18.11.12

Welttoilettentag

Japans stille Örtchen sind die besten der Welt

Am 19. November ist Welttoilettentag. Er soll darauf hinweisen, dass 40 Prozent der Menschen keinen Zugang zu ordentlichen Sanitäreinrichtungen haben. Weltmeister in Sachen WC-Kultur sind die Japaner.

Foto: Getty Images/amana images RF

Wer in Japan ein dringendes Bedürfnis hat, findet den Weg zum stillen Örtchen recht einfach: Sie sind mit Männlein- und Weiblein-Symbolen gekennzeichnet.

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Es gibt den Tag der Arbeit (1. Mai), den Welttag der Poesie (21. März), einen europäischen Tag des Notrufs 112 (11. Februar) – und seit zwölf Jahren auch einen Welttoilettentag, den die Menschheit alljährlich am 19. November begeht.

Das klingt zunächst skurril, ist es aber nicht, denn der Jahrestag soll, übrigens unterstützt von den Vereinten Nationen, daran erinnern, dass vier von zehn Menschen weltweit keinen Zugang zu hygienisch vernünftigen Sanitäreinrichtungen haben. Das sind immerhin mehr als 2,6 Milliarden rund um den Globus, auch in wichtigen Reiseländern.

"Happy toilet, healthy life"

Hinter dem Welttoilettentag steht die Welttoilettenorganisation, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, den Menschen klarzumachen, dass die Toilette kein Tabuthema ist. "Man darf kurz darüber lachen, aber dann sollte man das Thema ernst nehmen", sagt Jack Sim, Gründer der Organisation. Denn nur wenn mehr – idealerweise alle – Menschen saubere stille Örtchen haben, wird es möglich sein, die hygienischen Bedingungen zu verbessern und Durchfall und viele sonstige Erkrankungen zurückzudrängen.

Seit 2001 organisiert die Welttoilettenorganisation auch einen jährlichen World Toilet Summit. Dieses Jahr steigt der WC-Gipfel im südafrikanischen Durban, 2006 fand er in Bangkok statt, damals unter dem Motto "Happy toilet, healthy life".

Reist man durch die Welt, stellt man schnell fest, dass dieses Motto leider noch nicht überall verbreitet ist. Egal ob deutsche Bahnhof-WCs, afrikanische Latrinen, mediterrane Hocktoiletten oder die "Hallen der Inneren Harmonie" in China (so umschreibt man das stille Örtchen im Reich der Mitte ganz gern): Standard und Hygiene lassen fast überall zu wünschen übrig.

Die Japaner haben die saubersten Toiletten

Nur ein Volk weltweit versteht wirklich etwas von "happy toilets": die Japaner. In deren Land scheint jedes öffentliche WC nicht nur kostenlos zu benutzen, sondern stets auch sauber und blitzblank zu sein, egal ob in Restaurants, Bahnhöfen, Einkaufszentren. Und nicht nur das: Bestimmt jede zweite Toilette ist ein voll automatisiertes Dusch-WC, dort bekannt als Washlet, mit beheizter Klobrille, diversen Wasserstrahl- und Wasserdruckvariationsmöglichkeiten, zum Teil sogar mit Popo-Föhn.

Einige Deluxe-Modelle bieten sogar eine "Geräuschprinzessin": Das ist eine Taste, die man drücken kann, wenn man natürliche Geräusche beim Verrichten von Geschäften mittels eines Wasserrausch-Tonbands übertönen will. Im eher prüden Japan eine sehr beliebte WC-Funktion.

Laut Wikipedia ist der in Japan verbreitete "Toilettensitz mit Warmwasser-Reinigung" der am höchsten entwickelte Toilettentyp weltweit, im " Guinness-Buch der Rekorde" werden japanische Hightech-Toiletten als diejenigen mit den meisten Funktionen weltweit geführt.

Zu viele Tasten beim Dusch-WC

Die renommierte internationale Lifestyle-Zeitschrift "Monocle" hält die japanischen Toilette sogar für eine Art Touristenattraktion: In einem Artikel, in dem 50 coole Dinge beschrieben werden, die Japan-Urlauber vor Ort unbedingt machen sollten, wird ausdrücklich das Erlebnis eines Dusch-WC-Besuchs genannt.

Dem schließen wir uns anlässlich des Welttoilettentags an, hätten allerdings noch eine Bitte an die Japaner: Beschriftet Eure stillen Örtchen nicht nur auf Japanisch. Sonst stehen wir Westler, die wir mal wieder die eine oder andere falsche Taste drücken, während wir auf eurer "happy toilet" sitzen, ganz ungewollt womöglich im Regen da.

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