14.11.12

Luftbilder

Der Mann, der die Wüsten liebt

Er flog 15 Jahre mit dem Paraglider über die extremsten Orte der Erde: Der Abenteurer George Steinmetz nahm – teils unter Lebensgefahr – spektakuläre Wüstenlandschaften aus der Vogelperspektive auf.

Foto: George Steinmetz/Frederking & Thaler

Im Gleitschirm über der Wüste in Saudi-Arabien: George Steinmetz scheut keine Risiken.

5 Bilder

Wüsten? Von wegen öde! Der amerikanische Geophysiker und und vielfach ausgezeichnete Fotograf George Steinmetz, Jahrgang 1957, ist schwer zu erreichen. Meistens ist er unterwegs auf Wüstenexpedition, irgendwo in der Luft, auf der Jagd nach noch spektakuläreren Landschaftsaufnahmen. Je unwirtlicher die Gegend, je beschwerlicher die Anreise, umso reizvoller für ihn.

"Gewisse Besessenheit"

Er attestiert sich denn auch eine "gewisse Besessenheit", seitdem er als Student monatelang durch die Sahara getrampt war. Nach dem Abschluss seines Geophysikstudiums an der kalifornischen Stanford University wurden Wüstenabenteuer seine Passion und Obsession. Bruchlandungen inklusive.

Im leichtesten motorisierten Fluggerät der Welt

15 Jahre flog der Abenteurer aus Beverly Hills mit einem motorisierten Paraglider über die extremsten Orte der Erde: Das leichteste und langsamste motorisierte Fluggerät der Welt besteht aus einem Nylon-Schirm mit Rucksackmotorantrieb, 40 Kilogramm leicht und mit einer Einheitsgeschwindigkeit von 44 Kilometer pro Stunde. Mit einer Zehn-Liter-Tankfüllung kann George Steinmetz bis zu zwei Stunden in der Luft bleiben.

Wenn er zum Fotografieren oder zum Objektivwechsel die Lenkleinen loslässt, kann der Schirm bis zu einer Stunde weiter Kurs halten. Am Boden wird er von seinem Team überwacht, die mit Autos unterwegs sind. Für seine Aufnahmen hat er fünf Motoren, vier Gleitschirme, neun Paar Trekkingschuhe verschlissen und drei Begleitautos, eines ausgebrannt, eines in den Abgrund gestützt und das dritte weggeschwemmt.

Kollision in China

Als einzige größere Blessur musste George Steinmetz in einem chinesischen Hospital mit 17 Stichen an der Wange genäht werden, nachdem er beim Start mit einem Baum kollidierte. Zwei Tage später flog er schon wieder in die Wüste.

In seinem Bildband "Wüsten von oben" präsentiert er in großformatigen Bildern die Quintessenz seiner Passion: Farben und Formen der bizarren Landstriche aus der Vogelperspektive. Wie die Dünen der Ténéréwüste in der Sahara, wie die heißen Schwefelquellen und Salzseen im Afar-Dreieck Äthiopiens.

Er schwebte über die Dünen Arabiens und den Weiten Australiens, die Gobi und die Sonora-Wüste, um die surreale Schönheit von Regionen zu dokumentieren, die ohne Wasser auskommen müssen. So gelang es ihm, einige der klimatisch extremsten und entlegensten Gegenden der Welt zu fotografieren. Tagsüber sengende Hitze, nachts eisige Kälte.

Hier überleben nur Wüstenameisen

Es sind Gegenden, die so extrem lebensfeindlich sind, dass im Wüstensand höchstens die hitzebeständige Wüstenameise Cataglyphis bicolor überleben kann. Sie erträgt Temperaturen bis 55 Grad Celsius.

In den begleitenden Texten beschreibt George Steinmetz nicht nur die Landschaften, sondern auch die Abenteuer, die er während seiner Aufnahmen erlebte. So reiste er in die größte Sandwüste der Welt, das sogenannte "Leere Viertel" in Saudi-Arabien. Es gibt keine aktuellen Landkarten für diese lebensfeindliche Region, in der es keine menschliche Behausung und keine einzige permanente Wasserstelle gibt. Im Sommer klettern die Temperaturen auf mehr als 50 Grad Celsius im Schatten.

Freundliche saudische Grenzposten

Ein Abenteuer, das tragisch hätte enden können: George Steinmetz, sein einheimischer Guide und Crew hatten weder Funk noch GPS dabei. Als die Benzin- und Wasservorräte zur Neige gingen, halfen dem US-Amerikaner freundliche saudische Grenzposten in der Einöde: "Sie kochten für uns Lamm, reparierten unser Auto und schickten uns mit vollem Benzintank und 400 Liter Wasservorrat wieder auf den Weg", erinnert sich der Fotograf.

Wenn er von seinen Reisen zurückkehrt, lebt George Steinmetz in New Jersey. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

George Steinmetz: "Wüsten von oben", Frederking & Thaler, 352 Seiten, ca. 230 Abbildungen, Format 27,0 x 34,5 cm, Hardcover mit Schutzumschlag, 59 Euro.

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