16.05.10

Themen-Tour

Wenn das Kreuzfahrtschiff zum Golfplatz wird

Themenkreuzfahrten sind im Kommen – vom "Rock-Liner" mit Udo Lindenberg über Literatur-Touren mit Schriftstellern bis zu Gourmet-Rundreisen mit Sterneköchen. Auch Golfkreuzfahrten werden angeboten, um mehr Menschen für maritime Touren begeistern zu können. Golfen an Bord? Wie soll das gehen?

Mit einem sauberen Abschlag lässt der Golfer den Ball auf dem legendären Golfplatz von Pebble Beach in die Luft steigen. Doch statt auf dem penibel gepflegten Fairway des Traumplatzes in Kalifornien zu landen, fliegt die weiße Kugel nur ein paar Meter, prallt mit einem lauten "plopp" auf eine Leinwand und tropft von dieser ab. Der Golfer scheint zufrieden, obwohl sein Ball in keinem Loch gelandet ist. Warum? Weil wir nicht auf einem Golfplatz und nicht in Pebble Beach sind, sondern in einem Golfsimulator, auf dessen Bildschirm besagter Golfkurs eingeblendet ist, und der Golfsimulator steht auf einem Kreuzfahrtschiff.

Die Szene ist beispielhaft für einen Trend an Bord vieler Kreuzfahrtschiffe. Dort spielt man Golf, soll heißen: trainiert mit echtem Schwung, echtem Ball und echtem Schläger auf allerlei virtuellen Golfplätzen, und wenn man eine Golfkreuzfahrt gebucht hat, läuft man während dieser Tour allerlei Häfen an, die in der Nähe hochklassiger Golfplätze liegen.

Zum Beispiel auf dieser Tour an Bord der "AIDAdiva", die durch den Persischen Golf führt. Der Dampfer sticht von Dubai aus in See, von dort geht es über Oman, Abu Dhabi, Bahrain zurück nach Dubai. Das Besondere an der Fahrt sind die besonderen Golfplätze, die die Passagiere während der Reise bespielen können – real, nicht virtuell. Hier gibt es Plätze eingebettet in die Wüste, mit geradezu irrwitzigem Aufwand zu perfektem Grün erhoben, mit Flutlicht ausgestattet, um die kühleren Abendstunden nutzen zu können oder einfach nur vor einer Kulisse, die mit atemberaubend noch zurückhaltend beschrieben ist. Kurz: Golf am Golf ist ein Erlebnis der Extraklasse.

Sogenannte Themenkreuzfahrten sind ein wichtiges Instrument der Anbieter, um mehr Menschen für Kreuzfahrten begeistern zu können. Neben Golfkreuzfahrten gibt es beispielsweise Touren für Gourmets (mit Sterneköchen an Bord), Fahrten für Literaturfreunde (mit Schriftstellern, die an Bord aus ihren Büchern lesen) oder Reisen für Musikinteressierte (mit Opernsängern, Orchestern oder Musikanten an Bord). Manchmal reicht auch schon ein Name, um für ein anderes Kreuzfahrtgefühl zu sorgen: Altrocker Udo Lindenberg beispielsweise macht aus "Mein Schiff" einen "Rock-Liner" – TUI Cruises lockte damit erst vergangene Woche ein neues, und wie sich herausstellte, begeistertes Publikum an Bord. Und Hapag-Lloyd-Kreuzfahrten bietet im Rahmen des Studienreiseformats "Expedition Wissen" neuerdings Kreuzfahrten mit Schwerpunkt Politik & Wirtschaft an (mit Historikern und Politikexperten an Bord). Im Mai noch findet eine Reise mit der "MS Hanseatic" an die US-Ostküste statt (Thema: Das politische Amerika), im Oktober fährt die "MS Bremen" von Akaba nach Dubai (Thema: Arabien – Fluch und Segen des schwarzen Goldes).

AIDA Cruises setzt mehr auf Entspannung und Unterhaltung. Wo immer möglich, werden auf Kreuzfahrten im Rahmen der Landgänge Tauchen, Radfahren und eben Golf angeboten. Für Golfer ist dies aktuell in mehr als 100 der 141 angelaufenen Häfen weltweit der Fall, doch es stehen auch spezielle Golf-Kreuzfahrten auf dem Programm.

Eine solche Reise hat unter anderem den Charme, innerhalb weniger Tage etliche Plätze von oft ganz unterschiedlicher Machart in fremden Ländern erleben zu können. Ein Golfurlaub an Land, mit einem Hotel als Ausgangspunkt, könnte diese beeindruckende Vielzahl an Impressionen und Erlebnissen niemals liefern, von der Mühsal der Anreise ganz abgesehen.

Die Fahrt durch den Persischen Golf bietet den Vorteil, dass es in der Nähe jedes angelaufenen Hafens mindestens einen Golfplatz gibt, man muss also keine weiten Transferwege bewältigen. Im Abu Dhabi Golf Club etwa spielt man auf dem Platz, der Jahr für Jahr Austragungsort eines der am höchsten dotierten Turniere der europäischen Profi-Golftour ist. Das Klubhaus ist ein spektakulärer Hingucker: In Form eines überdimensionalen Falken wacht es über die Spieler aus aller Welt. Obwohl die Anlage praktisch in die Wüste gebaut ist, sind riesige Wasserhindernisse das prägende Element dieses fair zu spielenden, perfekt gepflegten Golfplatzes.

