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22.02.12

Kreuzfahrten

Passagiere genießen besonderen Luxus eher versteckt

Reedereien umwerben gut betuchte Passagiere mit VIP-Service und Butler. Heute erfolgt die Klassentrennung auf Kreuzfahrtschiffen aber diskret – um keinen Neid zu schüren.

AIDA Cruises

2012 laufen wieder etliche Kreuzfahrtschiffe vom Stapel. Dazu gehört auch die "AIDAmar" von AIDA Cruises. Sie wird während des Hamburger Hafengeburtstages am 12. Mai getauft.

17 Bilder

Bereitwillig würde der Butler die Koffer für uns auspacken. Wollen wir aber nicht, fühlt sich seltsam an. Ob er uns einen guten Platz für die Abendshow im Theater freihalten dürfe. Ein hervorragender Vorschlag!

Erst in aller Ruhe im Nobelrestaurant dinieren und dann kurz vor der Vorstellung zu den besten Plätzen im Theater eskortiert werden – vorbei am Rest des Publikums, das schon vor 20 Minuten um die Sitze ganz vorne kämpfen musste. Luxuriös fühlt sich eine Kreuzfahrt ohnehin an, aber mit persönlichem Butler erst recht.

Zu den Suiten mit exklusivem Pool, gemütlichem Sonnendeck und künstlichen Palmen abseits des turbulenten Hauptpools gehört aber nicht nur der Butlerservice mit all seinen Annehmlichkeiten. Die mit Abstand beste Aussicht nach vorne aufs Meer bietet die Panorama-Lounge der " MSC Splendida ". Und die ist ebenfalls Teil des "Yacht Club", der ausschließlich für die Suitengäste reserviert ist – einschließlich Gratis-Cocktails und Häppchen den ganzen Tag.

Im Luxuspaket ist außerdem ein reservierter Platz im Spezialrestaurant für den erlauchten Kreis der Passagiere inkludiert, die eine der 99 Suiten hier gebucht haben – ganz ohne fest vorgegebene Essenszeiten wie in den Restaurants für die restlichen rund 3700 Passagiere an Bord.

"Schiff im Schiff" heißt dieser neue Trend bei großen Kreuzfahrtanbietern. Die Bezeichnung trifft die Sache freilich nicht ganz, denn natürlich baut niemand tatsächlich ein komplettes Schiff innerhalb eines anderen Schiffs. Die Grundidee ist vielmehr, eine kleine, abgeschlossene Abteilung mit den vielen Annehmlichkeiten einer edlen, kleinen Yacht zu genießen, ohne dabei auf die vielfältigen Angebote eines großen Kreuzfahrtschiffs verzichten zu müssen.

Ähnliches bietet Norwegian Cruise Line auf fünf Schiffen mit "The Haven" – einem für Normalpassagiere unzugänglichen Suitenkomplex mit zweistöckigem "Courtyard"-Innenhof samt Pool, Sauna und Fitnesscenter sowie Premium-Lounge und eigenem Nobelrestaurant.

Und auch die Cunard Line zelebriert den Luxus für seine zahlungsfähigsten Kunden auf höchstem Niveau. Hier liegen die Princess- und Queens-Suiten zwar nicht innerhalb eines abgetrennten Komplexes, sondern übers Schiff verteilt an den schönsten Stellen. Doch sowohl auf der "Queen Victoria" als auch auf der "Queen Elizabeth" ist der Zimmerschlüssel der Suite zugleich auch Eintrittskarte für den zweistöckigen Edelbereich mit Restaurants, Lounge, "Courtyard"-Innenhof, Aussichtsterrasse und Sonnendeck.

Butlerservice und exklusive Lounges bieten recht viele Kreuzfahrtgesellschaften für Suitengäste. Dort liegen die teuersten Kabinen allerdings nicht in einem vom Rest des Schiffs abgetrennten Bereich. Dafür profitiert der Passagier von zahlreichen Annehmlichkeiten, auf die der Normalpassagier verzichten muss – vom bevorzugten Check-in und schnelleren Gepäckservice über exklusive Cocktail-Lounges und Spezialitätenrestaurants, Champagner, Obstkorb und Pralinen bis hin zu exklusiven Führungen durch Schiffsbereiche, die ein Passagier gewöhnlich nicht zu sehen bekommt, wie Küche, Brücke und Maschinenraum.

Dabei ist das Konzept unterschiedlicher Passagierklassen ein alter Hut. Zu den großen Zeiten der Transatlantik-Liner, als Passagierschiffe noch die einzige Verbindung in die Neue Welt waren, hatten diese ganz selbstverständlich strikt getrennte Bereiche für erste, zweite und dritte Klasse.

Erst als Düsenjets nach und nach den Passagierverkehr über den Atlantik übernahmen und Passagierschiffe zu Vergnügungsdampfern umdeklariert wurden, löste sich die Klassengesellschaft auf. Von da an waren alle Kreuzfahrer eine große, fröhliche Familie, die ungeachtet von Status und Reichtum gemeinsam die Sonne am Pool und die Speisen in den Restaurants genossen.

Heute ist ein Trend zurück zur Klassengesellschaft unübersehbar – wenn auch dezent. Schließlich sollen sich auch Nicht-Suiten-Gäste auf dem Schiff wohlfühlen. Deshalb werden "Yacht Club", "The Haven" und Princess- und Queen-Suiten bei MSC, Norwegian und Cunard nicht pompös zelebriert, sondern eher versteckt. Noch unauffälliger ist der Spezialservice für Besserbetuchte auf den übrigen Schiffen. Dort sind die Suiten über die Kabinenkorridore zugänglich.

Bleibt die Frage, wer es sich leisten kann, einmal so richtig im Luxus zu schwelgen, mit Butler und allem Drum und Dran. Aber VIP zu sein ist nicht zwangsläufig unerschwinglich. Verglichen mit den klassischen kleineren Luxusschiffen sind "Yacht Club" und "The Haven" auf den Megaschiffen nämlich durchaus bezahlbar (siehe Info-Kasten).

Auch Suiten auf anderen Kreuzfahrtschiffen sind nicht mehr unerschwinglich. Vor allem in der Nebensaison lässt sich das eine oder andere Schnäppchen machen und eine Suite zum Preis einer regulären Balkonkabine ergattern. Bei einigen Reedereien sind die Vorzüge einer Suite übrigens schon bei vergleichsweise günstigen Juniorsuiten inklusive. Hier lohnt sich ein genaues Studium des Reisekatalogs.

Weil das First-Class-Gefühl auf vielen Kreuzfahrten inzwischen recht preiswert ist, gönnen sich immer mehr Kreuzfahrer diesen Luxus. Schließlich schmeckt selbst ein Glas Sekt gleich noch einmal so gut, wenn es formvollendet vom Butler in Uniform und weißen Handschuhen eingeschenkt wird.

Und die neidischen Blicke der restlichen Passagiere, wenn der Butler einen zu den reservierten Plätzen im Bordtheater führt oder beim Landausflug an den Warteschlangen vorbeischleust, vermitteln ein faszinierendes VIP-Gefühl.

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