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14.02.12

Tourismusmesse ITB

Krisen hin, Krisen her – Urlaub wird weiter gebucht

ITB: Im März trifft sich die Reisebranche in Berlin. Der blaue Urlaubshimmel scheint eingetrübt – Euro-Krise, Unruhen in Ägypten und das Unglück der "Costa Concordia".

itb-berlin.de

Sie lächeln die Krisen und Katastrophen einfach weg: Mitarbeiter auf dem Berliner Messestand des fernen Taiwan.

8 Bilder

Es klingt paradox. Einerseits reden alle über Krisen und Unglücke – der Euro wackelt, Ägypten kommt nicht zur Ruhe, ein Kreuzfahrtschiff sinkt. Andererseits verreisen die Deutschen weiter, als sei nichts gewesen. Auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB), die vom 7. bis 11. März in Berlin ihre Tore öffnet, stehen daher zwei gegensätzliche Entwicklungen im Mittelpunkt: Es kriselt an vielen Ecken – und Reisen boomen trotzdem.

"2011 war ein Rekordjahr für die Reisebranche", sagt Torsten Schäfer, Sprecher des Deutschen Reiseverbandes (DRV). "Die große Frage auf der ITB wird sein: Wie geht es weiter, wie knüpfen wir daran an?" Die ersten Prognosen geben wenig Grund zur Sorge: Auch für 2012 rechnen Experten mit zweistelligen Wachstumsraten.

Von der deutschen Reiselust profitierte zum Jahreswechsel auch Ägypten. Doch dann flammten neue Unruhen auf. Ägypten wird auf der ITB im Fokus stehen – nicht nur weil es in diesem Jahr Partnerland der Messe ist. Die Tourismusverantwortlichen werden kräftig die Werbetrommel rühren müssen, um verschreckte Urlauber zu überzeugen.

"Ägypten wird einiges aufbieten, um deutsche Touristen zurückzugewinnen", ist Messechef Martin Buck überzeugt. "Inwieweit es gelingt, von der Nachrichtenlage abzulenken, wird sich zeigen." In den Hallen 23.A und 10.2 ist Ägypten auf der ITB unter anderem mit einem Basar, kulinarischen Spezialitäten, Kunsthandwerk und Geschichtenerzählern vertreten.

Manch Krisenland spart auf der Messe

Auch die Euro-Krise macht nicht vor den Toren der ITB Halt. Zwar lassen sich die Urlauber von den Sorgen um den Euro nicht abschrecken und buchen beispielsweise fleißig Urlaub in Griechenland. Doch einige Krisenländer haben ihre Messepräsenz zurückgefahren. Am augenscheinlichsten wird das bei Spanien, das laut Buck die Standfläche kräftig reduziert hat.

Die freigewordene Fläche nehmen asiatische Länder ein. "Hier ist die Nachfrage nach Platz deutlich größer als das Angebot", so Astrid Ehring, Sprecherin der Messe. "Halle 26 platzt aus allen Nähten." Eines der Highlights für Besucher ist dort eine Thaibox-Show am Stand von Pattaya.

Neben Euro-Krise und arabischem Frühling bewegt die Tourismusbranche vor allem der Untergang des Kreuzfahrtschiffs "Costa Concordia". Schon lange vor dem Unglück hatte die Messeleitung eine Gesprächsrunde mit fünf Geschäftsführern von Kreuzfahrtunternehmen organisiert, darunter auch dem Chef von Costa Crociere.

Eine Frage wird hier alles dominieren: Lässt der Boom der Kreuzfahrtbranche nach dem Unglück nach? Buck glaubt daran nicht: "Der Untergang ändert nichts am grundsätzlichen Trend, dass das Kreuzfahrtgeschäft stark wächst", so der Messechef. Ähnlich klingt das bei DRV-Sprecher Schäfer: "Reisebüros und Reiseveranstalter spüren keinen Einbruch."

Travel Technology im Fokus

Krisen hin, Krisen her – Urlaub wird weiter gebucht, immer mehr auch mit dem Smartphone. Dementsprechend wird sogenannte Travel Technology auf der ITB eine große Rolle spielen. Mal eben eine wichtige Information über das Urlaubsziel einholen, spontan einen Ausflug buchen – all das ist technisch schon lange möglich. "Jetzt nimmt das Thema aber richtig Fahrt auf und wird auf der Messe großes Publikumsinteresse finden", ist Buck überzeugt.

Auf der ITB sind allein rund 100 Anbieter von Reise-Apps vertreten. Dabei bleibt ein Problem: die Roaminggebühren. "Wenn ich in Thailand am Strand liege und einen Ausflug für 40 Euro buchen möchte, dafür aber 100 Euro Roaminggebühren zahlen muss, könnte die Euphorie auch wieder verfliegen", fürchtet Buck.

Erst Fachbesucher, dann das Publikum

Das breite ITB-Publikum bekommt am 10. und 11. Februar Zutritt zum Messegelände – die ersten Messetage sind traditionell Fachbesuchern vorbehalten. Um die Besucher bei Laune zu halten, haben die Aussteller neben Gewinnspielen und massenweise Katalogen einige besondere Angebote an ihren Messeständen organisiert.

Am Stand der Schweiz können sich Besucher zum Beispiel in einem alten Zug fotografieren lassen, Hessen stimmt mit gemeinsamem Singen auf den deutschen Chortag ein. Andalusien wirbt mit Flamencotänzern, die Ukraine und Polen machen unter anderem mit einem digitalen Fußballspiel Werbung für die Fußball-Europameisterschaft, die am 8. Juni startet.

Und traditionell spielt natürlich Essen bei der Werbung für ein Land eine wichtige Rolle: In Halle 10.2 bietet eine "Cultural Lounge" kulinarische Spezialitäten aus 60 Ländern.

Quelle: dpa
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