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01.01.12

Pessimistischer Ausblick

Das sind die Schattenseiten des Kreuzfahrt-Booms

In Deutschland wächst der Kreuzfahrtmarkt am schnellsten. Das bedeutet mehr Schiffe, mehr Gäste – aber auch mehr Schadstoffe, die aus dem Schornstein rauchen.

AFP

September 2011: Nordkoreas erstes Kreuzfahrtschiff für Touristen...

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Das schnelle Wachstum der Kreuzfahrtbranche bringt auch Nachteile. Kleinere, aber sehr beliebte Häfen platzen aus allen Nähten. So herrscht beispielsweise in der Altstadt von Dubrovnik in der Hauptsaison zeitweise ein so dichtes Gedränge, dass die Kreuzfahrtpassagiere nur noch wenig vom Charme der historischen Stadt erleben.

In Venedig diskutiert man bereits darüber, die Kreuzfahrtschiffe ganz aus der Lagune zu vertreiben, weil sich die Bewohner von den vielen Touristen zunehmend verdrängt fühlen - die freilich längst nicht alle per Kreuzfahrtschiff kommen. Eine Aktivisten-Gruppe fürchtet gar ganz pessimistisch, dass sich Venedig zu einer künstlich wirkenden Stadt à la Disneyland verwandelt und sieht zudem die Bausubstanz durch den starken Schiffsverkehr gefährdet.

Einige Häfen im Mittelmeer sind bereits jetzt derart überlaufen, dass die Hafenbetreiber dort nach dem Vorbild der norwegischen Häfen ein System etablieren wollen, bei dem die Reedereien ihre Schiffsanläufe lange im Voraus planen und anmelden müssen - in der Hoffnung, überhaupt die gewünschten Liegeplätze zu bekommen.

Aber auch strengere Umweltvorschriften führen zu Einschränkungen. In die Antarktis zum Beispiel darf seit dieser Saison kein Kreuzfahrtschiff mehr mit Schweröl im Tank fahren, was faktisch das Aus für alle größeren Schiffe jenseits von 500 Passagieren bedeutet. Selbst ein ziemlich exotisches Kreuzfahrtziel, der Nationalpark Galapagosinseln, ist künftig nicht mehr für jedes beliebige Schiff anlaufbar; die ecuadorianische Regierung hat die Zahl der zugelassenen Kreuzfahrtschiff-Besuche von 2012 an deutlich beschränkt.

Ganz unterschiedlich gehen Reedereien dagegen mit den sinkenden Durchschnittspreisen bei gleichzeitig steigenden Treibstoffkosten um. Der allgemeine Trend geht dahin, die Passagiere zu höheren zusätzlichen Ausgaben an Bord zu animieren - über Einkaufspassagen, Landausflüge, Schiffsführungen, Wellnessanwendungen, Kochkurse und exklusive Restaurants, die im normalen Reisepreis nicht enthalten sind und extra gebucht werden müssen.

Gleichzeitig stellen vor allem erfahrene Kreuzfahrer fest, dass an vielen Ecken dezent gespart wird. So vermissen sie etwa im kostenfreien Hauptrestaurant den populären Klassiker "Surf and Turf", bestehend aus Hummerschwänzen und Steak. Statt Hummer gibt es Riesengarnelen, und ein ordentliches Steak kostet häufig extra.

Aber kein Trend ohne Gegentrend: Der deutsche Newcomer TUI Cruises ("Mein Schiff 1" und "Mein Schiff 2") setzt auf ein All-inclusive-Konzept. Im Geschäftsjahr 2010/2011 fuhren die Schiffe erstmals mit 100 Prozent Auslastung. Gleichzeitig verteuerte sich der durchschnittliche Reisepreis entgegen dem Branchentrend um 2,7 Prozent auf 152 Euro pro Passagier und Nacht. Auch Aida geht von stabilen Preisen aus, darf allerdings wegen der Börsennotierung der Konzern-Mutter Carnival keine konkreten Zahlen herausgeben.

Die größte Schwierigkeit steht den Reedereien allerdings 2015 bevor. Dann nämlich treten EU-weit neue Umweltvorschriften für den Schiffstreibstoff in Kraft, welche den Schadstoffausstoß der Schiffe reduzieren sollen, der noch immer viel zu hoch ist .

Laut European Cruise Council ist im Augenblick aber nicht einmal klar, ob die Ölindustrie den dann vorgeschriebenen Treibstoff überhaupt in ausreichenden Mengen produzieren kann und in alle Häfen liefern wird.

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