21.11.12

Superlative

So schläft es sich in den verrücktesten Hotels der Welt

Wer schon immer in einer Kläranlage schwimmen oder in einem überdimensionalen Vogelnest übernachten wollte, muss nur in dem neuen Bildband von Diane Routex blättern. Hier gibt es Hotels zum Staunen.

Foto: Dumont Buchverlag

Im „Juvet Landkaps-Hotell“ im norwegischen Gudbrandsjuevet haben die Gäste ein intensives Naturerlebnis,...

11 Bilder

Sie bieten ein Zimmer ohne Fenster und Türen, offerieren eine Sauna für 100 Personen oder haben in ihrem Bauch eine komplette Formel-Eins-Strecke versteckt. Sie sehen aus wie Iglu- oder Indianer-Dörfer, sind komplett aus Eis oder in eine Höhle eingelassen.

Und sie überbieten sich in Komparativen und Superlativen jenseits der Fünf-, Sechs- oder gar Sieben-Sterne-Kategorie: Größtes Schwimmbecken (Fassungsvermögen von 6000 "normalen" Swimmingpools), höchstgelegene Berghütte (4554 Meter), nördlichstes Vier-Sterne-Hotel (in Grönland) und einziges Unterwasserrestaurant der Welt (im "Conrad Maldives" auf den Malediven).

Und wenn es die Einrichtung selbst nicht schafft, dann kreiert man eben selbst einen Rekord: Man stellt sich den teuersten Weihnachtsbaum der Welt in die Lobby (das elf Millionen US-Dollar teure Schmuckwerk fand sich 2010 im "Emirates Palace" in Abu Dhabi) oder leistet sich eine eigene Bergbahn (das "Tschuggen Grand Hotel" in Arosa), man gönnt sich ja schließlich sonst nichts.

"Erstaunlich" bis "gaga"

Der Bildband "Hotels zum Staunen" ist eine einzige Lese-Lust. Die Französin Diane Routex stellt in ihrem teilweise spektakulär bebilderten Führer 65 Häuser vor, deren Architektur, Lage, Ausstattung oder Grundkonzept die ganze Bandbreite der Reaktionen von "erstaunlich" bis "einfach nur gaga" erfassen kann.

Natürlich finden sich darunter auch die Klassiker des Genres wie das einem riesengroßen Segel nachempfundene Giga-Luxus-Hotel "Burj Al-Arab" in Dubai oder das "Four Seasons Resort Bora Bora" in der Südsee mit seinen Stelzenbungalows.

Das aus gefrorenem Wasser bestehende "Icehotel" in Schweden oder die Luxuscampingzelte des "Longitude 131°" mit bestem Blick auf den Uluru im Outback Australiens oder die durchgeknallten Ideen Berliner Hoteliers wie der "Propeller" oder das "Nhow", das erste Musikhotel Europas.

Ufo in den Bäumen

Nein, es gibt einige Entdeckungen in dem Buch zu machen: Etwa den spektakulären Anblick eines mehrfach umgebauten Schweizer Chalets am Lake Waterton in Kanada ("Prince of Wales Hotel"), das in seinem hundertjährigen Ambiente seit eh und je um fünf Uhr den High Tea kredenzt.

Die wie in ein Ufo oder ein Vogelnest zwischen den Bäumen hängenden Apartments des "Treehotels" im schwedischen Harads sind ein genauso ein Hingucker wie das "Hyatt Capital Gate, Abu Dhabi", dessen 160 Meer hoher schiefer Turm einen viermal höheren Neigungswinkel hat als der berühmte Kollege aus Pisa.

Doch nicht nur die Konstruktion ist häufig erwähnenswert: Auch die Location ist bisweilen bizarr. So ist das Designhotel "La Purificadora" im mexikanischen Puebla früher eine alte Kläranlage gewesen. Luxushotels sind in Klöstern, Manufakturen und alten Kaufhäusern entstanden, Architekten wie Zaha Hamid oder Frank Gehry haben sich in diversen Häusern verwirklicht.

Leben in einer Weintraube

Und wer zum Beispiel schon immer in einer Weintraube leben wollte, der muss nur in einem der verschachtelten Betonwürfel des "Hotel Viura" in Viallabuena de Àlava im spanischen Rioja-Weinanbaugebiet einchecken, die alle zusammengenommen die abstrakterVerkörperung einer Weintraube darstellen.

Ob das alles Sinn macht, und ob man sich das alles leisten will, ist wieder eine ganz andere Frage. Die Übernachtungen kosten zuweilen mehr als 1000 Euro. Das Leben in einem Kunstwerk hat eben seinen Preis.

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