11.07.12

Dubai

Bikinis sind nur an Hotelstränden erlaubt

Es ist derzeit sehr heiß am Persischen Golf – und der Ramadan steht bevor. Viele Hotels locken deshalb mit Rabatten. Reisende sollten aber bedenken, dass im Fastenmonat andere Regeln gelten.

Foto: picture-alliance / Bildagentur H

Die Regeln, die während des Ramadan an vielen öffentlichen Stränden gelten, betreffen nicht unbedingt die Privatstrände der Top-Hotels in Dubai
Die Regeln, die während des Ramadan an vielen öffentlichen Stränden gelten, betreffen nicht unbedingt die Privatstrände der Top-Hotels in Dubai

Am 20. Juli beginnt in diesem Jahr der islamische Fastenmonat Ramadan. Vor diesem Hintergrund werden in den nächsten Tagen in Dubai Broschüren an die Touristen verteilt, unter anderem auf Deutsch.

Sie sollen eine "Handreichung für richtiges Benehmen in dem islamischen Land" sein und Besucher "vor unnötigen Strafen bewahren", heißt es dazu von offizieller Seite. So mahnen die Broschüren dazu, tagsüber in der Öffentlichkeit nicht zu essen, zu trinken und zu rauchen, auf den Austausch von Zärtlichkeiten zu verzichten und sich sittlich zu kleiden.

Reisende sollten diese Hinweise auf jeden Fall ernst nehmen, meint Alexander Koenig, Geschäftsführer von First Class & More, einem Internetportal, das Tipps für Dubai-Reisen gibt und über die besten Bonusprogramme von Hotels und Airlines informiert. Koenig lebt seit vier Jahren in Dubai und kennt sich bestens aus in der Region. Wir haben ihn gefragt, was man während des Ramadan zu beachten hat – und welche Hotels derzeit besonders viel Luxus für lau bieten.

Berliner Morgenpost: Was passiert, wenn man als Tourist während des Ramadan gegen die strengen Vorschriften verstößt? Droht dann womöglich sogar Gefängnis?

Alexander Koenig: Die Vorschriften sind sehr ernst zu nehmen, doch man muss hier einiges relativieren. Dass man als Tourist bei Verstößen gegen die Regeln sofort ins Gefängnis wandert, ist absoluter Unsinn und Panikmache. In der Regel wird man bei Verstößen zunächst verwarnt und bei wiederholten Zuwiderhandlungen gibt es Geldstrafen und erst, wenn auch das nichts hilft, wird man in Verwahrung genommen.

Differenziert werden muss auch zwischen öffentlichen und privaten Bereichen. Während am öffentlichen Strand Essen, Trinken und leichtere Bekleidung nicht erlaubt sind, ist dies am Privatstrand vieler Top-Hotels in Dubai – wenn auch mit gewissen Einschränkungen – durchaus möglich. Nur Alkohol gibt es tagsüber während des Ramadan nirgends.

Frühstück als auch Mittagessen nehmen Urlauber in von der Öffentlichkeit abgetrennten Bereichen der Restaurants zu sich. Ab Sonnenuntergang, der in Dubai kurz nach 19 Uhr beginnt, ist dann alles wieder normal.

Berliner Morgenpost: Ist es im Sommer nicht viel zu heiß in den Emiraten?

Koenig: Dubai liegt in der Wüste, dementsprechend wird es im Sommer mit Temperaturen von 40 bis 45 Grad eine "heiße" Angelegenheit. Das ist auch der Grund, warum selbst die besten Hotels im Sommer ihre Preise stark reduzieren. Wer zeitlich und finanziell nicht eingeschränkt ist, fährt sicherlich besser ab Oktober/November nachDubai.

Doch auch im Sommer kann man einen tollen Aufenthalt haben, denn am Strand weht meist ein angenehmer Wind. Darüber hinaus gibt es insbesondere für Familien aufregende Wasserparks, und die Indoor-Attraktionen wie Ski Dubai in der Mall of the Emirates oder das gewaltige Dubai Mall Aquarium mit unzähligen Haien und einem Unterwasserzoo oder auch die Eislaufbahn ebenfalls in der Dubai Mall sind perfekt klimatisiert.

Berliner Morgenpost: Araber hüllen sich der Sonne wegen in lange Gewänder, Europäer hingegen lassen am liebsten alle Hüllen fallen. Kulturell und religiös verbrämte Unterschiede, die oft zu Problemen führen. In Ägypten etwa wird derzeit diskutiert, ob man Bikinis als Badebekleidung noch tolerieren sollte. Gibt es solche Diskussionen auch in den großen Ferienanlagen von Dubai, Abu Dhabi und Ras al-Khaimah?

Koenig: Im Allgemeinen ist es kein großes Thema. Wenn das Hotel einen Privatstrand hat, ist es überhaupt kein Problem, wenn Frauen im Bikini herumlaufen. Und in der Nicht-Ramadan-Zeit ist es auch an öffentlichen Stränden vollkommen unproblematisch. Zu keinem Zeitpunkt akzeptabel sind jedoch Tangas oder zu eng geschnittene Bikinis.

Darüber hinaus hängt vieles auch vom jeweiligen Emirat ab. Dubai ist am liberalsten, während zum Beispiel Sharjah und die nördlichen Emirate eher traditionell ausgerichtet und damit etwas strenger sind. Abu Dhabi liegt diesbezüglich in der Mitte.

Berliner Morgenpost: Was bedeutet das genau – sind in Sharjah Bikinis unerwünscht?

