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"Snowmaker"

Pitztaler Skifreuden auf Schnee aus Israel

Die Wunderwaffe aus dem nahen Osten: Im Prinzip funktioniert der in Israel erfundene "Snowmaker", der eigentlich zur Meerwasserentsalzung dient, wie eine riesige Eismaschine. Und so schafft er es per Zufall, Schnee auch bei 30 Grad plus zu produzieren. Im Tiroler Pitztal hilft er dem schmelzenden Gletscher.

Nichts bewegt die Menschen in den November- und Dezemberwochen so sehr wie der Schnee. Und zwar vor allem wenn er nicht da ist. Kommt er nun und wenn dann auch rechtzeitig zum Saisonstart oder lässt er bis nach Weihnachten auf sich warten, was für die Buchungen natürlich eine Katastrophe wäre.
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Es ist jedes Jahr der gleiche Nervenkitzel, denn selbst mit den ganzen Armeen von Schneekanonen, die entlang der Pisten allerorts aufgepflanzt sind, ist man von der Natur abhängig. Wenn es zu warm ist, dann kann man auch das Beschneien vergessen. Nicht so im Tiroler Pitztal. Dort haben sich die Seilbahnbetreiber zu einer wagemutigen Investition durchgerungen.

Das Gletscherskigebiet am Ende des langen Tales hat das, wovon die Seilbahnbetreiber zwischen Sibirien und Sierra Nevada träumen – Schnee bei so ziemlich allen Wetterlagen. Auf 2840 Meter Höhe steht direkt beim Panorama Sessellift ein ziemlich monströses graues Gebäude, dessen Inhalt für Furore sorgt. Der Snowmaker von IDE Technologies produziert Schnee bis zu Temperaturen von 30 Grad Celsius.

Das rund zwölf Meter hohe Monstrum mit Kesseln, Schläuchen und Leitungen wiegt 30 Tonnen und hat die Pitztaler, so heißt es offiziell, rund 1,5 Millionen Euro gekostet. Der Transport dürfte dabei eine wesentliche Rolle gespielt haben, denn der Snowmaker kommt aus Israel, einer Region also, die nicht gerade eine Spitzenrolle in Sachen Wintersport spielt.

Aber der Snowmaker ist im Prinzip ein Zufallsprodukt und müsste eher Watermaker heißen. Denn IDE Technologies sind weltweit führend bei der Meerwasserentsalzung und haben diese Maschine sozusagen nebenher bei der Kühlung von Stollen in südafrikanischen Goldminen eingesetzt. Dass dabei als Abfallprodukt Schnee entstanden ist, brachte also die Israelis mit den Pitztalern ins Geschäft. „Echter Schnee übrigens“, erklärt Willi Krüger von der Pitztaler Gletscherbahn, „und nicht etwa Crasheis, wie oft behauptet wurde.“

Ganz abwegig ist der Hinweis auf die Eismaschine auch wieder nicht. Denn im Prinzip funktioniert der Snowmaker wie eine riesige Eismaschine. Im Kessel wird Wasser in einem hohen Vakuum eingesetzt. Der überwiegende Teil des Wassers gefriert zu einem Wasser-Gas-Gemisch. In einem Separator trennt man das Wasser von den Schneekristallen.

Weil der Snowmaker in seiner funktionalen Aufmachung nicht gerade eine ästhetische Bereicherung der hochalpinen Landschaft ist, versteckt er sich in einem grauen Betongebäude, aus dessen Mauern eine schmale Rinne ragt, aus der dann der Schnee sozusagen auf die Pisten bröselt. Das sieht zwar recht unspektakulär aus, hat aber auf Dauer seine Wirkung. 950 Kubikmeter kommen so innerhalb von 24 Stunden zusammen. „Das reicht für eine 90 Meter lange, 20 Meter breite Piste mit einer Schneehöhe von 50 Zentimetern", sagt Willi Krüger.

Auch der monströse Snowmaker wäre also sehr lange beschäftigt, um ein ganzes Skigebiet in eine Winterlandschaft zu verwandeln. Aber damit rechnet auch niemand ernsthaft, denn der Snowmaker ist nicht etwa die omnipotente Wunderwaffe gegen den Schneemangel. Die 30 Tonnen Anlage ist nur stationär einsetzbar und macht aufgrund des großen technischen Aufwands auch nur dort Sinn, wo herkömmliche Systeme versagen – wenn es eben besonders warm ist.

Deshalb hat der Snowmaker für diesen Winter weitgehend bereits ausgedient. Seine Schaffenskraft ist in den Spätsommerwochen gefragt, wenn auf den Gletscherskigebieten die Saison startet, zahlreiche Events und Skitests auf dem Programm stehen. Dann brauchen die Pitztaler Schnee, die normale Technik bei spätsommerlichen Plusgraden nicht liefern kann. Und dieser Schnee soll die durch die Gletscherschmelze entstandene Lücke zwischen Bergstation und Piste füllen.

Wo früher die Gäste aus den Seilbahnen gestiegen sind und direkt auf die Piste wechselten, ist das Eis längst in höhere Lagen entschwunden und hat wenig dekorative braune Lücken hinterlassen, die fürs Pistenfahren kaum geeignet sind. Dies wird nun mit dem Snowmaker aufgefüllt, dessen Schnee dann mit Pistenraupen verteilt wird.

Sobald es Minusgrade hat und klassisch beschneit werden kann, wird der Snowmaker in den kurzfristigen Ruhestand versetzt. Genauso will man es auch in Zermatt handhaben, wo der bislang zweite Snowmaker im Einsatz ist und die etwa 700 Meter lange Lücke zwischen der Bergstation Trockener Steg und dem Theodulgletscher auffüllen soll.

Im normalen Skibetrieb nehmen die Gäste am Pitztaler Gletscher die Wunderwaffe aus Israel auch gar nicht wahr, gleiten ahnungslos an dem großen grauen Gebäude vorbei. Bislang ist der Snowmaker also nicht die globale Lösung gegen den Schneemangel sondern ein punktuell wirksames System. Das unterstreicht auch die Tatsache, dass bislang nur zwei Systeme im Einsatz sind.

Allerdings haben bereits viele Interessenten angefragt und sind auf den Pitztaler Gletscher zwecks Besichtigung gepilgert, verrät Felix Viehauser, Repräsentant von IDE Technologies. Bleibt noch die Frage, ob sich der schwere Schneemacher für die Pitztaler wirklich rechnet. Die Beschneiung selbst soll bei den Betriebskosten nicht höher als bei sechs gewöhnlichen Schneekanonen sein, heißt es. Freilich ist da nicht die Abschreibung für die teure Anschaffung eingerechnet.

Der Imagegewinn, rechnet Willi Krüger, ist auf jeden Fall beträchtlich, denn damit ist der Gletscher absolut schneesicher bei allen Temperaturen. Was sie übrigens vor zwei bis drei Jahrzehnten von Natur aus waren. Für die Pitztaler hat sich die Investition bereits gelohnt, kalkuliert ein Tiroler Touristikexperte. Denn mit so vielen Zeitungsartikeln und Fernsehberichten über die Wunderschneekanone, rechnet er, dürfte sich selbige aufgrund des Werbeeffekts längst amortisiert haben

Weitere Informationen:www.pitztaler-gletscher.at

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