebäude ihrem Schicksal.

Die Schönheit des Schreckens

Der morbide Charme verlassener Gebäude scheint den französischen Fotografen Thomas Jorion magisch anzuziehen. Mit seiner Kamera hat er nicht nur leerstehende, heruntergekommene Prachtvillen und Schlösser in der Schweiz, in Italien und Deutschland festgehalten – er reiste bis nach Izu, um dort den Verfall der aufgegebenen Gebäude zu dokumentieren.

Seine Fotografien zeigen unter anderem ein Hotel, das seit 40 Jahren langsam zerfällt. Erstaunlicherweise wurden Fernseher, Möbel und Lampen einfach ihrem Schicksal überlassen. Von einer dicken Staubschicht bedeckt und teilweise zerstört, geben die Möbel und Alltagsgegenstände in der Ruine einen Einblick in den Geschmack der späten 60er-Jahre.

Beim Anblick der Fotografien fühlt man sich ein wenig an die Katastrophe von Fukushima erinnert, bei der viele Japaner völlig überstürzt ihr Zuhause verlassen mussten. Doch Thomas Jorion öffnet uns zugleich den Blick für die Schönheit, die in diesen Stillleben steckt.

Weitere Arbeiten von Thomas Jorion sind unter thomasjorion.com zu sehen.

Quelle: nics
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