30.07.12

Kleine Antillen

Der "Fluch der Karibik" ist für Dominica ein Segen

Von den Dreharbeiten mit Johnny Depp profitieren die Einwohner der Karibik-Insel Dominica bis heute. Ein ehemaliger Fahrer der Crew führt Besucher zu den Schauplätzen der Piratenfilme.

Foto: Dominica Tourist Office

Regisseur Gore Verbinski wählte Dominica in der Karibik als Kulisse für Teil zwei und drei von „Fluch der Karibik“ mit Johnny Depp in der Hauptrolle,...

18 Bilder

Am 4. November 1493 erhielt die Antilleninsel Wai'tukubuli einen neuen Namen: Dominica (Sonntag). Es war ein Sonntag, als Christoph Columbus das Eiland entdeckte, neu benannte – und links liegen ließ.

Er kam von Osten, der rauen Atlantikseite und war seit anderthalb Monaten unterwegs, um im Auftrag der spanischen Königin neue Kolonien zu entdecken. Die schroffen Steilküsten hielten ihn vom Landgang ab. Gottlob, kann man heute sagen, dass er weiter fuhr.

Denn dadurch wurde Dominica erst im 16. Jahrhundert kolonialisiert, und die Ureinwohner wurden nicht, wie auf vielen anderen Karibikinseln, ausgerottet. Die Kalinagos gibt es noch heute, mit 3000 Stammesangehörigen sind sie die größte Gruppe noch lebender karibischer Indianer.

Die perfekte Filmkulisse

Im Jahre 2006 wurde wieder ein Schiff vor Dominica gesichtet. Diesmal mit amerikanischen Scouts an Bord auf der Suche nach Drehorten für eine Filmreihe, die eine der erfolgreichsten und aufwendigsten weltweit werden sollte.

Nach einer Tour über die Insel war Regisseur Gore Verbinski schließlich davon überzeugt, dass Dominica die beste Kulisse für Teil Zwei und Drei vom "Fluch der Karibik" mit Johnny Depp in der Hauptrolle bieten würde. Denn die Insel sah weitgehend immer noch so aus wie vor 200 Jahren.

James steht lächelnd an der Brücke in Portsmouth und wartet auf Touristen, die er in seinem Ruderboot auf dem Indian River entlangschippern kann.

Dabei erzählt er ihnen Geschichten, etwa von den Hauptdarstellern Keira Knightley und Johnny Depp, die schon in seinem Boot saßen. Er zeigt uns die Stätten am Fluss, der im Film Pantano River hieß und an dessen Ufern extra für den Film gebaute Holzhütten standen. Heute ist alles wieder nur Fluss.

Die 600 Personen starke Filmcrew lebte und arbeitete sechseinhalb Monate auf Dominica. Ein Großteil wohnte während dieser Zeit in idyllischen Strandhäusern in Portsmouth, direkt am Meer, den "Picard Beach Cottages".

Wohnen wie einst Orlando Bloom

Dort kann heute auch der normale Tourist im Haus von Schauspieler Orlando Bloom oder Produzent Jerry Bruckheimer wohnen. In einfach-komfortablen Holzhäusern mit einem unvergesslichen Sonnenuntergang über dem Meer, den man besten im Schaukelstuhl auf der Veranda von Haus Nr. 308, dem Jerry Bruckheimer Cottage, genießen kann. Der "Fluch der Karibik" war für die Insel ein Segen, die Einwohner Dominicas leben noch immer von der Aura der Piratenfilme.

Jenner ist einer von denen, die damals für die Produktion gearbeitet haben. Sein Job bestand darin, die Filmcrew über die Insel zu fahren. Heute bietet er für Touristen Rundfahrten auf den Spuren des Filmes an, die einmal quer über die Insel führen.

