Fossilien
Die Jäger der längst verlorenen Schätze
Mittwoch, 17. Februar 2010 08:12 - Von Heike WeichlerWo Sammler in Deutschland auf die Jagd nach Fossilien gehen können: Prähistorische Fundstellen gibt es fast überall, wo Gesteinsschichten oder Sedimentablagerungen zutage treten. Anfänger sollten allerdings auf offiziell zugelassenen Flächen suchen. Wir stellen die besten Plätze vor.
Suchen und Sammeln steckt in unseren Genen. Heute muss niemand mehr für seinen Lebensunterhalt Tiere jagen und Beeren finden. Und darum kompensiert so mancher diesen Urtrieb mit einem passenden Hobby. Besonders spannend ist da die Suche nach Fossilien, was einer Schatzjagd gleichkommt.
Schieferbruch Kromer bei Stuttgart, Baden-Württemberg
Baden-Württemberg ist ein Dorado für Fossilienfreunde. Gut 60 Millionen Jahre lag diese Region im Erdmittelalter unter einem tropischen Meer. Besonders interessant sind die Steinbrüche etwa 40 Kilometer südöstlich von Stuttgart. Im Schieferbruch Kromer in Ohmden zum Beispiel werden Hobbysammler garantiert etwas finden: 180 Millionen Jahre alte Ammoniten, tintenfischähnliche Belemniten, Muscheln und Gagat - versteinerte Holzkohle, die zu Schmuckstein poliert werden kann.
Auskunft: Schieferbruch Kromer, Tel. 07023/47 03, www.schieferbruch-kromer.de
Urweltmuseum Hauff, Tel. 07023/28 73, www.urweltmuseum.de
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Kalksteinbruch Rüdersdorf, Brandenburg
Was haben der Berliner Reichstag, das Brandenburger Tor und das Olympiastadion von 1936 gemeinsam? Wie viele andere prominente Gebäude in der Hauptstadt sind sie aus Rüdersdorfer Kalkstein gebaut. Der wird schon seit dem 13. Jahrhundert in dem östlichen Vorort Berlins gewonnen. Neben dem Tagebau ist auf einem 17 Hektar großen Areal ein Museumspark um historische Industriegebäude errichtet, das Besucher auf Land-Rover-Touren erkunden können.
Bei den Stopps lassen sich sozusagen auf dem Boden eines Urzeitmeeres Versteinerungen finden - mit sehr viel Glück auch Wirbel oder Rippen eines Nothosauriers. Das berühmteste Fossil ist das 1904 entdeckte vollständige Skelett dieses Meeresreptils. Heute ist es im Berliner Naturkundemuseum zu sehen. Das "Haus der Steine" im Museumspark zeigt einen Abguss des Fundes.Auskunft: Museumspark Rüdersdorf, Tel. 033638/774 60, www.museumspark.de
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Nettersheim in der Eifel, Nordrhein-Westfalen
Vor etwa 380 Millionen Jahren lag die Eifel in Äquatornähe. Erst die Kontinentalverschiebung rückte diese Region an ihre heutige Stelle nahe der Grenze zu Belgien. In einem riesigen Korallenriff lebten Panzerfische, Schnecken, Armfüßer, Tintenfische, Schwämme und Seelilien. Im "Naturzentrum Eifel" in Nettersheim bekommen Besucher beim Betrachten des Aquariums eine Vorstellung, wie es einst dort ausgesehen haben mag. Sammlungen im "Haus der Fossilien" zeigen, was von dieser einstigen Vielfalt marinen Lebens heute noch zu finden ist.
Offiziell erlaubt ist das Suchen auf dem "Fossilienacker". Dieses
Feld wird immer wieder umgegraben, auch der Regen wäscht stets neue
Fundstücke an die Oberfläche. Man kann dort auf eigene Faust suchen oder
vormittags mit auf eine geführte Sammeltour gehen und am Nachmittag die
Funde präparieren.
Auskunft: Naturzentrum Eifel, Tel. 02486/12 46, www.nettersheim.de
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Eichstätt im Altmühltal, Bayern
Wer hier mit Hammer und Flachmeißel Kalkplatten spaltet, fiebert nach einem
Sensationsfund: dem Urvogel Archaeopteryx. Weltweit wurden erst zehn
Versteinerungen des Zwitters aus Saurier und Vogel entdeckt, alle im
Altmühltal. Im Steinbruch des Museums Bergér in Eichstätt dürfen auch Kinder
Forscher spielen. Zuvor ist ein Rundgang durch das Museum mit mehr als 2000
ausgestellten Fossilien sinnvoll. Die Funde stammen aus den Steinbrüchen der
Familie Bergér. Dann geht es los, mit Geduld und Fingerspitzengefühl. Ab und
zu legt ein Bagger unberührte Schichten frei, das sind die besten Stellen.
Fast immer findet sich etwas. Meistens fingernagelgroße Haarsterne, manchmal
Fische, Krebse, Schnecken, Libellen, Ammoniten oder Wasserlilien. Seltener
Rochen oder Meeresschildkröten, denn in der Jurazeit vor 150 Millionen
Jahren war das Altmühltal die Lagune eines Ozeans.
Auskunft: Museum Bergér, Altmühltal, Tel. 08421/46 63, www.museum-berger.de
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Brodtener Ufer bei Travemünde, Schleswig-Holstein
Winterstürme, heftige Regenfälle und die Brandung verursachen am Steilkliff des Brodtener Ufers zwischen Travemünde und Niendorf an der Ostsee Abbrüche. Jedes Jahr weicht die Küstenlinie bis zu 60 Zentimeter zurück. In den Eiszeiten hatten die Gletscher am heutigen Ufer Gesteinsmassen aus verschiedenen Erdzeitaltern aufgetürmt. Darum können auch die unterschiedlichsten Versteinerungen gefunden werden.
Die Strömung löst hier aus dem sogenannten Geschiebemergel Sand und transportiert ihn zu den Badeorten Niendorf und Travemünde. Die schwereren Steine bleiben zurück. Zwischen Kalkstein, Granit, Sandstein, Gneis, Feuerstein und Kreide lassen sich mit geübtem Auge und Geduld versteinerte Seeigel, runde Kalkschwämme, Reste von Trilobiten, Schnecken, Korallen, Muscheln und "Donnerkeile" entdecken. Diese patronenförmigen braunen Fossilien waren einst der harte Teil einer Tintenfischart. Im feinen Kies liegen Segmente von Seelilien und Armfüßergehäuse.Auskunft: Lübeck Tourismus, Tel. 0451/889 97 00, www.luebeck-tourismus.de
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Fossilien und Veranstalter:
Geologisch erleben: www.geologisch-erleben.de
Richter-Fossilien-Reisen: www.richter-fossilien-reisen.de
www.fossilienatlas.de
www.fossilien-finden.de
Erschienen am 22.09.2008








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