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05.10.09

Traumberuf

Lächeln, schwingen, trinken – Der Skilehrer-Alltag

In den Alpen ist schon hier und da die neue Wintersaison eröffnet worden, auf einem Ötztaler Gletscher etwa sind bereits zwei Lifte auf. Das heißt auch für Tausende Ski- und Snowboardlehrer: Auf in eine neue Saison, mit vielen Unterrichtsstunden und Après-Ski-Drinks. Doch ein Skigott muss noch mehr können.

© picture-alliance/ obs/Schweiz_Tourismus
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An der Loipe zwischen Tannheim und Zöblen schwenkt Richard den Stock und zeigt auf eine Zimmerei: "Da arbeite ich nach Ostern wieder", sagt der 58-Jährige. Mit dem Frühjahr verlassen Schnee und Wintersportgäste das Tannheimer Tal in Tirol, dann wird aus dem Skilehrer wieder der Zimmermann.

Seit zehn Jahren macht Richard Semler den Spagat zwischen zwei Saisonberufen und er fährt gut damit: "Ich brauche die frische Luft, und als Skilehrer habe ich es noch mit einer schönen Natur und Leuten in Urlaubslaune zu tun."

Zwei, drei Stunden Skikurs am Vormittag, Mittagspause in fröhlicher Runde und dann ein paar Schwünge vor dem Après-Ski: "So stellen sich Außenstehende den Beruf vor und fragen sich, wann arbeiten Skilehrer eigentlich?", sagt Ecki Kober. Den Betreiber der gleichnamigen Skischule in Lenggries im Isartal bringt das so richtig in Fahrt: Nicht die Vorstellung, dass Skilehrer viele Freiheiten und Freizeit haben, denn die sei durchaus richtig, sondern das Vorurteil, dass sie keinen richtigen Beruf hätten.

"Das ist wie bei allen saisonalen Jobs, jeder von uns hat mindestens zwei Standbeine." Kober malt Leinwandbilder, wenn er nicht auf der Piste steht und bis zu 120 Saisonkräfte führt. Andere Kollegen arbeiten im Sommer in Biergärten, auf Tennis- oder Golfplätzen. Manche leben sogar das ganze Jahr vom Skiunterricht: "Die arbeiten entweder in den Skihallen oder wechseln im Sommer auf die südliche Hemisphäre." Im Winter St. Moritz, im Sommer Argentinien – Skilehrer müssen mobil sein.

Einige von Kobers Leuten arbeiten in der Saison sieben Tage die Woche, je nach Wetter- und Lichtverhältnissen sechs bis acht Stunden täglich. Andere unterrichten nur am Wochenende, die meisten freiberuflich. "Die wollen unabhängig bleiben." Dass es zu den Stoßzeiten schon mal voll auf der Piste wird und bei Regen die Laune der Gäste erheblich sinkt, gehöre zu den Schattenseiten des Berufs. "Es ist eine super Leistung, immer gut drauf zu sein", sagt der staatliche geprüfte Skilehrer.

Der Einstieg in den Beruf fängt in der Regel mit einer Bewerbung in einer Skischule an. Der Kandidat muss mindestens 16 Jahre alt sein, Skifahren können und sportbegeistert sein, betont Andrea Müller, Mitarbeiterin beim Deutschen Skilehrerverband in Wolfratshausen.

Entweder bildet die Skischule dann selbst intern aus, oder der Anwärter absolviert eine zweitägige Grundausbildung plus fünf Tage Praktikum. "Als Hilfsskilehrer unterrichten die Einsteiger dann auch schon selbst, aber noch unter der Aufsicht eines staatliche geprüften Skilehrers", erklärt Müller. Die Bezeichnung "staatlich geprüfter Skilehrer" ist so etwas wie der Meistertitel für die "Sportlehrer im freien Beruf".

Die Prüfung ist einmal im Jahr an der TU München möglich. Rund 40 angehende Skilehrer und 10 Snowboardlehrer müssen dann in einem umfangreichen Praxisteil beweisen, dass sie andere anleiten und auch auf schwierigen Pisten fahren können sowie die Sicherheitsregeln beherrschen. Dazu kommt für die Skilehrer der Langlauf mit einer Prüfung in Technik sowie Zeitfahren. Schließlich gibt es noch einen theoretischen Prüfungsteil, der von der Lawinenkunde über Physiologie bis zur Biomechanik reicht.

"Das ist eine sehr umfangreiche Berufsausbildung", betont Christoph Ebert, Sportlehrer und Prüfungskoordinator an der TU München. "Der Titel genießt auch in der Wirtschaft Anerkennung, weil er belegt, dass man Menschen führen kann." Vor der Prüfung stehen acht Lehrgänge, die der Skilehrerverband im Auftrag der TU durchführt: "Wir haben drei Ausbildungslevel von der Grundstufe zum Verbandskilehrer, die alle schon zum eigenständigen Unterricht befähigen", sagt Andrea Müller. Aber nur der "staatlich geprüfte Skilehrer" darf eine Skischule gründen und selbst ausbilden.

"Wir haben die Philosophie, dass ein Skilehrer jedes Jahr weiter an seiner Ausbildung feilt", erklärt Müller. Die staatlich geprüfte Skilehrerin leitet selbst zusammen mit ihrem Mann eine Skischule in Oberaudorf in Oberbayern. Bei der Personalauswahl achtet sie auf Teamfähigkeit, skifahrerische und kommunikative Qualitäten.

Der Bedarf an Nachwuchskräften sei groß und zwar ohne Altersbegrenzung: Bei Ecki Kober hat in der vergangenen Saison ein 57-jähriger früherer Immobilienmakler angeheuert, der noch einmal seinen Traumberuf ausüben wollte. Als Hilfsskilehrer kommt er in dieser Saison wieder nach Lenggries: "Ältere Skilehrer genießen eine hohe Akzeptanz und sind gute Berater", sagt der Skischulleiter. So gesehen dürfte Richard Semler noch einen langen Berufsweg vor sich haben. (www.skilehrerverband.de)

Quelle: dpa
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