12.07.12

Südafrika

Wenig Gefahr und viel Luxus am Kap der wilden Tiere

Südafrikas östliche Kap-Provinz ist wild und weit. Die Region ist ein Safari-Revier jenseits touristischer Rennstrecken, bewohnt von Löwen und Nashörnern – aber auch Mistkäfern, die ganz wichtig sind.

Foto: www.samara.co.za

Gern gesehene Wildkatze: Gepard in der Nähe der „Samara Lodge"
Gern gesehene Wildkatze: Gepard in der Nähe der "Samara Lodge"

Eigentlich kann es doch nur ein Missverständnis sein: dass Touristen das Westkap in Südafrika besser finden als das Ostkap. Sicher, Ersteres hat das einmalige Kapstadt, den größten Teil der Garden Route, die Wein-Hochburgen Stellenbosch und Franschhoek und natürlich die Whale-Watching-Stadt Hermanus.

Aber Landschaft im besten Sinne hat vor allem das Ostkap zu bieten, und Wale prusten hier ebenso Fontänen in die Luft. Vor allem aber schwimmen sie Besuchern schon kurz hinter dem Flughafen in Port Elizabeth ins Sichtfeld, direkt von der Küstenstraße kann man sie sehen, die ersten "Aahs!" und "Oohs!" dieser Reise provozierend.

Auch wir werden in den nächsten Tagen aus dem Staunen nicht mehr herauskommen, denn das mit den wilden Säugetieren geht auf dem Festland des Ostkaps weiter, in der Karoo, einer Halbwüstenlandschaft, die sich auf einer Fläche so groß wie Frankreich erstreckt.

Hier schleichen die "Big Five" durchs südafrikanische Unterholz – Löwe, Leopard, Büffel, Nashorn und Elefant. Nicht wegen ihrer Hünenhaftigkeit haben ihnen die Großwildjäger diesen Spitznamen gegeben, sondern weil man bis heute dabei draufgehen kann, wenn man ihrer habhaft werden will.

Hier gibt es die "Big Seven"

Wir aber sind nicht zum Jagen gekommen, sondern zum Gucken. Und zum Genießen. Zum Beispiel im "Addo Elephant National Park", der auf Afrikaans viel schöner klingend "Addo Olifant Nasionale Park" heißt. Weil er bis an die Küste reicht, kann er sogar mit den "Big Seven" aufwarten – auch Wal und Weißer Hai fallen in sein Portfolio.

Seit 1931 gibt es ihn, er ist der drittgrößte Nationalpark Südafrikas. Zu seinen Bewohnern gehören Büffel, Buschböcke, Warzenschweine, Spitzmaulnashörner und Hyänen, doch die Elefanten sind das Stammpersonal und werden immer mal wieder durch Neuzugänge aufgestockt, zuletzt 2003 durch acht Bullen aus dem Krüger-Nationalpark.

Faul lümmeln sie an ihren Wasserstellen herum oder versteigen sich direkt vor der Stoßstange unseres Jeeps in eine Rangelei, bei der sie ihre Zähne ordentlich krachen lassen. So eine "Nahtiererfahrung", so viel ist sicher, haben wir in dieser Form bislang nur in Tierdokumentationen gemacht.

Dass die Dickhäuter in unserem Fall dabei auf einer geteerten Straße stehen, die in so einen Wildpark genauso wenig passt wie eine Treppe in den Mount Everest, vernachlässigen wir für den Moment – denn der ist wirklich groß.

Ein Wildhüter in Todesangst

Schon seltsam, wie sich der Adrenalinausstoß verzehnfacht, wenn kein Zaun zwischen Mensch und wildem Tier ist. Schnurrt dann auch noch der Abstand zwischen beiden auf null zusammen und gelüstet es den Elefanten, mit seinen Hauern den Geländewagen durchzurütteln und die Kühlboxen aus dem Heck zu zerren, dann Gnade allen, die es schaffen, Ruhe zu bewahren.

Und obgleich so ein Szenario genau das richtige wäre, um sich nach Abflauen der Todesangst damit bei den Zurückgebliebenen daheim zu brüsten, passiert es uns glücklicherweise nicht an diesem Tag im Addo-Park. Wildhüter Jonathan jedoch hat es genau so schon erlebt. Und er klingt nicht wie ein Mann, der Jägerlatein nötig hätte. Es blieb eine Ausnahme, sagt er, die gut ausging.

Doch so oder so: Wer sich unter wildes Viehzeug begibt, tut das auf eigene Gefahr. Die Erfahrung aber lehrt, dass man als Insasse eines Geländewagens keine Angst haben muss, denn die Tiere wissen, dass diese Mobile weder Gefahr noch Genuss bedeuten, dass sie weder Feind noch Beute sind.

