26.02.13

Flugreisen

Das Finanzamt beteiligt sich auch an Urlaubskosten

Eine Steueranrechnung für Reisende gibt es, wenn der Flug kohlendioxid-neutral ist. Ein Berliner Veranstalter stellt nun sogar komplette Touren zusammen, deren CO2-Emissionen absetzbar sind.

Foto: picture-alliance/ gms

Kleingeld für den Klimaschutz: Reisende können mit einer Spende an Atmosfair ihren persönlichen Kohlendioxidausstoß kompensieren
Kleingeld für den Klimaschutz: Reisende können mit einer Spende an Atmosfair ihren persönlichen Kohlendioxidausstoß kompensieren

Als reisender Gutmensch Steuern sparen zu wollen, ist nicht leicht, muss man sich doch zunächst ein wenig mit dem vertrackten Thema CO2-Kompensation beschäftigen: So erzeugen die Deutschen rund viermal mehr Kohlendioxid pro Jahr, als sie laut Bundesumweltamt (BMU) eigentlich sollten. Und ein nicht geringer Teil davon geht für Mobilität und Urlaub drauf.

Doch der Tourismus ist inzwischen einer der weltweit wichtigsten Arbeitgeber, weshalb nicht dem Verzicht, sondern dem nachhaltigen, umweltschonenden Reisen das Wort gesprochen wird – und das auch auf der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin (Halle 4.1.)

So bieten immer mehr Veranstalter ihren Kunden eine CO2-Kompensation an, zum Beispiel über Atmosfair. Diese gemeinnützige Gesellschaft, die 2005 aus einem Forschungsprojekt des Bundesumweltministeriums hervorging, fördert den Bau von Solar-, Wasserkraft-, Biomasse- oder Energiesparprojekte in Entwicklungsländern.

Das Geld dafür kommt von Reisenden als Wiedergutmachung für die Emissionen, die sie als Flugpassagier mitverursacht haben. Ihr Anteil am Kohlendioxidausstoß wird ermittelt, mit dem Ziel, diese anderswo wieder einzusparen.

Wobei einsparen eigentlich nicht das richtige Wort ist. Was in der Luft ist, lässt sich ja nicht zurückholen. Gemeint sind vielmehr Einsparungen von Emissionen, die es noch gar nicht gibt, die mit der industriellen Entwicklung in der Dritten Welt aber unvermeidbar sind – es sei denn, man unterstützt diese Länder mit Spendengeldern beim Bau klimaschonender Technik, wie eben Solarkraftwerken.

Atmosfair stellt Spendenquittung aus

Als spendenwilliger Reisender kann man seinen Obolus mit Hilfe eines Emissionsrechners auf der Website von Atmosfair entweder selber ermitteln, oder man bucht bei einem Veranstalter, der mit Atmosfair zusammenarbeitet (auf der Website gibt es eine Liste aller Atmosfair-Mitglieder) und das Geld automatisch an die Organisation überweist.

Ganz gleich, welchen der beiden Wege der Reisende wählt, er bekommt in jedem Fall nach ein paar Wochen von Atmosfair eine Spendenbescheinigung, die er bei der Steuererklärung einreichen kann. Und wer besonders viel absetzen will, sucht sich einen Veranstalter, der nicht nur eine Kompensation von Flug-, sondern auch von Bahn-, Bus- und Schiffskilometern anbietet und sogar Hotelaufenthalte emissionstechnisch erfasst.

Mit genau dieser Dienstleistung startete der Berliner Veranstalter Langsamreisen vor drei Jahren – und besetzte eine Marktlücke, "in der Langsamreisen bis heute weitgehend allein ist", sagt Geschäftsführer Arne Gudde. "Für jede Aktivität des Reisenden ermitteln wir die CO2-Kompensation und führen sie an Atmosfair ab."

Der Effekt für den Kunden sei damit ein dreifacher: Er tue Gutes, verringere mit jedem gereisten Kilometer sein zu versteuerndes Einkommen, ohne – drittens – dafür selbst komplizierte CO2-Überlegungen anstellen zu müssen.

