16.02.13

Online-Buchung

Swoodoo sperrt Sex und FKK als Suchbegriffe

Das Portal bietet ab sofort einen Preisvergleich zwischen Pauschalreisen und separaten Flug- und Hotelbuchungen an. User können das Angebot auch nach Begriffen filtern – aber nur politisch korrekt.

Von Bettina Seipp
Foto: picture-alliance/ ZB

Eine junge Frau sonnt sich nackt an einem FKK-Strand bei Ahlbeck auf der Insel Usedom. Obwohl hüllenloses Baden in Deutschland offiziell erlaubt ist, haben einige Internetportale FKK als Suchbegriff gesperrt
Eine junge Frau sonnt sich nackt an einem FKK-Strand bei Ahlbeck auf der Insel Usedom. Obwohl hüllenloses Baden in Deutschland offiziell erlaubt ist, haben einige Internetportale FKK als Suchbegriff gesperrt

Es klingt nach einer kleinen digitalen Revolution: "Wir möchten aus neun Stunden, die die Deutschen durchschnittlich für die Reiserecherche im Internet bis zur Buchung benötigen, wenige Minuten machen", sagt Jan Valentin, Vice President Package Travel der Metasuchmaschine Swoodoo. Er ist derzeit landauf und landab unterwegs, um das gerade installierte "Preisradar" seines Unternehmens bekannt zu machen.

Mit dieser neuen Funktion auf der Website www.swoodoo.com lassen sich Pauschalreiseangebote von 90 Reiseveranstaltern und zehn Online-Reiseportalen mit separaten Flug- und Hotelpreisen von 100 Hotel- und 700 Fluganbietern vergleichen. Deutschlands führende Flugsuchmaschine verspricht nicht weniger als einen "neutralen Preisvergleich" und eine "nie da gewesene Preistransparenz auf der Suche nach Urlaubsreisen".

So können Nutzer wie bei einem handelsüblichen Produkt, dessen Artikelnummer man im Netz eingibt, um den günstigsten Anbieter zu ermitteln, Hotelnamen und -adressen, Reiseziele oder Städtenamen in die Suchmaske tippen. Die Suche funktioniert aber auch "emotional und inspirativ", wie es Valentin formuliert, indem man seine Reisewünsche, etwa "Surfen, Sonne, Strand", "Kultur, Kirchen, Genuss" oder auch Details wie "schönste Wasserrutsche", formuliert.

Russen lassen sich nicht herausfiltern

Insgesamt ist die Eingabe von 13.000 Begriffen möglich, die grob in fünf Kategorien passen: Sport, Natur/Strand, Kultur, Essen, Unterhaltung. Jan Valentin: "Wir haben aus den Abermillionen Urlaubsbewertungen, die User auf Online-Portalen abgaben, die meistgenannten Begriffe herausgefiltert und sie diesen fünf sogenannten Themenwolken zugeordnet."

Dabei ist das System auf eine "positive Suche" programmiert, soll heißen: Reisewillige, die sich im Urlaub von lärmenden Briten oder alkoholisierten Russen belästigt fühlen und deshalb "Sonne, Strand, keine Russen" eingeben, bleiben ergebnislos, da Wort-Kombinationen mit "keine" nicht ausgeführt werden.

Aus Gründen der Political Correctness sind Begriffe wie "Sex", "oben ohne" und "FKK" ebenfalls gesperrt. Keine Einschränkungen gibt es hingegen beim Thema Party, Feiern, Ballermann-Feeling, Alkohol und kulinarische Genüsse.

Die Nachfrage, ob Reisende auch die Suchwörter "muslim-freundlich" oder "scharia-kompatibel" verwenden könnten (mit diesen Begriffen werben Hotels, die sich besonders auf die Bedürfnisse muslimischer Reisender einstellen), verneint Valentin und begründet das zugleich: "Jeder der 13.000 möglichen Suchbegriffe ist mindestens 30-mal in den von uns analysierten Bewertungen vorgekommen, sonst hätte er keine Aufnahme im Swoodoo-Speicher gefunden. Und wenn muslim-freundlich nicht dabei ist, bedeutet das einfach, das Wort kommt in den Foren noch zu selten vor." Das könne sich aber ändern: "Wir speisen ständig neue Begriffe ein."

Ersparnis in Euro auf einen Blick

Für das Wort "Sex" kann sich Valentin allerdings selbst in ferner Zukunft keine Aufnahme in den Suchmaskenspeicher vorstellen, "wir gehören zu einem amerikanischen Unternehmen, und das passt einfach nicht zu unserer Firmenkultur."

Abgesehen davon überzeugt die Swoodoo-Seite in einem Test der "Welt" durchaus. So lässt sich die Suche über die Eingabe des Reisedatums und des Abflughafens noch verfeinern. Auch die Schnelligkeit, in der die Hotels nach wenigen Sekungen angezeigt werden, beindruckt.

Dann folgt in der Regel jedoch eine kleine Ernüchterung, denn die Mehrzahl der Häuser wird von den Veranstaltern und Portalen mit ein und demselben Preis offeriert.

Bei unserer Testsuche wies erst das an sechster Stelle genannte Hotel, das "Dunas Suites & Villas" auf Gran Canaria, Preisunterschiede auf, wobei in diesem Fall Expedia.de mit einer Ersparnis von 164 Euro im Vergleich zur Konkurrenz der beste Anbieter war. Bei anderen Testläufen wiederum lag auffallend häufig der "K-Pak MIX" – Swoodoo bezeichnet so ein individuelles Flug-Hotel-Paket – preislich vorn.

Vor allem Strandurlaub rechnet sich pauschal

Valentin zufolge ist ein "K-Pak MIX" meist bei Städtereisen günstiger, während der Strandurlauber oft mit einem Pauschalangebot besser reisen.

Fragt sich letztlich nur, warum große Veranstalter wie Thomas Cook, Neckermann und TUI, die in der Metasuchmaschine implementiert sind, ihre komplizierten Preiskalkulationen öffentlich vergleichbar machen. Auch dafür hat Valentin eine schlüssige Antwort: "Reiseveranstalter sind Handwerkerfirmen vergleichbar, mal ist der eine günstiger, mal der andere. Am Ende haben alle etwas davon."

Was die "Nationalitätenfrage" angeht, hat Valentin noch einen Tipp: "Die bei uns gelisteteten Hotels geben immer an, wie sich die Gästeschaft zu welcher Zeit zusammensetzt, beispielsweise überwiegend Italiener im August und Niederländer im Winter." So könnten die Deutschen selbst entscheiden, mit wem sie am liebsten den Pool teilten.

Foto: Isabell Bischoff

Wird Schweden von Sportsfreunden besucht und China von weltoffenen Reichen? Und wohin reisen Rentner am liebsten? Die Unternehmensberatung Progenium hat das einmal für uns geklärt – in einer repräsentativen Umfrage für 15 beliebte Urlaubsländer.

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