Und zwar von Vielle Case im Norden bis zur Gegend um den Hampstead Beach, wo eine der spektakulärsten Szenen des Filmes gedreht wurden: Auf einem riesigen, frei rollenden Mühlrad rasen die drei Piraten Johnny Depp, Orlando Bloom und Jack Davenport kämpfend durch den Dschungel.

Kokospalmen ohne Nüsse

Erstaunt steht man mitten im Busch, und es braucht nicht viel Fantasie, um sich diese Szene wieder ins Gedächtnis zu rufen, während man den Anekdoten lauscht, die Jenner über die Filmarbeiten erzählt. So wie die Geschichte über die Kokospalmen ohne Nüsse: Damit den Darstellern und Kameraleuten bei ihrer Arbeit keine Kokosnüsse auf den Kopf fielen, lobte die Produktionsfirma für die Einheimischen pro Palme ohne Nüsse 200 US-Dollar aus.

Weiter geht's nach Touna Village, einem Teil des Kariben-Territoriums im Südosten, wo in einer Art Genossenschaft die Kalinagos leben. Hier baute die Filmcrew ein Kannibalendorf auf. Von den Dreharbeiten sieht man nicht mehr viel, nur ein paar Holzgerüste, die die Häuser der Kannibalen darstellten.

Johnny Depp ward auf der Insel nie wieder gesehen

Der Filmpirat Jack Sparrow war froh, als er die Insel wieder verlassen konnte. Auch Johnny Depp ward nie wieder gesehen, einige Mitglieder der Filmcrew kamen nach den Dreharbeiten aber noch mal auf die Insel für einen Urlaub. Nicht ohne Grund. Dominica ist eine der ursprünglichsten Inseln der Welt, sein Nationalpark Morne Trois Pitons wurde 1997 zum Unesco-Weltnaturerbe erklärt.

Es wurden schon wieder Scouts auf der Insel gesichtet, diesmal auf der Suche nach Drehorten für eine Bollywood-Produktion. Die Dominicaner wird das freuen, und man kann Christoph Columbus nur dankbar sein. Dafür, dass er diese filmreife Kulisse übersehen hat.

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von Discover Dominica und Air France. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit

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Tipps für Dominica
  • Anreise

    Zum Beispiel von diversen Flughäfen mit Air France (www.airfrance.com) via Paris nach Guadeloupe, weiter mit Fähre (www.jeansforfreedom.com) oder mit American Airlines (www.aa.com) via New York und Puerto Rico nach Dominica.

  • Unterkunft

    In Portsmouth „Picard Beach Cottages“, Portsmouth, Strandhaus/HP ab 95 Euro, www.picardbeachcottages.com

    In Roseau: „Fort Young Hotel“ (www.fortyounghotel.com), ab 90 Euro/pro Zimmer (ohne Verpflegung).

    In Trafalgar: „Papillote Wilderness Retreat“ (www.papillote.dm), ab 90 Euro (ohne Verpflegung).

  • Beste Reisezeit

    Ganzjährig, außer in den Monaten September bis Mitte Oktober, da ist auf Dominica Hurrikan-Saison. Im Regenwald, im Inneren der Insel, muss immer wieder mit kurzen heftigen Niederschlägen gerechnet werden, daher sollte auf die entsprechende Garderobe geachtet werden.

  • Pauschalreisen

    Zum Beispiel: www.tropical-reisen.de bietet Islandhopping für Individualreisende und Kleingruppen an.

    Oder: www.aventoura.de, Kleingruppenreisen in Kombination mit zum Beispiel Guadeloupe oder Saint Lucia.

  • Literatur

    Das beste Buch über die Geschichte Dominicas und seine Ureinwohner stammt von Lennox Honychurch: „The Dominica Story: A history of the Island“ (www.amazon.com), 1974 erschienen und nur noch antiquarisch erhältlich.

  • Auskunft

    Fremdenverkehrsbüro von Dominica in Deutschland, www.discoverdominica.com, Tel.: + 49-711-26346624

    Fremdenverkehrsamt: www.dominica.dm

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