25.10.12

Kriegstourismus

"Guerilla Trek" – Nepals Trekking-Pfad des Grauens

Kassenknüller "Dark Tourism": Nepal, bisher bekannt für Bergpanoramen am Mount Everest, will seine Geschichte vermarkten. Ein Extrem-Wanderweg zeigt die Schauplätze der brutalsten Schlachten.

Foto: picture-alliance/ dpa

Auf dem „Guerilla Trek“ sollen Wanderer die Verstecke der Guerillas während des Bürgerkrieges, ihre Schleichwege und Versorgungsrouten mit eigenen Augen sehen können
Auf dem "Guerilla Trek" sollen Wanderer die Verstecke der Guerillas während des Bürgerkrieges, ihre Schleichwege und Versorgungsrouten mit eigenen Augen sehen können

Mit Katastrophentourismus lässt sich gutes Geld verdienen. Das hat auch Nepals Maoisten-Führer Prachanda erkannt. Der 57-Jährige war einmal Rebellenführer, der aus dem Untergrund eine Guerillaarmee durch einen blutigen Bürgerkrieg dirigierte und die Monarchie in seiner Heimat stürzte.

Dann wurde der einstige Agrikulturstudent Premierminister, und nun will Pushpa Kamal Dahal alias Prachanda, der "Grimmige", in die Tourismusbranche einsteigen: mit einem ganz eigenen Extrem-Wanderweg: dem sogenannten "Guerilla Trek".

Diese historische Route, die zu bewandern zwei bis vier Wochen dauert, hat Prachanda kürzlich der Öffentlichkeit präsentiert. Zusammen mit einem Reiseführer, den er gemeinsam mit seinem amerikanischen Co-Autor Alonzo Lyons verfasst hat, und der die Geschichte des Bürgerkrieges noch einmal aufrollt.

Trekking-Pfad trägt Narben des Krieges

Der Trekking-Pfad trägt noch immer die Narben des Krieges: in den Gebäuden, der Landschaft und in den Gesichtern der Menschen entlang des Weges.

Wanderer können die Verstecke der Guerillas während jener dunklen zehn Jahre, ihre Schleichwege und Versorgungsrouten mit eigenen Augen sehen. Sie kommen durch Dörfer und Täler in Zentral- und West-Nepal, die Schauplätze für einige der brutalsten Gemetzel der jüngeren nepalesischen Geschichte waren.

Sie klettern über zerklüftete Bergrücken, über die die Rebellen einst ihre Verwundeten geschleppt haben, durch Grotten, wo sie sich versteckten, über Flüsse und Reisfelder, wo noch vor weniger als einem Jahrzehnt Tausende von Maoistenkämpfer ihre Schützengräben ausgehoben oder in Hinterhalten der verhassten königlichen Armee aufgelauert haben.

Auf dem "Guerilla Trek" können Touristen einen Hauch der vergangenen Kriegstage nachempfinden und beim Revival jener brutalen Zeit einen angenehmen Schauder verspüren.

"Dark Tourism"

Kriegstourismus, der sogenannte "Dark Tourism", ist ein Kassenknüller geworden. Nepal, bisher eher bekannt für atemberaubende Bergpanoramen am Mount Everest oder Annapurna, will jetzt auch seine jüngste Geschichte vermarkten und neben den Bergsteigern eine andere Sorte von Reisenden locken.

Der Guerilla Trek hat, so meint Prachanda, "das Potenzial, ein Kriegstourismus-Produkt ähnlich derer in Vietnam, Russland oder China zu werden".

Vietnams Ho-Chi-Minh-Pfad und die Cu Chi Tunnel der Vietcong in der Nähe des früheren Saigon lassen seit Jahren die Touristenzahlen in die Höhe schießen.

Ebenso die "Killing Fields" in Kambodscha, die Schauplätze des Krieges in Ex-Jugoslawien, ja sogar Ground Zero in New York. Ein bisschen Gänsehaut, eine kräftige Prise Sensationslust, ein wenig historische Wissbegier, dafür greifen Touristen tief in ihre Taschen. Nepal will nun auch ein Stück von dem lukrativen Kuchen.

Prachanda zieht weiter die Fäden in Nepal

Die Maoisten sind erst seit knapp vier Jahren in Nepal an der Macht, nachdem sie als Guerillaarmee ein Jahrzehnt lang gegen die Monarchie und die damaligen Königstruppen gekämpft hatten. Über 13.000 Menschen sind in dem Bürgerkrieg gestorben, bevor dieser 2006 mit einem Friedensvertrag beendet wurde.

Prachanda selbst hatte sich für seine maoistische Bewegung von Perus Rebellenbewegung "Leuchtender Pfad" inspirieren lassen. Sein Traum war eine kommunistische Republik in Nepal. Er wollte den armen Bauern – immerhin rund 40 Prozent der Nepalesen – eine Stimme geben.

Ein Jahr lang war er selbst Premierminister, doch trat er im Sommer 2009 zurück. Bis heute ist er allerdings der Vorsitzende der Maoisten-Partei und zieht weiter die Fäden in Nepal.

Demokratie immer noch jung und instabil

Die Demokratie dieses Himalajastaates ist immer noch jung und instabil, erst im Juni 2008 hatte der König Gyanendra unter dem zunehmenden Druck schließlich seine absolute Macht aufgegeben und war von der politischen Bühne abgetreten. Aus den historischen Wahlen im selben Jahr waren die Maoisten als stärkste Partei hervorgegangen – aber sie waren nicht stark genug, allein zu regieren.

Seitdem ist Nepal noch immer nicht politisch gefestigt. Die Politiker müssen sich immer noch auf eine neue Verfassung einigen, und die Wirtschaft ist schwach.

"Viele Länder, die einen Krieg hinter sich haben", so erklärte der "Grimmige" bei der Präsentation mit dem nepalesischen Tourismusministerium, "haben versucht, aus der Erinnerung daran Kapital zu schlagen".

"Nepal hat große politische Umstürze erlebt"

Für sein Land sei eine solche Einkommensquelle wichtig, meint Prachanda: "Wie alle wissen, hat Nepal große politische Umstürze erlebt and die Revolution des Volkes wird nichts wert sein, bevor das Land nicht eine wirtschaftliche Transformation durchmacht. Ich hoffe, der Guerilla Trek wird dabei eine wichtige Rolle spielen".

Schließlich, erklärt er voller Stolz auf die Gräuelvergangenheit seiner Heimat, habe der Trek "das Potenzial, die Aufmerksamkeit der ganzen Welt zu erregen".

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