11.02.13

Reiseandenken

Eine Agentur vermittelt Souvenirs aus aller Welt

Ob Kekse aus Übersee oder japanische Web-Stoffe – ein Internetportal vernetzt Reisende und Suchende, die sich ein Produkt von einem Ort mitbringen lassen können, an den sie selbst nicht kommen.

Foto: pa/Okapia

Mit Souvenirs ist das so eine Sache: Diese namibischen Puppen in traditioneller Herero-Tracht sind zwar hübsch anzusehen - oft landen sie, zuhause angekommen, - aber in Schubladen oder Schachteln.

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Die Deutschen sind Meister im Reisen. 2011 gingen laut Statistik drei von vier Bundesbürgern auf Tour. Fast 61 Milliarden Euro wurden für Auslandstrips ausgegeben – Weltrekord nach Angaben des Branchenverbandes.

Von der Reiselust der Deutschen wollen jetzt fünf Wismarer Souvenir-Jäger profitieren. Mitte 2012 gingen die Hochschulabsolventen mit einer Mitbringsel-Agentur online, die ein echtes Novum unter den sozialen Netzwerken sei, sagt Gründerin Jennifer Schietzel.

Die Plattform "BringWasMit.de" des Start-up-Unternehmens BoxInTheBag GmbH vernetze Reisende und Suchende, die sich ein begehrtes Produkt vom andern Ende der Erde mitbringen lassen, erklärt die 27-jährige Betriebswirtin. Gerade Fernreisende liebten exotische Andenken, weiß Schietzel aus eigener Erfahrung.

Als Studentin habe sie in Amerika ein spezielles Nussöl-Haarshampoo entdeckt, das zu Hause nicht zu kaufen war. Schnell war die Idee einer Internet-Agentur geboren.

Mitarbeiterin Annemarie Zander kann nicht von Keksen und Chips aus Australien lassen, wie sie erzählt. Kompagnon Raik Osiablo, frisch gebackener Multimediatechniker, steht ebenso auf Süßes aus aller Welt. Außerdem seien Elektronik und brandneue DVDs aus den USA, Tabak und Spirituosen der Renner bei Männern, sagt er. Frauen würden sich lieber Kosmetika oder Klamotten mitbringen lassen.

Vieles ist nur vor Ort zu finden

Bislang hat die Wismarer Agentur zwar erst 150 Souvenir-Sendungen vermittelt, wie Jennifer Schietzel zugibt. Die Jungunternehmer stünden eben ganz am Anfang ihrer Weltenbummler-Karriere. Derzeit lebten sie noch von einem Gründerstipendium, räumt die Firmensprecherin ein.

"Wir sind aus den Kinderschuhen noch nicht raus", sagt Annemarie Zander. Die Wirtschaftsrechtlerin kümmert sich im Team um Zoll-Fragen und Verträge. Bis zu einem Wert von 430 Euro dürften Waren zu privaten Zwecken abgabenfrei in die EU eingeführt werden, erklärt sie.

Ihr sei aber der emotionale Wert des Mitbring-Dienstes wichtiger. So könne jemandem mit einem lang vermissten Produkt, an dem oft Erinnerungen hingen, Freude gemacht werden.

Trotz eBay und internationalem Internethandel rechnen sich die Wismarer Newcomer für ihre Mitbringsel-Agentur gute Chancen aus. "Ungewöhnliches ist oft nur direkt vor Ort zu finden", begründet Schietzel den Optimismus.

Globetrotter und Geschäftsreisende, Urlauber und Auslandsstudenten könnten solche speziellen Kleinigkeiten aufspüren und – bei Platz im Reisegepäck – für Freaks und Sammler, für Nostalgiker oder Schenkende nach Deutschland einführen, erklärt sie.

Der Mitbringer erhalte dafür eine zuvor im Netz ausgehandelte Aufwandsentschädigung und das Porto vom Empfänger. Zehn Prozent Provision gingen an die Agentur. "Keine große Sache bei einer Tüte finnischer Bonbons oder einem Kokka-Baumwollstoff, der traditionell in Japan hergestellt wird und nur dort günstig zu kaufen ist", sagt die junge Frau.

Blonde Perücke aus den USA gesucht

Gut 300 Produktfahnder hätten momentan ihre ausgefallenen Wünsche bei "BringWasMit.de" eingestellt. Kurios etwa seien die Suche nach einem überlebensgroßen Plüschtiger, den sich ein Deutscher aus Kanada mitbringen lassen möchte, oder die Anfrage eines Nutzers nach einer blonden Perücke aus den USA.

Selbst haben die Jungunternehmer aus Wismar weder Zeit noch Geld für lange Reisen, wie sie zugeben. Wenn sie indes das Fernweh plage, trage sie ihre kleinen Sehnsüchte auf der Mitbringsel-Seite ein, sagt Jennifer Schietzel. Gerade habe sie ein Päckchen amerikanische Gummitiere bekommen. Die Mitbringerin legte einen Zettel dazu: "Aus Las Vegas nach Wismar! Guten Appetit, und Gruß", steht darauf.

Quelle: dpa
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