09.02.13

Horrmanns Hoteltest

Im "Hotel Cipriani" sind die Kellner kleine Könige

Er hat rund 2000 Top-Hotels getestet und 35 Hotelbücher geschrieben: Heinz Horrmann. Für die Berliner Morgenpost stellt er regelmäßig ein Hotel vor, diesmal das "Hotel Cipriani" nahe des Markusplatzes in Venedig.

Foto: Orient-Express Hotels Ltd

Vom Luxushotel „Cipriani“ auf der venezianischen Insel Giudecca haben die Gäste einen unverstellten Blick auf den Markusplatz
Vom Luxushotel "Cipriani" auf der venezianischen Insel Giudecca haben die Gäste einen unverstellten Blick auf den Markusplatz

Giuseppe Cipriani verwirklichte 1958 auf der venezianischen Insel Giudecca, nahe dem Markusplatz, seinen Lebenstraum. Er wollte ein Hotel mit liebenswürdiger Gastfreundschaft und dem besten venezianischen Essen bauen und einrichten. Beides gelang.

Das "Hotel Cipriani", das heute zur Londoner Orient Express Gruppe gehört und Mitglied der Leading Hotels of the World ist, wurde ständig erweitert und aufgefrischt. Allerdings endete die große Zeit der einmaligen Gästepflege mit dem Abschied des langjährigen Chefs Dr. Natale Rusconi.

Das Hotel selbst und seine Umgebung ruft gewiss nach wie vor Begeisterung hervor. Von den meisten Zimmern hat der Gast einen herrlichen Blick auf Kirche von San Giorgio Maggiore und auf die Lagune.

Im später dem Hotel angegliederten Palazzo Vendramin (aus dem 15. Jahrhundert) sind heute die Top Suiten eingerichtet. Vom Markusplatz erreicht man das Hotel mit dem hauseigenen Boot in fünf Minuten.

Zimmer und Suiten

Die 48 Zimmer und 47 Suiten sind in etliche Kategorien (mit und ohne Balkon, schöner Ausblick oder Gartenseite etc. ) eingeteilt.

Die dekorative Einrichtung mit Lüstern aus Murano-Kristall und schweren Vorhängen wirkt edel und teuer. Das gilt auch für die Zimmerpreise, unter 500 Euro geht hier nichts.

Einige Junior-Suiten, am Pool-Bereich gelegen, haben private Gärten. Alle Wohneinheiten bieten recht edle Marmorbäder, und auf Wunsch ist ein Butler-Service verfügbar.

Essen und Trinken

Ob des unvergesslichen Ausblicks bevorzuge ich ein Frühstück auf dem Balkon. Für den Lunch empfehlen sich das "Poolside-Porticciolo Restaurant" oder die "Fortuny Terrasse".

Großartige Rahmen für den abendlichen Genuss bilden der "Cip's Club" mit Blick auf den Markusplatz und das Restaurant "Fortuny" mit dem Angebot eines romantischen Candlelight-Dinners. So weit das prächtige Ambiente.

Lange Zeit bot auch das Essen echten Genuss in einem meiner internationalen Lieblingshotels. Heute jedoch ist das Hotel leider zur Touristenabzocke verkommen. Zum Lunch etwa finden die Gäste ihr Streifchen Lemonen-Tarte mit 26 Euro auf der Rechnung, ein Mini-Carpaccio in Untertassengröße oder ein Fischlein, wie es Angler als Köder verwenden, werden mit jeweils 40 Euro berechnet.

Der Service

Was für die Kalkulation der Speisen gilt, muss ich leider auch für den Service anmerken. Der Gast steht wahrlich nicht mehr im Mittelpunkt, die Kellner wollen vornehmer sein als die Kunden und benehmen sich oft affig. Richtig gut arbeitet das erstklassige Concierge-Team.

Das Urteil

Eines der historisch bedeutenden Domizile auf dem Kontinent mit herrlichem Standort, großartigem Ambiente und dem mit 600 Quadratmetern größten Hotelpool Europas. Cipriani hatte den Vorschlag des Architekten, der in Metern angegeben war, mit Foot (Fuß) verwechselt – und genehmigt.

Der Blick auf die Lagune vermittelt ein Bühnenbild Venedigs. Da tut es mir weh, angesichts eines unausgewogenen Service- und Preis-Verhältnisses keine Höchstwertung mehr geben zu können. Und so sind es nur viereinhalb ehrliche Sterne.

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