Bildband
Google Earth? So sah die Welt vor 400 Jahren aus
Diese Bilder revolutionierten das Weltbild. Damals, vor gut 400 Jahren. Heute browsen wir durch digitale Maps und Google Earth und sehen eigentlich nur die Gegenwart. Doch wie sah das urbane Leben in der Frühen Neuzeit aus? Ein aufwendiger Nachdruck zeigt in 363 Kupferstichen die "Städte der Welt".
Wie sah die Welt vor Hunderten von Jahren aus? Antwerpen etwa wurde vor 400 Jahren so dargestellt.
Zum globalen Glück haben wir heute Google Earth. Wir suchen und zoomen uns durch die weite Welt und laden sie auf den PC. "Unsere Navigationssysteme machen die Welt zu etwas Greifbarem und unglaublich Konkretem – sie ermöglichen uns das Nicht-Wissen und das Vergessen", sagt aber Rem Kohlhaas in seinem kleinen Vorwort zu dem großen Buch "Städte der Welt".
Es ist ein Buch, das den berühmten niederländischen Architekten, wie er sagt, ehrfürchtig und neidisch werden lässt.
Denn es gilt, eine historisch-bedeutsame, kartografisch-wissenschaftliche Höchstleistung zu würdigen: 363 Kupferstiche von 564 Stadtansichten, -plänen und Schmucktafeln, entstanden zwischen 1572 und 1617, als gebündeltes Wissen über die Welt in sechs Bänden von Georg Braun mit lexikalischen Fleiß aufgeschrieben und von Kupferstecher Franz Hogenberg mit Liebe zum (allegorischen) Detail festgehalten.
Und nun 400 Jahre später als Nachdruck, basierend auf der Originalausgabe des Historischen Museums Frankfurt, in einem 29 mal 42 Zentimeter großen Band erhältlich.
Dabei handelt es sich nicht um einen Atlas im klassischen Sinne – dazu fehlt jede geografische Ordnung. Auch nicht um eine Losesammlung von Stadtplänen, denn in diesen hier wird man schwerlich Orientierung finden. Und schon gar nicht um eine komplette Sicht auf die Welt, denn es fehlen Amerika, Australien und fast ganz Asien.
Nein, es geht um die Darstellung vorwiegend europäischer städtischer Kultur vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Wie Kirchen und Häuser darin, Bauern und Fischer davor, Grünland oder Flüsse dahinter oder drumherum die Geschäftigkeit idyllisch gelegener Handelszentren widerspiegeln, in denen die Religion im Zentrum steht. Vogelperspektiven und Ansichten aus erhöhten Positionen liefern stilisierte Totalen, umrankt von heraldischen Symbolen, Kartuschen (in Latein), Staffage-Figuren in Tracht oder als Allegorie.
Vor Oxford disputieren zwei Gelehrte, vor den Schwefelbergen von Pozzuoli hämmern Esel und Medusa auf einen Amboss ein, und vor dem ungarischen Pápa werden Christen von einer osmanischen Kavallerie-Einheit gepfählt.
So wird "Städte der Welt" zum wertvollen Dokument frühneuzeitlicher Geschichte und Geschichtsschreibung: Dass etwa der Kommentar zu Wittenberg ohne Luther oder das ganze Buch ohne Berlin auskommt, ist nur eine der vielen Entdeckungen, die diesen nicht nur wegen seiner sieben Kilogramm gewichtigen Band über seine kartografische Leistung hinaus historisch so bedeutsam macht.
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Georg Braun/Franz Hogenberg: Städte der Welt. Taschen Verlag, 501 Seiten, 150 Euro, www.taschen.com
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