26.09.12

Kap Hoorn

Dieser Friedhof weckt die Sehnsucht der Abenteurer

Die Küste vor Chile gilt als gefährlichster Seeweg der Welt. 10.000 Menschen starben vor Kap Hoorn, rund 800 Schiffe säumen die Strände. Ein faszinierender Bildband zeigt "Wracks am Ende der Welt".

Foto: Koehler & Amelang

Die „Ambassador“ verunglückte 1896. Das Wrack liegt nordöstlich vom Kap Gregorio an der Magellanstraße.

11 Bilder

Eine alte Seemannsweisheit sagt "Wenn du alt werden willst, dann meide Kap Hoorn und reffe rechtzeitig die Segel". Diese Redensart kommt nicht von ungefähr, liegt doch vor der Südspitze Südamerikas der bekannteste Schiffsfriedhof der Welt.

Hier am Ende der Welt vor der Küste Chiles herrschen extreme Wetterverhältnisse. Immer weht der Wind über Kap Hoorn. Die Region gehört zu den stürmischsten auf den Weltmeeren. Und aufgrund der Nähe zur Antarktis auch zu den kältesten.

Schon der vielgereiste Charles Darwin erkannte das und schrieb: "Selbst der Teufel würde hier erfrieren". Es ist, kurzum, der gefährlichste Seeweg der Welt. Mehr als 10.000 Menschen ließen hier ihr Leben. Etwa 800 Wracks liegen über mehrere Kilometer verstreut vor Land oder sind gestrandet.

Skelette und Gerippe

Diesen Mythos hält der Bildband "Wracks – Am Ende der Welt" fest. Auf mehr als 140 Seiten gibt das Buch Zeugnis von den Skeletten und Gerippen einst prächtiger Schiffe.

Da wäre zum Beispiel die "Logos", die erstmals 1949 unter dem Namen "Umanak" in See stach und 20 Jahre lang zwischen Dänemark und Grönland pendelte. 1970 wurde sie schließlich in ihren bekannteren Namen "Logos" umbenannt und diente fortan als christliches Hilfsschiff.

Mehr als 50 Millionen Bibeln brachte die Logos in alle Erdteile, war mit einem Missionsauftrag unterwegs auf den Weltmeeren. 1988 lief das "Bibelschiff" in der Nähe der chilenischen Insel Snipe auf Grund. Niemand kam dabei zu Schaden. Teile des rostigen Rumpfs ragen heute über die Meeresoberfläche. Südamerikanische Seeschwalben nutzen das Deck gerne als Raststätte.

Zeuge der Alliierten-Invasion

Weitgereist war auch die "Saint Christopher", bevor sie gesunken ist. 1943 begann sie als Rettungsschlepper vor der Küste des US-Bundesstaats Maine ihren Dienst. Damals noch als "HMS Justice".

Das ursprünglich für die US-Marine gebaute Schiff fuhr ab 1944 für die British Royal Navy und war unter dieser Flagge auch bei der Invasion der Alliierten in der Normandie dabei. Später steuerte die "Saint Christopher" als Handelsschiff ihre Routen von Buenos Aires aus an.

Schließlich sollte das Schiff bei der Bergung der 1930 gesunkenen "Monte Cervantes" helfen. Nach einem fehlgeschlagenen Rettungsmanöver im Oktober 1954 lief die "Saint Christopher" nach ihrer Rückreise im Beagle-Kanal auf Grund.

Konzentration auf das Wesentliche

Es sind derer zahlreiche Seefahrtgeschichten, die sich durch das Buch ziehen. Die Texte arten nie ins Uferlose aus, sondern beschränken sich auf angenehme Weise auf das Wesentliche.

So bleibt mehr Raum für die groß hingelegten Wrack-Bilder. Schon beim alleinigen Betrachten erzählen die Wracks ihre ganz individuellen Geschichten.

Vor der Öffnung des Panamakanals im Jahr 1914 galt der Weg ums Kap als einzige befahrbare Route zur Umschiffung des amerikanischen Kontinents. So viele Schiffe haben ihr Ziel nicht erreicht oder sind auf Grund gelaufen. Von diesen gescheiterten Seefahrten gibt das Buch von Jürgen Hohmuth (Fotos) und Ulf Wolter (Text) kenntnisreich Kunde.

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