Hotels belasten Wasserhaushalt vieler Länder

Zur Veranschaulichung macht Gudde eine Beispielrechnung auf: "Für Frachtschiffreisen werden 1,4 Kilogramm Kohlendioxidausstoß pro 100 Kilogramm Last und Seetag zu Grunde gelegt. Da für die Passagiere zusätzlich Verpflegung transportiert wird, veranschlagt man Passagiere mit 200 Kilogramm Last – das macht 2,8 Kilogramm Kohlendioxidausstoß pro Tag. Bei einer zehntägigen Fahrt von Hamburg nach New York verursacht ein Mitreisender also 0,028 Tonnen CO2. Dafür überweisen wir einen Euro an Atmosfair. Das ist zwar wenig, summiert sich aber mit jedem Reisenden, der sich an der Kompensation beteiligt."

Bei einer 13-wöchigen Weltumrundung, die Langsamreisen ebenfalls anbietet und die per Frachtschiff und Zug von Rotterdam über New York, Chicago, San Francisco, Hongkong, Peking, Moskau bis nach Berlin führt, kommen beispielsweise knapp 0,80 Tonnen Kohlendioxid zusammen, was einem Spendenbeitrag von 18 Euro entspricht.

Und da sind die Hotels noch nicht einmal dabei. Sie in die Rechnung einzubeziehen, ist aber durchaus sinnvoll, weil gerade Urlauber-Resorts eine große Belastung für den Wasserhaushalt vieler Länder sind.

Nach Angaben der britischen Hilfsorganisation "Just a drop" (Nur ein Tropfen) benötigt ein Luxushotel mit 400 Betten zur Versorgung der Gäste, des Pools und der Grünflächen etwa 500 Liter Wasser pro Tourist und Tag. Entsprechend der Empfehlungen von Atmosfair legt Gudde bei Hotelaufenthalten pauschal einen Kohlendioxidausstoß von 0,035 Tonnen pro Person und Nacht zugrunde, das sind 81 Cent Kompensation pro Nacht.

Auch Segelschiffe werden kompensiert

Unterm Strich müssten Reisende bei einem Langstrecken-Urlaub mit zweistelligen Euro-Beträgen rechnen, der zunächst auf die eigentlichen Reisekosten aufgeschlagen werde, aber dann zu 100 Prozent an Atmosfair gehe, sagt Gudde. Manchmal seien es auch nur Kleinstbeträge von drei, vier Euro, vor allem bei Reisen ohne Flug.

Während etwa bei einer Atlantiküberquerung per Segelschiff ein Verbrauchswert von gerademal 0,118 Tonnen angesetzt wird (der Skipper könnte bei Flaute ja die Motoren zuschalten), kommen bei einem Flug von New York nach Hamburg one-way 2,05 Tonnen, mithin rund 48 Euro CO2-Kompensation auf den Reisenden zu.

Bleibt die Frage, wie viel Steuern sich tatsächlich sparen lassen. Gudde hatte für einen Kunden kürzlich einen Australien-Urlaub zusammengestellt und ruft nun diese Buchung im Computer auf: "Der Mann flog von Frankfurt via Singapur nach Sydney, hatte insgesamt 14 Hotelübernachtungen und zwischendurch noch eine Zugfahrt von Sydney via Adelaide nach Alice Springs und wieder zurück nach Sydney, von wo er den Heimflug antrat."

Mit dieser kombinierten Flug-, Hotel-, Zugreise verursachte Guddes Kunde insgesamt 9,93 Tonnen Kohlendioxid, wofür er 228,39 Euro Kompensation zahlte. Knapp die Hälfte davon, 95,92 Euro, würde er vom Finanzamt zurückbekommen, wenn er einen Spitzensteuersatz von 42 Prozent zu entrichten hätte – womit der persönliche "Umweltanteil" des Australienreisenden auf 132,47 Euro schrumpfen würde.

Ein Steuersparmodell sei das CO2-kompensierte Reisen freilich nur bedingt, "aber darum geht es meinen Kunden auch gar nicht. Es ist lediglich ein Nebeneffekt, der das umweltverträgliche Reisen unterstützt", so Gudde.

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