Im Bahrain hat der schottische Profispieler Colin Montgomerie einen Platz gebaut, der sportlich ungemein spannend ist und einem schottischen Küstenplatz ähnelt. Ondulierte Grüns machen das Putten zur Herausforderung, große Sandflächen sind neben den Spielbahnen mit Dünengräsern durchsetzt und ersetzen wirkungsvoll einige der sonst so typischen Topfbunker. Kleine Schwäche der Anlage: Einige Industrieanlagen stören das Auge. In der Dunkelheit ist dies aber kein Problem, da das Flutlicht dann den Blick ganz auf den hell illuminierten Golfplatz lenkt, und wo sonst haben Mitteleuropäer die Möglichkeit, unter Flutlicht einen ganzen Platz bespielen zu können? Das ist mehr als exotisch. Der Platz im Bahrain kann bei unvorsichtiger Spielweise jedoch ein echtes Ballgrab werden, denn seitlich der gepflegten Fairways beginnt bereits die Wüste, und sogar ein echter Whadi quert einige Spielbahnen.

In Dubai wiederum stehen neun Golfanlagen zur Verfügung. Von Aida Cruises ist dabei der Ausflug zum Dubai Creek Golf & Yacht Club organisiert. Der Klub direkt am Ufer eines natürlichen Meeresarms bietet einen spektakulären Kontrast zwischen prächtiger Parklandschaft und beeindruckender Skyline. Auf Bahn 5 spielt man zum Beispiel direkt auf den Creek zu – und als Peilung für das Anspiel des Grüns ragt das höchste Gebäude der Welt in den Himmel: der 828 Meter hohe Burj Chalifa. Die Bahnen 17 und 18 wiederum ziehen sich entlang des Creek-Ufers, sodass ein misslungener Schlag direkt in den Fluten des Meeres landet.

Weitere Golfanlagen in Dubai können Golf-Kreuzfahrer auf eigene Faust erkunden, darunter die Jumeirah Golf Estates, eine sagenhafte Kombination aus vier von den Golf-Weltstars Greg Norman, Vijay Singh, Sergio Garcia und Pete Dyle entworfenen 18-Loch-Plätzen, die zum Teil bereits fertiggestellt sind. Das Finalturnier der PGA-Tour, gleichzeitig die inoffizielle Golf-Weltmeisterschaft, wurde 2009 erstmals dort ausgetragen.

Und wie nutzten Golfer die Seetage am sinnvollsten? Wem die "normalen" Zerstreuungsmöglichkeiten an Bord (von Pool über Spa bis zum Sonnenbad auf dem Sonnendeck) nicht ausreichen, der kann zum Beispiel seinen Ballvorrat im Bordshop wieder auffüllen. Oder beim Schnuppergolfen mitmachen: Auf dem Putting-Green neben dem Simulator demonstriert ein Golflehrer, der auf allen Schiffen der Aida-Flotte immer an Bord ist, wie man den Schläger richtig greift, wie geputtet wird und was man beim Schwung alles zu beachten hat. Diese Schnupperstunde kostet fünf Euro.

Das Putting-Grün ist aus grünem Teppich gebaut und kann unentgeltlich von jedermann benutzt werden. Auf See ist dabei der Wellengang mindestens so herausfordernd wie eingebaute Unebenheiten ("Breaks") auf Naturrasen. Wer seinen Schwung trainieren oder einen der gespeicherten Plätze virtuell spielen möchte, kann den Golfsimulator für 19 Euro je halbe Stunde mieten. Zu zweit kann man in einer Stunde 18 Spielbahnen schaffen und bekommt auf diese Weise zumindest auch optische Impressionen der Weltplätze. Den Golflehrer kann man für eine Trainerstunde gleich mit buchen. Dann kosten 30 Minuten 25 Euro. Ähnliches bietet "Mein Schiff": Golfunterricht für zwei Personen am Golfsimulator kosten 69 Euro für 60 Minuten; wer am Simulator internationale Plätze spielen will, ist mit 18 Euro für neun Löcher dabei.

Den exklusivsten Service für Golfer bietet Hapag-Lloyd Kreuzfahrten: So können Gäste der "MS Europa" auf dem Zubringerflug zusätzliches Freigepäck mitnehmen, an Bord werden Annehmlichkeiten wie Schuh- und Schlägerreinigung geboten, am neunten Loch eines bespielten Golfplatzes erhält der Gast einen Snack, zudem ist ein betreuender Pro immer dabei. Nur eines muss man, wie auf jeder Golf-Kreuzfahrt, selbst erledigen: Den Schläger schwingen.

Ausgewählte Termine

AIDA-Golfkreuzfahrten : Obwohl jede Aida-Kreuzfahrt zu einer Golf-Themenreise gemacht werden kann, bietet der Veranstalter auch spezielle Turnierreisen an. So wird Golf-Pro Frank Adamowicz auf der "AIDAluna" an Bord sein, die vom 24. September bis zum 4. Oktober 2010 von Montreal nach New York kreuzt. Und vom 29. Januar bis zum 12. Februar 2011 wird Nationaltrainer Uli Zilg eine Turnierreise durch die Karibik begleiten (jeweils ab 1795 Euro).

"Mein Schiff"-Golfkreuzfahrten : In der Regel eine Golf-Kreuzfahrt pro Jahr, die nächste vom 14. bis 21. November 2010 (Kanaren mit Agadir, ab 748 Euro.

"MS Europa"-Golfkreuzfahrten : Es sind etwa zehn Golf-Routen jährlich im Programm. Preisbeispiel: 10 Tage von Lissabon nach Monte Carlo ab 26. September 2010 ab 4880 Euro.

Die Reise erfolgte mit Unterstützung von AIDA Cruises.

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