13.07.12

Orte zum Abgewöhnen

Reich, öde, schmutzig – Vergessen Sie Brunei!

Der Sultan von Brunei zählt zu den reichsten Menschen der Welt. Für die Hauptstadt des Landes blieb aber offensichtlich kein Geld. Und im Dschungel sieht es auch nicht viel besser aus.

Foto: picture alliance / Bildagentur-o

Lenkt ab vom Dreck: Jame'Asr Hassanal Bolkiah ist die größte Moschee des Landes
Lenkt ab vom Dreck: Jame'Asr Hassanal Bolkiah ist die größte Moschee des Landes

Als "Heimat des Friedens" wird Brunei, das Sultanat an der Nordspitze Borneos, vom nationalen Tourismusamt angepriesen. Von wegen! Die Bruneier machten Stress, und zwar sofort.

In den Einreisepapieren hatte ich wahrheitsgemäß angekreuzt, Tabakwaren einzuführen. Am Zoll zieht mich eine kleine, garstig wirkende Frau in Uniform heraus und will meine Zigaretten sehen. Acht Packungen habe ich dabei und damit weniger als die eine Stange, die jedes Land dieser Erde zollfrei akzeptiert. Dachte ich zumindest.

Nicht so in Brunei, sagt die Zollbeamtin. "Wir erheben Zoll ab der ersten Zigarette, das macht 40 Brunei-Dollar." 25 Euro sind das. Es entbrennt eine längere Diskussion.

Schließlich gebe ich auf, zücke meine Kreditkarte. Frau Garstig sagt, sie nehme keine Visa-Karte. Ich biete ihr malaysische Ringet oder Singapur-Dollar an. Mag sie auch nicht.

"In dem Fall dürfen Sie ohne zu bezahlen gehen, wenn Sie mir versprechen, die Zigaretten in unserem Land nicht zu rauchen." Ob mich den restlichen Urlaub der Geheimdienst verfolgt?

So geht Designhotel in Brunei

Im Reiseführer steht, Brunei habe vor einigen Jahren mit großem Kapitalaufwand versucht, zu einem Tourismusziel zu werden. Die Versuche seien aber gescheitert. Ich ahne warum.

Unser Hotel in der Hauptstadt Bandar Seri Begawan soll eines der besten des Landes sein. Es entpuppt sich als hässlicher Betonzweckbau, der mit ein paar bunten Lichtern an der Außenfassade aufgepeppt wurde. So geht Designhotel in Brunei.

Und die Rezeptionistin bestätigt, was wir schon ahnten: In Brunei herrsche absolutes Alkoholverbot, ein Nachtleben sei nicht vorhanden.

"Erinnert mich an den Kommunismus"

Am nächsten Morgen um sieben Uhr holt uns Reiseführer Chris zu unserem Zwei-Tage-Ausflug in den Ulu Temburong National Park ab. Weil Brunei durch Offshore-Öl zu Reichtum gekommen ist, blieb der Regenwald des Landes weitgehend unberührt.

Mit einem Langboot tuckern wir über einen Fluss ins Zentrum des Regenwaldes. Chris erzählt stolz, der Sultan von Brunei habe dort eine wunderschöne Dschungellodge bauen lassen, mit "minimalem, menschlichem Einfluss für die Natur".

Eine Biegung weiter sehen wir, was der Sultan darunter versteht: Rund einen halben Kilometer zieht sich der Palast aus Edelholz am Fluss entlang. "Erinnert mich an den Kommunismus", sagt meine polnische Freundin Moni.

Eine Metallbrücke verbindet die Stalin-Lodge mit einem Betonbau auf der anderen Flussseite. Wir wollen wissen, was das ist. "Ach, einer der Söhne des Sultans kam letztes Jahr zu Besuch und hat sich dafür einen Helikopterlandeplatz bauen lassen."

Schimmel im Bad, Pfand für den Schlüssel

Besser wird es dann im Regenwald auch nicht mehr: Das Essen ist gruselig und knapp bemessen. Als Nachtisch bekommt jeder einen Teller mit zwei abgezählten Apfelscheiben.

Für den Zimmerschlüssel in unserer Luxussuite (150 Euro pro Person und Nacht) müssen wir 30 Euro Pfand hinterlegen, "weil der sonst immer geklaut wird". Im Bad schimmelt's, die Wanderungen sind selbst für Rentner tauglich.

Höhepunkt ist ein "Canopy Walk" zum Sonnenaufgang um fünf Uhr morgens, angekündigt als malerischer Gang über Holzbrücken zwischen den Baumwipfeln des Regenwalds. Das Holz war dem Sultan offenbar nach dem Dschungelpalast ausgegangen. Stattdessen hat er ein Metall-Baugerüst zwischen den Bäumen errichten lassen. Vergessen wir den Regenwald.

20.000 US-Dollar für jede Mätresse

Zurück in Bandar Seri Begawan wollen wir uns endlich den Prunk des Sultans anschauen, eines der reichsten Menschen der Welt. Sein Istana Nurul Iman Palast, er gilt als der größte der Welt, hat 1788 Räume, fünf Pools, 18 Aufzüge, eine Garage für 110 Autos und Stallungen für 200 Polopferde. Jede seiner 40 Mätressen bekommt angeblich bis zu 20.000 US-Dollar für zwei Wochen Aufenthalt im Palast.

Bei so viel Luxus hatte der Sultan wohl kein Geld mehr für seine Hauptstadt. Bandar Seri Begawan ist dreckig und verbaut wie viele asiatische Metropolen. Nur leider geht ihr die Energie und die Dynamik von Kuala Lumpur oder Bangkok ab. Genau genommen sind die Straßen menschenleer, und wenn man doch mal einen Bruneier sieht, trägt er Mode im Osteuropa-Stil der Nachwendezeit.

Dabei hatte uns Reiseführer Chris zuvor noch erzählt, wie schwer es eigentlich sei, die Staatsbürgerschaft von Brunei zu erwerben. Man muss nämlich den vollständigen Titel des Sultans auswendig lernen: "His Majesty Sultan Haji Hassanal Bolkiah Mu'Izzaddin Waddaulah ibni Al-Marhum Sultan Haji Omar 'Ali Saifuddien Sa'adul Khairi Waddien, Sultan and Yang Di-Pertuan of Negara Brunei Darussalam." Tut mir leid, Hassanal, ohne mich.

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