Lauschangriff
Kanada hört Flugpassagiere bei der Einreise ab
Eine blöde Bemerkung über den Grenzpolizisten am Flughafen? Das sollten sich Passagiere in Kanada künftig genau überlegen. Denn ihre Gespräche könnten von den Beamten aufgezeichnet werden.
Die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA hatten weltweit zu einer drastischen Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen im Luftverkehr geführt. Aufgrund der extrem langen Wartezeiten und der lästigen Formalitäten, die Passagiere bei der Einreise über sich ergehen lassen müssen, ist der Marktanteil der USA an den weltweiten Reisen in den vergangenen zehn Jahren bereits spürbar geschrumpft.
Zudem ist die Wirksamkeit mancher Sicherheitsmaßnahmen umstritten, einige wurden inzwischen wieder zurückgenommen. Auch in Europa wollte man das Reisen erleichtern. So sollten ab April 2013 neue Scanner das Verbot größerer Flüssigkeitsbehälter im Handgepäck überflüssig machen. Die Lockerung der Regelung ist allerdings verschoben, da die Technik der Geräte noch nicht ausgereift sei.
Gespräche von Reisenden werden abgehört
In Kanada scheint man sich dagegen wenig Sorgen um einen Rückgang des Tourismus zu machen. Denn dort will man, wie die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtet, bei der Überwachung der Passagiere noch einen Schritt weiter gehen.
So soll Kanadas Grenzbehörde Canada Border Services Agency (CBSA) planen, Reisende künftig an den Grenzen nicht nur mit hochauflösenden Kameras zu filmen, sondern auch mit Mikrofonen ihre Gespräche abzuhören.
"Es ist wichtig, dass die zuständigen Behörden über die nötigen Mittel verfügen, um Schmuggler zu fassen und Kriminelle von Kanada freizuhalten" zitiert die FTD die Begründung der Behörde. Laut dem kanadischen Sender CBC sollen bereits an den Flughäfen in Ottawa und Halifax Abhöranlagen installiert worden sein.
Die Kanadier sind entsetzt
Wie die FTD berichtet, zeigen sich viele Kanadier über die neuen Sicherheitsmaßnahmen entsetzt. Datenschützer hätten angekündigt, sich gegen die Lauschangrife zur Wehr zu setzen.
Der Minister für öffentliche Sicherheit, Vic Toews, habe aber bereits angeordnet, die Mitschnitte zunächst zu stoppen und die Überwachungsmaßnahemen noch einmal zu überprüfen. Sowieso gehe es nur darum, Dialoge zwischen Fluggästen und Grenzpolizisten aufzuzeichnen und "keine privaten Unterhaltungen". Und schließlich würden die Aufzeichnungen nach 30 Tagen ohnehin wieder gelöscht.
















