23.11.12

Malediven

Im Farbenrausch mit Butler und Picknickkorb

Zehn Prozent der Malediven sind bislang mit Luxusresorts bebaut. Im Durchschnitt hat damit jeder Urlauber 1300 Quadratmeter für sich. Unser Autor hat die Einsamkeit auf der Insel Meradhoo getestet.

Von Daniel Stolpe
Foto: picture alliance / F. Schneider

Die Malediven im Indischen Ozean bestehen aus mehreren Atollen und etwa 1190 Inseln.

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"Machen Sie sich wegen Ihres Bodyguards keine Gedanken! Lassen Sie ihn einfach zu Hause, kommen Sie allein!" Das sagt Ernst Mayer den Celebrities der Kategorie Daniel Craig oder Rory McIlroy jedes Mal aufs Neue, wenn sie ihn auf der Insel Meradhoo im Gaafu-Alifu-Atoll der Malediven besuchen wollen und nicht wissen, wohin mit den lieben Leibwächtern.

Mayer ist Hoteldirektor des "Dhevanafushi" und sich der "Unangreifbarkeit" seiner Anlage sehr gewiss: "Für die Sicherheit sorgen schon die Riffe. Den Weg durch sie zur Insel kennen nur wenige Leute. Wer keine Ortskenntnisse hat, würde bei der Anfahrt schnell auf Grund laufen."

Aber dieser natürliche Schutz vor neugierigen Blicken erklärt nicht allein, warum das von der Jumeirah-Kette betriebene "Dhevanafushi" das gegenwärtig teuerste Resort der Malediven ist. Das versteht nur, wer den an Dekadenz grenzenden Luxus gesehen hat.

Da wuchert auf 44.000 Quadratmeter Inselfläche saftiges Dschungelgrün vor weißem Strand, und da geht an anderer Stelle der Infinity Pool erst über in das Türkis des Indischen Ozeans und dann in das Azurblau des unendlichen Horizonts. Da warten in Überwasserbungalows sogenannte Super-Deluxe-Kingsize-Betten von drei mal zwei Meter Größe auf Gäste, dazu Badebereiche, die teils überdacht und teils im Freien und insgesamt so groß sind wie in den feinsten Hotels sonst ganze Suiten.

"Auf den Malediven wollen wir die Nummer eins unter den Luxusanlagen sein", sagt Hoteldirektor Mayer. Beim Preis ist man es schon: Eine Nacht kostet zwischen 2000 und 18.000 US-Dollar pro Bungalow.

Allein mit Butler auf einer Robinson-Insel

Je nach Geschmack und Geldbeutel kann der Gast wählen zwischen einer der 22 Villen auf dem Festland, jede zwischen 200 und über 300 Quadratmeter groß und mit edlen Holzböden, privatem Pool, Außendusche und Zugang zum Meer ausgestattet; oder einer der 16 nicht minder großzügig angelegten Wasservillen.

Sie werden "Ocean Pearls" genannt und stehen 850 Meter von der Insel entfernt auf Stelzen im Meer. Damit sind sie ausschließlich per Boot erreichbar – es sei denn, man ist besonders ambitioniert und bittet seinen rund um die Uhr zur Verfügung stehenden Butler zu einer ausgedehnten Schnorcheltour.

Wer noch mehr Einsamkeit will, kann sich – für 1500 US-Dollar – samt Butler und Picknickkorb auf eine nahe Robinson-Insel mit Namen Minimenza übersetzen lassen und dort einen weiteren Farbenrausch unter Wasser erleben; oder auch allein oder zu zweit einen Sonnenuntergang an Bord eines traditionellen Fischerboots, Dhoni, genießen.

Eine "neue Definition von Luxus"

Wer nun sagt, er habe das alles doch aber so oder so ähnlich schon gehört von den Malediven, hat damit so Unrecht nicht. Das einstige Taucherparadies ist längst zum Rückzugsort geworden für die Wohlsituiertesten, und "One island, one resort" ist schon länger das Motto der Champions League des maledivischen Erholungsgewerbes.

