11.10.12

Indonesien

Bali zehn Jahre nach den Bombenanschlägen

Balis Ruf als Partyinsel war legendär. Am 12. Oktober 2002 rissen zwei Bombenexplosionen mehr als 200 Menschen mit in den Tod. Seitdem greift Indonesien gegen Extremisten hart durch.

Foto: AFP

Erinnerung an die Menschen, die am 12. Oktober 2002 bei den Bombenexplosionen auf Bali ums Leben kamen
Erinnerung an die Menschen, die am 12. Oktober 2002 bei den Bombenexplosionen auf Bali ums Leben kamen

Für Ni Luh Erniati ist die Welt am 12. Oktober 2002 zusammengebrochen. An jenem Abend rissen sie zwei verheerende Bombenexplosionen aus einem zufriedenen Leben.

Ihr Mann war Kellner auf der Touristenmeile Kuta auf der indonesischen Ferieninsel Bali. Er hatte keine Chance. Die Bomben zerfetzten ihn. Sie rissen insgesamt 202 Menschen in den Tod, unter ihnen 88 Australier und sechs Deutsche und Dutzende andere ausländische Touristen.

"Für mich ging die Welt geht zu Ende, ich hatte nichts", sagt Erniati, die mit zwei kleinen Söhnen plötzlich allein war. "Ich habe der Realität aber ins Auge geschaut und aufgehört zu weinen."

"Bali liebt den Frieden"

Sie hat mit anderen Frauen, die ihre Männer bei den Anschlägen verloren, nähen gelernt und mit Spendengeldern Nähmaschinen gekauft. Zu fünft nähen sie heute T-Shirts, Taschen und Jacken mit Aufschriften wie: "Bali liebt den Frieden" oder "Lächeln fürs Leben".

Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt. 86 Prozent der 232 Millionen Einwohner sind Muslime. Weil Religion moderat gelebt wird, sahen Gesellschaft und Regierung keine extremistische Gefahr. Die Drahtzieher der Balibomben, die Terrorgruppe Jemaah Islamiyah, wurde unterschätzt.

Mit den Anschlägen setzte ein radikales Umdenken ein: Innerhalb von Wochen peitschte die Regierung Anti-Terror-Gesetze mit hohen Strafen durch das Parlament. Australier und Amerikaner trainierten die Anti-Terrorpolizei "Detachment 88", die heute weltweit Anerkennung findet.

"Aus einer Phase des Leugnens (des Extremistenproblems) hat sich in Indonesien in zehn Jahren eine effektive Strafverfolgung entwickelt", sagt Terrorexperte Jim Della-Giacoma von der Organisation "International Crisis Group".

Kampf gegen die Extremisten

Es gab zwar weitere Anschläge: erneut auf Bali 2005 und auf Hotels und Botschaften in Jakarta, zuletzt 2009. Mehrere Dutzend Menschen kamen ums Leben. Doch mehr als 600 militante Extremisten wurden festgenommen. 23 Menschen wurden wegen der Bali-Bomben verurteilt, drei von ihnen 2008 hingerichtet.

Die Polizei spürte weltweit gesuchte Terroristen wie den in Indonesien aktiven Malaysier Noordin Mohammad Top auf, der bei der versuchten Festnahme 2009 erschossen wurde.

Der radikale Prediger Abz Bajar Ba"asyr wurde als Verschwörer der sogenannten Bali-Bomber 2005 erst verurteilt, dann freigelassen und 2011 erneut zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Die Regierung weiß, dass der Kampf gegen die Extremisten nicht zu Ende ist. "Nachdem wir Jemaah Islamiyah aufgebrochen haben, haben sich einige in Splittergruppen gesammelt", sagt Ansyadd Mbai, Leiter der Anti-Terrorbehörde BNPT. "Sie eint die radikale Ideologie und das Ziel, einen Gottesstaat zu errichten." Allein seit August hat die Polizei fünf Terrorverstecke mit Bombenmaterial ausgehoben, zwölf mutmaßliche Extremisten festgenommen und zwei getötet.

Bali-Tourismus hat sich erholt

Vor allem der Kampf gegen die Verbreitung radikaler Ideologie müsse verbessert werden, sagt Della-Giacoma. Die muslimische Gruppe Lazuardi Birru versucht das. Sie produziert Fernsehprogramme, die den Islam als friedvolle Religion darstellen. Außerdem zeigt sie Teenagern in Seminaren, wie sie vermeintlich attraktive radikale Ideen hinterfragen können. "Wir machen uns Sorgen, weil viele der Festgenommenen jung sind, manche noch Teenager", meint ihr Sprecher Joko Haryanto. "Sie lassen sich leicht beeindrucken."

Der Tourismus in Bali ist nach den Anschlägen eingebrochen. Mehr als die Hälfte der Gäste blieben zwei Jahre lang aus, kleinere Hotels mussten schließen.

Heute brummt das Geschäft wieder, in Kuta erinnert nur noch ein Denkmal an den Horror. Über drei Millionen Besucher werden dieses Jahr erwartet, mehr als im vergangenen Jahr.

60 Hotelprojekte im Bau

Nach einer Untersuchung des Immobilienunternehmens Knight Frank, sollen die 60 neuen Hotelprojekte, die derzeit auf Bali im Bau sind, die Zahl der Hotelzimmer in 2014 auf insgesamt 10.466 anheben. Das berichtet die malaysische Zeitung New Straits Times. Demnach werden die meisten der neuen Hotels in Kuta gebaut. ´

Äußerlich sind die Narben verheilt. Thiolina Marpaung ging damals zufällig an der Bar vorbei, als der Sprengsatz detonierte. Sie verlor fast ihr Augenlicht und sieht oft immer noch verschwommen. Beim Singen in ihrem Gospelchor vergisst sie die Horrornacht.

Quelle: dpa/war
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