Trotzdem werden wir ermahnt, nicht aufzustehen oder anderweitig aus dem Umriss des Jeeps herauszuragen – nur das kompakte Gefährt ist reizlos für Löwe & Co.

Warum die Mistkäfer so wichtig sind

Und wir sind sogar so reizlos für den König der Tiere, dass er noch nicht mal die Flucht ergreift, als wir direkt neben ihm stoppen. Im Gegenteil, seine Lordschaft wälzt sich lediglich auf den Rücken und verharrt in dieser Stellung, als wolle er von uns gekrault werden.

Das aber lassen wir lieber und fahren mit Jonathan weiter durch die herb-schöne Parklandschaft, in der – wie überall am Ostkap und in der Karoo – der Spekboom, eine kleinblättrige, buschförmige Sukkulente, der Platzhirsch unter den Pflanzen ist. Und außerdem das Lieblingsfutter der Elefanten.

Nicht nur, dass deren Leben hier der pure Müßiggang ist und sie nur als Objekte zum Bestaunen zu fungieren haben, es wird ihnen auch noch der Dreck nachgeräumt. Der "flightless dung beetle", der flugunfähige Mistkäfer, zwirbelt aus ihrem Kot große Bälle, in denen sich seine Larven vollfressen und ihrerseits Verdautes ans Erdreich abgeben.

So treiben sie einen wertvollen Biokreislauf voran. Und daher ist es verboten, durch Elefantendung zu fahren – Mistkäfer könnten dabei ums Leben kommen!

Exklusive Lodges in der Wildnis

Das "Kwandwe Privat Game Reserve", unsere nächste Station, ist ein privates Wildreservat, das sich über eine Fläche von 16.000 Hektar zieht, nördlich des Addo-Parks und am Great Fish River gelegen ist und noch um etliche Male verwunschener wirkt.

Die Menschen hinter dem Projekt haben sich der Erhaltung und Wahrung dieser Natur verschrieben und vier exklusive Lodges in diese Urlandschaft hineingewürfelt. Sie sind Mitglied der Hotelvereinigung "Relais & Château" und gehören zum Geschmackvollsten, was unter der Sonne Afrikas zu finden ist. Sie sind hochwertig, wirken aber keineswegs deplatziert in der kargen Landschaft der Karoo.

Um es kurz zu machen: Der Gast wohnt wie ein König, und selbst aus seinem Badezuber, der in einem Saal aus Glas steht, kann er den wilden Tieren noch beim Äsen zuschauen. Das Kwandwe ist genau der Typ Oase, den man vorzufinden wünscht, wenn man nach einer langen Pirsch im Morgengrauen durchgefroren aber glücklich heimkehrt von Büffel, Strauß und "Cheetah", dem seltenen Geparden.

Für unsere Wildkatze sind wir auf Geheiß unseres Rangers Murray sogar aus dem Jeep gestiegen und haben uns ihr bis auf zehn Meter genähert. Erst als wir alle wieder heil im Land Rover sitzen, gibt Murray zum Besten, dass Frau Gepard gerade satt war und eh keine Gefahr bestand.

Haudegen mit tiefschwarzem Humor

So also kobert man die Herzen wildentwöhnter Großstädter: Man lockt sie in vermeintliche Gefahr, um ihnen hernach klarzumachen, dass es soooo mutig nun auch nicht war, den Wagen zu verlassen. Wenn uns jemand auf unserer Tour mindestens genauso beeindruckt wie das liebe Vieh, dann sind es die Ranger und Trapper selbst, allesamt Haudegen, die die Ruhe weg und einen tiefschwarzen Humor haben.

Nicht nur, dass sie blitzschnell reportieren, dass das Zebra, dessen Spur sie adleräugig im Vorbeifahren erspähen, trächtig war, sie machen gern auch böse Witze: "Gehen Sie nicht allein hinunter zum Fluss", sagt Murray, "es könnte sein, dass Sie nicht wiederkommen."

Und was macht man nach einem Tag, an dem man die Gepardin, das seltene Erdferkel, eine vorbeidonnernde Nashornherde und einen Löwenvater gesehen hat, der in Anwesenheit seines Jungen einen Gnu-Knochen knackt – ein Geräusch, das man nie wieder vergessen wird, weil es sich tief in die Eingeweide senkt?

Wir versammeln uns rund um den Kamin, schauen ins prasselnde Feuer und danken bei einem edlen Single Malt dem lieben Gott dafür, dass wir das alles erleben durften. In diesem Moment kommt Murray und rät, den Pool der Kwandwe-Lodge am kommenden Tag zur Abenddämmerung hin nicht aus dem Auge zu lassen. Manchmal würden sich die Elefanten heranwagen und ein paar Züge Wasser aus dem Pool rüsseln. Genau so war es dann auch.