Rekordverdächtige 90 Prozent der Resorts haben fünf Sterne, erstklassige Spas, Gourmetküche und luxuriösestes Ambiente. Doch über das "Dhevanafushi", das bei seiner Eröffnung das 101. Resort auf der Inselkette war, sagt Royston Ellis, Autor unzähliger Publikationen über die Malediven: "Ich habe in den vergangenen drei Jahrzehnten sehr viel Zeit verbracht in den High-End-Luxusanlagen und dachte auch, ich hätte alles an Qualität, an Komfort und Schönheit schon erlebt – aber zu all dem kommt im 'Jumeirah Dhevanafushi' der Akzent eines auf einzigartige Weise durchdachten, jedem einzelnen Gast exklusiv gewidmeten Servicecharakters."

Beeindruckt spricht Ellis von einer "neuen Definition von Luxus, Vergnügen und Umsorgtsein", die die Anlage für seine Gäste bereithalte und "auf unwiderstehliche Weise einzigartig" mache.

Es ist vor allem die unnachahmliche Art, mit der man umsorgt wird, die als Erstes auffällt. Es beginnt schon bei der Ankunft auf dem Flughafen in der Hauptstadt Malé, wenn ein Abgesandter in weißer Uniform mit orange- und burgunderfarbenen Verzierungen die neuen Gäste namentlich begrüßt und sie persönlich in die Moonima Lounge geleitet, wo sie auf ihren Weiterflug nach Kaadedhdhoo warten.

Alle zehn Minuten erkundigt er sich nach dem Wohlergehen der Neuankömmlinge, die bei all den köstlichen Snacks bald vergessen haben, dass sie noch auf dem Flughafen sind.

Russen feiern, Deutsche schnorcheln früh

Weiter geht es 400 Kilometer in Richtung Süden mit einem Propellerflugzeug der lokalen Fluggesellschaft Maldivian.

Standesgemäß sitzt man in den ersten Sitzreihen, die für die Dauer des rund einstündigen Fluges als "Jumeirah Class" mit einem Vorhang vom Rest der Kabine abgetrennt sind. "Das gilt für jeden Passagier", sagt Hoteldirektor Mayer. Am Abreisetag wird in derselben Weise verfahren.

Und in der kostbaren Zeit dazwischen, so Mayer, "dürfen die Gäste bei uns Top-Service, absolute Privatsphäre und außergewöhnlich viel Platz erwarten". Denn selbst wenn das Resort ausgebucht ist, zählt es weniger als 80 Gäste. Um ihr Wohlergehen sorgen sich knapp 250 Angestellte, was man anfangs kaum glauben mag, so "unsichtbar" leben sie in der Mitte der Insel.

Mayer kann sich den Luxus leisten, sein Personal unter fast 5000 Bewerbern auszuwählen. Und die Besten werden dann noch von einem Personal Trainer aus New York für ihre Aufgaben geschult.

Azim Ahmed ist einer der Butler, die rund um die Uhr für jeweils bis zu drei Gästepaare bereitstehen. Durchaus eine anspruchsvolle Aufgabe, denn Azim erzählt von "Russen, die oft bis in den Morgen feiern wollen", und von "Deutschen, die gleich nach dem Frühstück mit mir zum Schnorcheln rauswollen".

1300 Quadratmeter pro Badehandtuch

Für 2012 streben die Malediven erstmals die Zahl von mehr als einer Million Touristen an; schon im Jahr davor lag die Wachstumsrate "bei fast 20 Prozent", sagt Simon Hawkins vom Tourismusministerium der Malediven. Und noch vertrage das Paradies weitere Expansion.