Koenig: Bikinis sind auch hier in den Hotels mit Privatstrand in der Regel kein Problem. Doch wenn man in Dubai bei den Top-Hotels nachfragt, so ist es bei den meisten auch während des Ramadan möglich, am Privatstrand Wasser zu trinken oder kleinere Snacks zu essen. In Emiraten wie Sharjah ist dies in der Regel nicht erlaubt. Dafür gibt es dann komplett abgetrennte Bereiche. Man sollte auf jeden Fall im Hotel nachfragen, was im Einzelnen gestattet ist.

Berliner Morgenpost: Sollte man die Vereinigten Arabischen Emirate während des Ramadan nicht vielleicht besser ganz meiden?

Koenig: Auf keinen Fall, denn der Ramadan hat auch sehr viele positive Effekte: Für alle, die kulturell interessiert sind, ist es höchst spannend, die arabischen Gepflogenheiten kennenzulernen und abends, wenn das Fasten gebrochen wird, an den Festessen teilzunehmen. Es wird nach Sonnenuntergang unglaublich geschäftig überall.

Da der Ramadan in die heißen Sommermonate fällt, sind zudem die Hotels vergleichsweise günstig, und man kann Luxus zum Sparpreis, das heißt mit Rabatten von bis zu 70 Prozent, genießen.

Berliner Morgenpost: Welche Hotels bieten derzeit besonders viel Luxus für lau?

Koenig: Besonders attraktive Raten bietet während des Ramadan die lokale Jumeirah-Kette, die mittlerweile auch in Europa stark expandiert. "Madinat Jumeirah" heißt ihre gewaltige, aus drei Resorts und einem Souk bestehende Anlage in Form einer arabischen Stadt, die vor dem "Burj al-Arab" residiert.

Einmalig günstig ist im Moment auch das "One & Only Royal Mirage", das über mehr als einen Kilometer Privatstrand verfügt. Im Bereich der Stadthotels ist sicherlich das "The Address Downtown" an der Dubai Mall mit direktem Blick auf den Burj Khalifa, das höchste Gebäude der Welt, zu empfehlen.

Und wer eine Kombination aus Stadt- und Strandhotel mag, ist im "Grosvenor House" in Dubai Marina gut aufgehoben. Das Hotel bietet tolle Ausblicke auf den Marina Yachthafen und die Palm Jumeirah, und per Shuttle Service kann man kostenlos an den Privatstrand des 500 Meter entfernten "Royal Meridien Hotel" gebracht werden.

Berliner Morgenpost: Nachdem in Abu Dhabi in den letzten Jahren viel Neues entstanden ist, stellt sich Reisenden die Frage, ob sie nicht besser dieser Stadt vor Dubai den Vorzug geben sollten. Was meinen Sie?

Koenig: Abu Dhabi entwickelt sich zu einer immer interessanteren Destination. Doch trotz erheblicher finanzieller Ressourcen hinkt die Entwicklung im Tourismusbereich im Vergleich zu Dubai immer noch deutlich hinterher. Viele Kernprojekte wie der Louvre und das Guggenheim Museum wurden mehrfach verschoben. Womit Abu Dhabi punktet, sind die vielen attraktiven Hotels, die in letzter Zeit eröffnet haben und die auch deutlich günstiger sind als vergleichbare Hotels in Dubai.

Für Dubai wiederum sprechen die interessanteren Aktivitäten und Attraktionen, die da beispielsweise wären: Eine Fahrt auf die 452 Meter hohe 360-Grad-Aussichtsplattform des Burj Khalifa, ein Besuch des Luxushotels "Burj al-Arab", ein Abstecher zum "Atlantis Hotel" an der Spitze der Palm Jumeirah mit Besuch des gewaltigen Aquariums, ein kurzer Gang durch das historische Dubai mit Bastakiya-Viertel am Dubai Creek sowie abends eine Dinner-Kreuzfahrt auf dem Creek. Auch ein Flug über Dubai im Wasserflugzeug mit atemberaubenden Ausblicken auf die zwei künstlichen Palmen sowie auf die Welt-Inseln sollten zum Programm gehören.

Daher ist insbesondere während des Ramadan meine Empfehlung: In Dubai übernachten und einen Tagesausflug nach Abu Dhabi machen. Derzeit bietet Emirates sehr günstige Direktflüge zwischen 399 und 499 Euro. Eine Preisspanne, die auch für Etihad gilt, nur mit dem Unterschied, dass diese Airline nach Abu Dhabi fliegt. Von dort kann man dann mit dem kostenlosen Shuttle Service nach Dubai fahren.

Berliner Morgenpost: Was sollte man als Tourist in den Emiraten generell beachten?

Koenig: Im Allgemeinen kann man sagen, dass insbesondere Dubai sehr westlich ausgerichtet ist und man sich dort nicht groß umgewöhnen muss. Vorsichtig sollte man mit dem Verkehr sein.

Es wird auf den teilweise beidseitig siebenspurigen Straßen relativ aggressiv gefahren, und aufgrund der ständig wechselnden Baustellen funktionieren auch Navigationssysteme nicht richtig. Wer sich einmal verfahren hat, muss deshalb oft Umwege von mehr als zehn Kilometern in Kauf nehmen. Daher keinen Mietwagen nehmen, sondern lieber Taxi fahren.

Das Gute ist: Da die meisten Taxifahrer auch fasten und aggressives Verhalten während des Ramadan verboten ist, geht es im Straßenverkehr etwas ruhiger zu.

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