06.07.12

Australien

Eine Safari durch die Feuchtgebiete in Queensland

Queensland ist bekannt für das Great Barrier Reef und seine Inselwelt. Das Hinterland lassen viele Reisende links liegen. Doch es hat seine Reize – auch wenn nicht alles echt ist, was echt aussieht.

Foto: dpa

7,5 Kilometer führt die Skyrail Rainforest Cableway über das ewige Grün von der Basisstation außerhalb der Stadt Cairns an der Ostküste Queenslands bis zur ehemaligen Bergbausiedlung Kuranda.

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Das Wasser tost über die Felsen in die Tiefe. "In einigen Monaten in der Trockenzeit wird der Barron River ein klägliches Rinnsaal sein, auch hier an den Wasserfällen", sagt Louise Marshall. Die Rangerin schaukelt mit ihren Gästen aus Europa in einer Gondel der Skyrail Rainforest Cableway über einen der ältesten Regenwälder der Erde.

Als die Seilbahn 1995 errichtet wurde, war sie weltweit die längste ihrer Art. 7,5 Kilometer führt sie über das ewige Grün von der Basisstation außerhalb der Stadt Cairns an der Ostküste Queenslands bis zur ehemaligen Bergbausiedlung Kuranda.

Wie unendlich viele, überdimensionierte Broccoliköpfe erscheint das Meer aus Baumkronen von hier oben. Die Luft ist feucht, erfrischend die Brise, die durch die offenen Luken der Gondel strömt. Im Sicherheitsabstand von zehn mal 20 Metern gleiten die Besucher über das Dickicht, aus dem Zirpen, Pfeifen und Trällern emporschallt und von der Artenvielfalt zeugt, die man ansonsten nur erahnen kann.

Die Früchte sind gefährlicher als Schlangen

Zahlreiche giftige Schlangen gibt es hier im Regenwald, erfahren die Besucher bei einem 20-minütigen Spaziergang über Holzbohlen am Zwischenhalt an der Red Peak Station. "Aber die größte Gefahr sind die hochgiftigen Früchte, die aussehen, als könnte man sie direkt vom Ast essen", erklärt Marshalls Kollege Evan Tandy. Das klingt nach Paradies und der Geschichte mit dem Apfel und der Schlange.

Für viele Touristen kommt vor allem die Inselwelt von Queensland sowie das Great Barrier Reef der Vorstellung vom Paradies sehr nahe. Das Hinterland des australischen Bundesstaates lassen die meisten dagegen links liegen. Dabei hat es neben dem Regenwald noch viel mehr zu bieten.

In Richtung Mareeba, einer Kleinstadt, gut eine Autostunde östlich von Cairns, verwandelt sich der Regenwald in eine Savanne. Immer öfter tauchen am Wegesrand braune, erdige Kegel auf, die Behausungen der Termiten. Die Blicke bleiben nicht mehr am nächsten Baum hängen, sie schweifen oft bis zum Horizont.

"Es ist, als überschreite man eine Demarkationslinie", sagt Neill McGilp über den plötzlichen Vegetationswandel auf der Fahrt in die ersten Ausläufer des Hochlands der Great Dividing Range, des Großen Australischen Scheidegebirges.

Ein Stück Afrika in Australien

Vor fünf Jahren entschied sich der heute 53-Jährige gemeinsam mit seiner Frau für ein Leben in den Mareeba Wetlands. In dem 2000 Hektar großen Naturschutzgebiet mit acht kleinen Seen arbeiten sie seitdem als Tourguides und Umweltschützer. Immer größer wird die Zahl der Touristen, die in fein ausgestatteten Zelten unterkommen.

"Es ist ein Stückchen Afrika hier", sagt McGilp. So weit das Auge reicht, wuchern gelbliche Gräser, Bäume mit teils laublosen, schwarzen Ästen stehen in der Gegend herum. Es könnte Savannenland in Namibia sein. Doch statt Flamingos und Antilopen sind in den Wetlands Emus und Kängurus unterwegs.

Kaum hat McGilp die Gäste für eine Safari in einen alten Jeep verfrachtet, tauchen zwischen Teebaumästen zwei Emus auf, die die Vorbeirollenden anglotzen, sich dann aber ruckartig abwenden. Über den Köpfen der Besucher fliegt ein Blasskopfrosella davon. Den Vögeln und dem Engagement eines Bürgers aus Mareeba sind die Wetlands überhaupt erst zu verdanken.

"Früher wurde das Gelände als Weideland für Rinder genutzt", erzählt McGilp. Dann plante man eine Anbaufläche für die Landwirtschaft, die in der Mareeba-Region Avocados, Mangos, Zuckerrohr oder Macadamia-Nüsse hervorbringt, doch der Boden war ungeeignet. So kam die Idee eines Reservats auf.

Brutgebiete wurden einfach weggewaschen

Weil das Klimaphänomen El Niño immer wieder heftige Dürren und massive Überschwemmungen erzeuge, habe die Vogelwelt gelitten. "Brutgebiete wurden einfach weggewaschen", erzählt der 53-Jährige.

Also wurde das Land kontrolliert geflutet. "Das Wassersystem ist künstlich angelegt", sagt McGilp. Es entstanden acht Seen und mit ihnen neuer Lebensraum für viele Vogelarten.

Tausende von Bäumen wurden zwischen 1996 und 1999 angepflanzt. In diesem Jahr eröffnete das Besucherzentrum mit einer zum Wasser hin offenen Terrasse als Plattform für die Vogelbeobachtung.

Perfekte Symbiose aus Naturschutz und Tourismus

Lebensader des künstlichen Reservats ist wie im Fall des seit Jahrtausenden gewachsenen Regenwaldes von Cairns der Barron River, dessen Wasser über einen nahen Stausee die Wetlands speist. "Wenn in der Trockenzeit wegen des Klimawandels andere Brutgebiete austrocknen, dann kommen viele Vögel zu uns", so McGilp.

Bei einer Fahrt in einem surrend von Elektromotoren angetriebenen Boot über die Clancy"s Lagoon kommen die Besucher der Vogelwelt näher. Ein Australischer Schlangenhalsvogel sitzt am Ufer auf einem kahlen Ast und breitet die Flügel zum Trocknen aus. Am anderen Ende des Sees schwimmen zwei schwarze Schwäne.

"Die Mareeba Wetlands sind eine perfekte Symbiose aus Naturschutz und Tourismus." McGilp sagt das aus Überzeugung. Zumindest auf dem großen Spiegel der Lagune fühlt man sich eins mit der Natur – und vergisst fast, dass man sich in einer künstlichen Welt befindet.

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