Die Erfüllung eines Lebensraumes

Als wir zwei Tage später das Samara-Wildreservat nahe Graaff-Reinet erreichen, eine der ältesten Städte Südafrikas, wähnen wir uns endgültig im Reisehimmel und müssen konstatieren: Nach oben ist immer noch Luft.

Samara, das ist der Lebenstraum, den sich Sarah Tompkins und ihr Mann, ein englischer Unternehmer, erfüllt haben. Manchmal muss man eben nur auf einen Berg steigen in der eigenen Heimat, den Blick schweifen lassen, und prompt ist man verliebt in ein Stück Erde, das man früher gar nicht auf dem Plan hatte.

Der Johannesburgerin Sarah Tompkins ist es nach vielen Jahren in London und Paris so ergangen. Mehr als 13 ehemalige Farmen haben die Tompkins seitdem in der Camdeboo-Ebene gekauft, Zäune und Häuser haben sie entfernt und das gesamte Areal an die Natur zurückgegeben.

"Wir sind das, was früher der Krügerpark war", sagt Sarah Tompkins und meint damit den Anteil von Naturbelassenheit. Auf 28.000 Hektar führen Giraffen, Gnus, Zebras und elf Cheetahs nun ein gutes Leben, denn "Samara", das heißt auch "beschützt durch Gott", nicht nur durch die Tompkins.

Affen schleichen sich auf die Terrassen

Weil aber so viele Hektar wildes Land nicht durchgängig kontrolliert werden können, haben die Thompsons auch mit Wilderern aus Südostasien zu tun, die per Hubschrauber ihre Rhinozerosse attackieren, um an deren Hörner zu kommen.

Wenn aber alles friedlich ist, so wie meistens, dann sind auf "Samara" und seinen Fünf-Sterne-Lodges eher die Affen los. Bis auf die Terrassen der Gäste schleichen sie heran, um Kekse zu stehlen, nehmen aber sofort Reißaus, sobald sich der Besitzer des Gebäcks zeigt.

Alles, was man hier erleben kann, lullt uns ein in das Gefühl, Südafrika und seinem wilden Herzen so nah wie möglich gekommen zu sein. Seiner Weite, seiner einmaligen Schönheit.

Und dann abends, bei einem Sundowner und in Erwartung eines fürstlichen Diners, noch das Gefühl, als linsten uns aus der Dunkelheit alle Viecher zugleich an. Wie es da knackt und knirscht, jault und piepst!

Doch bevor wir überschnappen und gar nicht mehr weg wollen, holen uns Sarah Tompkins und ihre Crew auf den Boden handfester Tatsachen zurück, denn "Samara", das ist nicht nur Müßiggang vom Feinsten, sondern auch Arbeit, auch für die Gäste. Bevor wir fahren, müssen wir noch einen Spekboom pflanzen: Futter für die wilden Tiere.

Die Reise wurde unterstützt von Afrika Reisen Exklusiv und South African Airways.

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Waterberg-Region: Viele Tiere, kaum Menschen

Tipps für das Ostkap Südafrikas
  • Anreise

    Zum Beispiel mit South African Airways von Frankfurt oder München via Johannesburg nach Port Elizabeth. Nach Port Elizabeth fliegt auch British Airways via London und Johannesburg.

  • Veranstalter

    Rundreisen durch die Ostkap-Region bietet zum Beispiel Afrika Reisen Exklusiv: Eine 15-tägige Tour für Selbstfahrer kostet ab/bis Port Elizabeth in der Nebensaison ab 2550 Euro pro Person im Doppelzimmer inklusive Mietwagen (ohne Benzin), Übernachtung mit Frühstück unter anderem in gehobenen Lodges im Kwandwe-Wildreservat sowie im Samara-Wildreservat; mehrere Safari-Fahrten sowie tageweise Vollpension sind ebenfalls im Preis enthalten, Tel. 02224/90 03 63, www.afrika-reisen-exklusiv.com.

    Südafrika-Reisen haben auch Thomas Cook (www.thomascook-reisen.de) oder Explorer Fernreisen (www.explorer.de) im Programm.

  • Unterkunft

    Im Kwandwe-Reservat sind vier Lodges buchbar, Details unter www.kwandwereserve.com. Im Samara-Reservat besteht die Wahl zwischen drei Lodges, Details unter www.samara.co.za. Am Addo Elephant Park nächtigt man stilvoll im „Woodall Country House“, www.woodall-addo.co.za

  • Auskunft

    South African Tourism, Frankfurt/Main, Tel. 0800/118 91 18, www.dein-suedafrika.de

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