In den kommenden sechs bis zehn Jahren sollen bis zu 30 weitere Resorts eröffnen, einen "Wildwuchs" wolle man allerdings vermeiden, betont Hawkins: "Wir wollen kein zweites Südspanien mit Massenhotels an jedem Küstenstreifen werden."

Durchschnittlich "etwa 1300 Quadratmeter pro Badehandtuch" stünden derzeit jedem Urlauber zur Verfügung, sagt der Marketing-Direktor. Dabei solle es auch bleiben: "Wir werden die Inseln nicht überfrachten."

Millionäre aus China und Russland

Obwohl von den insgesamt 1190 Inseln der Malediven "nur" 110 schon bebaut sind und weitere 200 von Einheimischen bewohnt werden, womit es unterm Strich noch genügend Platz für Hotels gibt, reißen sich die Investoren aus aller Welt um die Pachtverträge.

Die maledivische Regierung will nicht gleich ihr ganzes Pulver verschießen, sondern die Touristenströme lenken. So mache das nicht weit entfernte Mauritius in dieser Hinsicht "jetzt noch einen besseren Job als wir", lobt Hawkins. "Sie pushen Anlagen, die auch für Durchschnittsverdiener erschwinglich sind."

Die Malediven ziehen bald nach – und zwar, weil sie es wollten, nicht, weil sie es müssten, unterstreicht Hawkins: "Die Malediven kennen keine Wirtschaftskrise." Die Schwäche der Eurozone werde durch den prosperierenden chinesischen Markt wettgemacht.

China zähle heute eine Million Einkommensmillionäre, rechnet Hawkins vor, alles potenzielle Gäste seiner Luxusanlage. Außerdem könnten chinesische Urlauber die Malediven ohne Visum bereisen, was für sie keine Selbstverständlichkeit sei. "Und russische Oligarchen", beschreibt Hawkins eine weitere Zielgruppe, "lieben unsere Inseln ebenso."

Babyhaie und Mantas kämpfen um die Beute

Das angestrebte neue Geschäftsmodell der Familienfreundlichkeit setzt die Jumeirah-Gruppe mit ihrem zweiten jüngst eröffneten Resort, dem "Vittaveli" auf der Insel Bolifushi, bereits um. Das in wenigen Bootsminuten von der Hauptinsel Malé gelegene Resort ist mit 91 Villen und Suiten auf 99.000 Quadratmeter Fläche ähnlich exklusiv wie das "Dhevanafushi", aber obendrein noch kindgerecht gestaltet.

Mit einer kleinen Einschränkung: Unweit der Bootsanlegestelle gibt es einen abgesperrten Strandabschnitt, wo allabendlich vor Sonnenuntergang eine spektakuläre, aber nicht unbedingt kindertaugliche Fütterung der Stachelrochen stattfindet. Babyhaie trachten den Mantas nach ihrer blutigen Beute; es ist ein gischtumtostes Gemetzel um die fleischigsten Stücke, die vom Küchenpersonal aus riesigen Bottichen zum Fraß in die Brandung geworfen werden.

"Wir respektieren den Lebensraum der Mantas, sie waren vor uns da", sagt Resortchef Ian Phillips. Das Füttern solle gewährleisten, "dass die Rochen ihre Friedlichkeit nicht irgendwann durch Hunger verlieren".

Die Natur schützen – dieser Grundsatz treibt viele der Hotelbetreiber an. Aus eigenem Interesse. Mit Tausenden Säcken Sand wird jährlich allein im "Dhevanafushi" aufgeschüttet, was das Meer verschluckt hat; und Palmen werden angepflanzt, wo noch nicht ihr Schatten die Glut der Sonne mildert.

Sonnenenergie ist allerdings noch kein großes Thema auf den Malediven. Erst 2020 sollen nach einer Anordnung der Regierung 60 Prozent der Energie von Solaranlagen stammen.

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Design Reisen. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit.

