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31.10.10

Neuer Rekord

Das ist das größte Kreuzfahrtschiff der Welt

Die "Allure of the Seas" ist auf dem Weg zum Heimathafen in Florida, wo sie bald als neues Schiff der Superlative getauft wird.

AP/DAPD

Die Allure of the Seas teilt sich den Titel des weltgrößten Kreuzfahrtschiffes mit seinem Schwesterschiff, der Oasis of the Seas.

10 Bilder

Jetzt schippert es also gerade über den Atlantik, voll und doch leer. Ein weiterer Triumph im immer schneller werdenden Wettlauf der großen Zahlen. Zweitausend Mann Crew sind an Bord und doch kein einziger Passagier. Zurzeit wird das größte Kreuzfahrtschiff der Welt, die Allure of the Seas, von der finnischen Werft in Turku in die USA überführt. Am 1. Dezember läuft sie von Fort Lauderdale zu ihrer Jungfernfahrt aus.

Nun kommt presto der Einwand der Experten: Moment, die ist doch baugleich mit dem Schwesterschiff Oasis of the Seas? Jaja, eigentlich; aber eben, so scheint es, doch nicht ganz. Bei der Vorstellung vor der Weltpresse im finnischen Turku bestand Captain William Wright darauf, man habe noch mal Maß genommen und sei dabei auf einen halben Zentimeter mehr Länge gekommen. Der Mann war dabei völlig nüchtern. Nun gut, ist also die "Verlockung der Meere" 361 und ein paar Zerquetschte Meter lang, 66 Meter breit, 72 Meter hoch. In jedem Fall ein Gigant.

In höchsten Tönen preisen die Amerikaner von Royal Caribbean, in deren Flotte die Allure fahren wird, die Ausstattung. Lassen wir also noch mal Zahlen sprechen: 2704 Kabinen können maximal 6360 Passagiere aufnehmen, die zwischen 22 verschiedenen Zimmertypen wählen - zwischen 18 und 156 Quadratmeter groß. Fast alle, auch die preisgünstigeren Innenkabinen, verfügen über einen Balkon. Die Zeiten klaustrophobischer Enge in fensterlosen Räumen sind auf der Allure passé. Wegen der großen Breite des Dampfers war es möglich, mittschiffs ein Atrium zu öffnen, ein 250 m langes Freiluftareal, Central Park und Boardwalk genannt. Es verfügt über Cafés, Boutiquen, Galerien und Geschäfte, ist mit 12.000 Pflanzen begrünt und endet am zum Meer hin offenen Heck. Über 300 Kabinen in diesem Bereich haben also Tageslicht und beim Über-den-Balkon-lehnen sogar Blick auf den Atlantik. Die Gesamtfläche aller 16 Passagierdecks des nagelneuen Luxusliners entspricht der Größe von 35 Fußballfeldern. Das muss man erst mal verdauen.

Damit sich die Gäste, vor allem Nordamerikaner, nicht eine Sekunde langweilen, wird Entertainment rund um die Uhr geboten. Von der Schlittschuhbahn in den Tiefen des Schiffbauchs bis zum Wellenreiten in zwei der einundzwanzig Pools fünfzig Meter über dem Meer. Von Diskotheken und Kneipen bis zu Karaoke-Bar und Comedy-Bühne. Vom Donut-Shop bis zum Hotdog-Stand. Vom Theater mit Broadway-Musical bis zu Wasserballett und Turmspringen im Heckpool. Vom 3D-Kino bis zum Casino, gespickt mit Roulettetischen und Einarmigen Banditen. Vom Spa und Wellness-Center bis zur Gemäldegalerie des Popart-Epigonen Romero Britto. Da schwinden einem die Sinne.

Royal Caribbean kennt seine Klientel jedoch gut. Sonst würde der Bau zweier Schiffe dieser Kategorie unweigerlich im Bankrott enden. Mehr als eine Milliarde Euro hat die Reederei die Allure of the Seas gekostet. Damit könnte man so manchen Karibikstaat sanieren, den sie anlaufen wird. Törns in die subtropische Inselwelt sind in den USA äußerst beliebt. Mit dem neuen Schiff hofft man, auch verstärkt deutsche Urlauber dafür zu begeistern.

Dafür wird voll auf Aktiv- und Familienurlaub gesetzt. Besonders für Kinder gibt es ein ausgefeiltes Rundum-sorglos-Paket. Ein großes, pädagogisch geschultes Team kümmert sich um den Nachwuchs aller Altersgruppen. Im Schiffsinnern haben Kinder eine eigens für sie designte, technisch hochgerüstete Animationswelt und auf einem der Außendecks einen für sie reservierten Poolbereich mit Spielgerät. Die Eltern gehen derweil golfen, Volleyballspielen, erklimmen Kletterfelsen oder sausen an der stählernen Zip Line von der einen zur anderen Seite des Vergnügungsdampfers, neun Decks über dem Boardwalk. Comicfiguren wie Shrek und Konsorten aus Steven Spielbergs Fantasywelt DreamWorks paradieren zur Unterhaltung über die Decks. Hier ist ein schwimmender Vergnügungspark unterwegs.

Trotz ihrer gewaltigen Maße ist die Allure deutlich eleganter, als sie von Land aus wirkt. So teilt das Atrium den massiven Schiffsblock in zwei Teile. Im Open-air-Bereich fällt Sonnenlicht nicht nur auf Central Park und Boardwalk, sondern durch Glasdächer und Kuppeln auch auf die beiden darunter liegenden Decks und damit in fast alle Schiffsebenen, die für Passagiere zugänglich sind. Auch sorgt ein Spoiler über der Brücke dafür, dass der Fahrtwind über die Allure hinweggleitet und so kein unerwünschter Zug in der von Palmen beschatteten Grünanlage entsteht.

Hier gelang der finnischen Werft ein Sahnestück des Schiffsbaus. Fachleute aus aller Welt und zwei Dutzend Berufszweigen arbeiteten drei Jahre rund um die Uhr an dem Oceanliner. Das Ergebnis ist ein Hightech-Schiff, das nicht seinesgleichen hat. Ausgeklügelte Überwachungsverfahren lokalisieren jede Unregelmäßigkeit, jede Feuergefahr automatisch und melden sie auf die Brücke. Elektronische Leitsysteme weisen den Passagieren auf Monitoren überall an Bord den Weg zu ihren Kabinen - was auch bitter nötig ist. Sie zeigen Showprogramme an und freie Tische in den Restaurants, von denen das größte sage und schreibe 3100 Sitzplätze hat. Strikte Energie- und Umweltauflagen, Müll- und Abwasserrecycling demonstrieren ökologisches Bewusstsein.

Bleibt die Frage nach dem Sinn. Danach, ob das All-inclusive-Konzept derart großer Dampfer, die vorgeben, jedes Bedürfnis der Passagiere an Bord zu befriedigen, wünschenswert ist. Ob die kurzen, straff organisierten Landgänge ein Erleben der besuchten Inseln erlauben oder ob das womöglich überhaupt keine Rolle mehr spielt. Ob die massive Reizüberflutung auf Riesenkreuzern wie der Allure of the Seas den Urlaubsspaß erhöht oder nicht. Zumindest kann das nun jeder für sich herausfinden.

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