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19.04.10

Umgebucht

Last-Minute ist der mögliche Vulkan-Gewinner

Island, der Vulkan und die Aschewolke. Dieses Thema, gepaart mit den daraus resultierenden Flugbeschränkungen, elektrisiert die Reisenden ebenso wie die Reiseveranstalter. Die Verunsicherung ist groß. Das Interesse an Last-Minute-Buchungen steigt.

AFP

Im April 2010 spuckte der isländische Gletschervulkan wieder. Im 19. Jahrhundert brodelte er zwei Jahre lang - von 1821 bis 1823.

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Aus der Not eine Tugend machen – so muss man wohl nennen, was ersten Reiseunternehmen zum Thema "Aschewolke aus Island" eingefallen ist. "Lassen Sie den Vulkan links liegen... und starten Sie mit dem eigenen Auto entspannt und ohne Wartezeiten in den wohlverdienten Urlaub": Mit diesen Worten warb der Veranstalter FTI am Montag online für Urlaub in der Schweiz, Kroatien und anderen Zielen, die von Deutschland aus gut per Auto erreichbar sind.

Ein Trend zur verstärkten Buchung von Autoreisen sei bisher aber noch nicht auszumachen, sagte Angela Winter, FTI-Sprecherin in München. Auch Flugreisen wurden rund vier Tage nach der Verhängung der ersten Flugverbote in Deutschland weiter gebucht – wenn auch meist nicht für kurzfristige Termine, sondern "langfristig für die nächsten Monate".

Das Beispiel FTI zeigt die Unsicherheit, mit der die Touristen und die Reisebranche derzeit zu kämpfen haben. Während sich die Anbieter intensiv darum bemühten, gestrandete Urlauber nach Deutschland zurückzuholen, blieb auch am Montag unklar, wie lange die Probleme im Flugverkehr durch den Vulkanausbruch auf Island noch dauern werden.

Die Situation sei komplex und werde von Tag zu Tag komplizierter, hieß es in einer Erklärung der arabischen Fluggesellschaft Emirates. Vor einer Freigabe des Luftraums durch die europäischen Behörden sei es nicht möglich, wartenden Gästen feste Zeitpläne zu übermitteln.

Dass die Aschewolke und das Flugverbot langfristig Auswirkungen auf das Reiseverhalten haben, erwarten Experten wie Prof. Adrian von Dörnberg von der Hochschule Worms aber nicht. Die Wolke bleibe für die Menschen eine "sehr ungegenständliche Gefahr", sagte von Dörnberg: "Keiner sieht die Wolke in Deutschland, man spürt sie nicht." Langfristige Einflüsse werde es daher nicht geben, "wenn das Thema Wolke vorbei ist".

Dies unterscheide die Situation zum Beispiel von der nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 oder im ersten Golfkrieg 1991: Damals hätten viele Menschen in Europa von sich aus aufs Fliegen verzichtet, weil sie Angst hatten. Diesmal würden sie durch die Entscheidungen anderer davon abgehalten.

Denkbar sei in dieser Sommersaison allerdings eine noch stärkere Orientierung hin zu Last-Minute-Reisen, meinte der Experte. 2010 sei bereits jetzt ein "Last-Minute-Jahr".

Möglicherweise bekämen die Anbieter von kurzfristig aufgelegten Touren im Sommer aber noch mehr Zulauf, weil wegen der Flugverbote derzeit zurückhaltender gebucht werden dürfte als sonst: "Die Leute warten jetzt einfach mal ab, bis das alles vorüber ist mit der Wolke".

Wie viele Menschen ihre Buchungen tatsächlich hinauszögern, ist jedoch schwer zu schätzen. "Die meisten haben ja schon im Januar/Februar/März gebucht für den Sommer", sagte von Dörnberg. Und die eigentliche Last-Minute-Saison für Reisen im Juli und August beginne erst im Juni.

Viele, die jetzt gerade Urlaub haben, denken allerdings gar nicht so weit. Beim Last-Minute-Spezialisten L’tur meldeten sich am Montag viele verhinderte Reisende, deren Touren in den sonnigen Süden gerade abgesagt worden waren und die nun nach Ersatz schauten, erklärte Vorstandschef Markus Orth in Baden-Baden.

Kombinationen aus Zugreise und Hotel liefen gerade ganz gut, aber auch nach Flugreisen werde an den Schaltern durchaus gefragt: "Die Leute kommen mit einem gewissen Zeitpuffer zu uns und fragen, was denn ab Donnerstag oder Freitag an Abflügen möglich ist".

Wer jetzt frei hat, wolle jetzt auch weg - auch wenn es dann einige Tage weniger am jeweiligen Urlaubsort sind.

Nicht erhältlich waren bei L’tur am Montag dagegen Reisen mit einem Abflug am Dienstag – bis 2 Uhr in der Nacht galt da ohnehin das Flugverbot. Der Last-Minute-Anbieter sei dazu übergegangen im Moment Abflüge am jeweiligen Folgetag nicht mehr zu verkaufen, sagte Orth. Man muss in dieser Situation "von Tag zu Tag neu entscheiden."

Die jetzt wichtigsten Fragen für jeden Reisenden – hier werden sie beantwortet.

Quelle: dpa
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