06.02.2013, 10:05

Kurioser Humor Dieser Atlas ist sexistisch, geschmacklos und hart


Typischer deutscher Tourist am Pool: Ist doch, egal was die Leute denken

Foto: . / Getty Images/Flickr RF

Von würgenden Tschechen, Hunde essenden Chinesen und Steuergeld verbratenden Ossis: In „Knaurs kuriosem Weltatlas“ kriegt jedes Land sein Fett weg. Meist komisch, aber immer unkorrekt.

Alles eine Frage des guten Geschmacks. Die bekanntesten Klischees über die Länder der Erde und ihre Einwohner werden in diesem satirischen Atlas zusammengetragen und mit ausgesprochen garstigen Fotos garniert – frei nach dem Motto: Hier bekommt jeder sein Fett weg.

Drum ist der Titel des Bandes "Knaurs kurioser Weltatlas" eigentlich irreführend. Nein, "kurios" ist er nicht geworden, aber richtig garstig.

Wie in einem richtigen Atlas ist das Buch nach Kontinenten aufgebaut. Als Extra gibt es noch, wie es im Untertitel heißt, "37 Grenzkonflikte zum Selberlösen".

Also, Vorsicht: Dieses Buch sollte man nicht zu ernst nehmen. Nur die Ländernamen in diesem Atlas sind echt, der Inhalt ist reine Satire und absoluter Quatsch.

Zweifelhafter Art von Humor

Das ist jedoch offenbar nicht jedem Leser auf Anhieb klar. So kaufte beispielsweise eine angehende Lehrerin den Atlas mit der Absicht, damit den Erdkundeunterricht in der Schule etwas aufzulockern. Von ihrem Vorhaben ließ sie aber nach der Lektüre jäh ab.

Sie urteilt: "Zu häufig wird sich über Tod, Leid und Katastrophen lustig gemacht. Das ist eine zweifelhafte Art von Humor auf Kosten anderer. Auch auf Randgruppen wird herumgehackt – ein Humor, den ich ablehne."

Wie in einem richtigen Atlas ist das Buch nach Kontinenten aufgebaut. In "Knaurs kuriosem Weltatlas" werden die Länder Seite für Seite vorgestellt und durch den Kakao gezogen – von Deutschland über China bis Australien wird ordentlich gelästert.

Passend zum Karneval

Bei der Umsetzung der Lästereien hat es in der Tat ziemlich gehapert. Es gibt viel zu viele Kalauer, zu viele Zoten und Geschmacklosigkeiten. Sprachlich meistens deftig, beharrlich sexistisch und politisch völlig daneben. Passend zum Karneval, also.

Ein paar Beispiele: Bei der Länderkunde erfährt der Leser, dass das Stadtbild Beiruts geprägt ist von persischen Einflüssen und der Außenpolitik der Hisbollah.

Über chinesische Sätze, die man kennen muss: "Das schmeckt aber gar nicht nach Huhn!"

Und die Slowakei? Da sieht man einen Anzugträger, der so tut, als ob er heftig würgen muss: "Tschechischer Botschafter, der in die Slowakei versetzt wird". Das ist ziemlich gemein.

Deutschland-Karte aus Sicht der Bayern

In der "Deutschland-Karte aus Sicht der Bayern" ist Mecklenburg-Vorpommern eine "Region, wo die Steuergelder verbraten werden", Sachsen steht für "Prunkautobahn, die vom Soli bezahlt wird" , Köln für "einen Ort mit lächerlich kleinen Biergläsern" und Berlin steht für, wie kann es auch anders sein, "Sodom und Gomorrha".

Und wofür ist dann dieser Atlas nützlich? Überhaupt nicht, aber unterhaltsam allemal.

(kir)
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