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Malediven

Urlaub auf den Atollen, damals und heute

Neue Hotels auf den Malediven
  • „The Residence Maldives“

    Das neueste Resort der Malediven, „The Residence Maldives“ liegt in einem der größten und tiefsten Atolle der Welt. Und zudem im touristisch weitgehend unberührten Süden der Malediven, im Gaafu-Alifu-Atoll. Es gibt einen Flughafen, auf dem die von Malé kommenden Gäste der „Residence“ nach 55 Flugminuten landen. Nach einer weiteren Stunde mit dem Speedboot erreichen sie die 1000 Meter lange Resort-Insel Falhumaafushi, auf der 94 Villen am oder im Wasser stehen. Es gibt intakte Unterwassergärten – sie blieben vom Korallensterben 1998 verschont , „The Spa by Clarins“ und einen Kinderklub.

  • „Park Hyatt Hadahaa“

    Wer es ruhiger will, kann im Gaafu-Alifu-Atoll das ebenfalls neu gestaltete „Park Hyatt Hadahaa“ mit seinen 50 Villen, davon 14 Overwater-Bungalows, ansteuern. Dank „großer“ Fische, vom Rochen bis zum Walhai, ist es ideal für Taucher.

  • „Viceroy Maldives Resort“

    Ein sehr artenreicher Hotspot ist auch das im Frühjahr 2012 eröffnete „Viceroy Maldives Resort“ im Shaviyani-Atoll, denn es liegt weit im Norden und damit ebenfalls außerhalb der touristischen Kernzone. Doch anders als im elitären „Park Hyatt“ kommen im „Viceroy“ – die Anlage umfasst 61 Villen – auch Familien mit Kindern auf ihre Kosten. Der Resort-eigene Klub „Generation V“ betreut Vier- bis Zwölfjährige und bietet sogar Lehrstunden in Sachen Meeresbiologie.

  • „Niyama Maldives“

    Wer der Fischwelt trockenen Fußes nahe kommen will, kann (seit März) im „Niyama Maldives“ im Dhaalu-Atoll einchecken: Zu der Anlage mit 42 Beach Studios gehört der „erste Unterwasserclub der Welt, der nur mit dem Boot erreichbar ist“. Subsix, so der Name, liegt sechs Meter unter der Wasseroberfläche, ist von drei Seiten verglast und lädt nicht nur zum Fischfernsehen, sondern auch „zu Tanzerlebnissen“ ein.

  • „Dusit Thani Maldives“

    Das „Dusit Thani Maldives“ im Baa-Atoll schließlich ist die von Malé aus am schnellsten erreichbare der 2012 eröffneten Anlagen. Von einer thailändischen Gruppe betrieben, punktet das 100-Villen-Resort mit dem größten Pool der Malediven (750 Quadratmeter) und einem Baumhaus-Spa. Bettina Seipp

Tipps für die Malediven
  • Anreise

    Beispielsweise mit Condor nonstop von Frankfurt/Main nach Malé oder mit Emirates oder Etihad via Vereinigte Arabische Emirate oder mit Oman Air via Muscat.

  • Pauschalreisen

    Der Veranstalter Design Reisen bietet das „Jumeirah Dhevanafushi“ ab 4495 Euro pro Person, inklusive Flug, Transfer und sieben Übernachtungen mit Frühstück in einer Strandvilla, Tel. 089/90 77 88 99, www.designreisen.de.

    Das „Niyama Resort“ kostet für sieben Nächte inklusive Frühstück, Transfer und Flug ab 3098 Euro, buchbar beispielsweise bei Art of Travel, Tel. 089/211 07 60, www.artoftravel.de.

    Das ebenfalls in diesem Jahr eröffnete „Viceroy“ kostet bei einem siebentägigen Aufenthalt mit Frühstück, Transfer und Flug ab 3739 Euro pro Person, buchbar über Stop Over Reisen, Tel. 07136/96 39 00, www.stopover.de

  • Auskunft
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