03.01.13

Diebstähle

Manche Hotelgäste schrauben sogar die Klobrille ab

Ein Problem kennen alle Hotels, ganz gleich, welcher Kategorie sie angehören: Es gibt viele Gäste, die sich "Souvenirs" mitnehmen. Den Hoteliers bleiben kaum Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren.

Von Klaus-Peter Voigt
Foto: picture alliance / dpa

Eine Rolle Toilettenpapier mitzunehmen, kann noch als Kavaliersdelikt betrachtet werden – doch wenn Hotelgäste die Klobrille klauen, ist das schon etwas anderes
Eine Rolle Toilettenpapier mitzunehmen, kann noch als Kavaliersdelikt betrachtet werden – doch wenn Hotelgäste die Klobrille klauen, ist das schon etwas anderes

In einem Punkt gleichen sich Hotels aller Art: Souvenirjäger gibt es in jeder Kategorie – ob Sterne-Haus oder nicht. Handtücher, Kuschelkissen oder das einfache Trinkglas sind begehrt bei den Gästen. Manches Ausstattungsstück verschwindet nach der Übernachtung im Koffer.

"Wir haben gelernt, damit zu leben", sagt der stellvertretende Direktor des Magdeburger "Maritim", Matthias Nawroth. Die Verluste unterschiedlichster Devotionalien hielten sich mit einem Wert von "deutlich unter 10.000 Euro nach wie vor in Grenzen". Verhindern könne man die kleinen Diebstähle kaum.

Im Restaurant- und Tagungsbereich lösten sich Kaffeelöffel regelmäßig in Luft auf. "Obwohl die nicht aus Silber sind, müssen wir im Jahr etwa 1200 davon kaufen", sagt Nawroth. Allerdings räumt er ein, dass ein Teil davon vermutlich in der Hektik von Tagungen und Kongressen beim Abräumen schlicht und einfach im Müll landet.

Die monatlich zwei bis drei Bademäntel dagegen gingen wohl eindeutig auf das Konto von Gästen, die damit auch im häuslichen Badezimmer etwas anfangen können.

Diebe kommen auf die "Schwarze Liste"

Ein Gast im Magdeburger "Maritim" verstand offenbar auch das Wort "Mitbringsel" falsch: Der Mann aus der Ukraine räumte die komplette Minibar aus und wollte die Fläschchen als vermeintliche Gastgeschenke mit in die Heimat nehmen. Nach einer Diskussion mit der Rezeption rückte der Herr die "Souvenirs" wieder heraus, um die üppigen Kosten nicht tragen zu müssen.

Der Geschäftsführer des "Hotel Sachsen-Anhalt", Rainer Wagner, hat den großen Coup bei Diebstählen noch nicht erlebt. Die überwiegende Zahl der 25.000 Gäste im Jahr sei ehrlich.

Lediglich Mitte der 1990er-Jahre wollte ein Gast in einem Hotel in Frankfurt am Main einmal einen Beamer aus dem Tagungsbereich "verschwinden" lassen, erinnert er sich.

Für extreme Fälle gebe es eine einfache Lösung: Weil eine juristische Verfolgung meist zu aufwendig sei, gebe es vielerorts eine "Schwarze Liste" für die schweren Fälle und damit für den Dieb künftig einfach kein freies Zimmer mehr.

Vasen mit Grünpflanzen waren schnell weg

Nur einmal verlor der Direktor des "Konsul Hotels Halle", Daniel Förster, fast die Fassung. "Als wir vor zwei Jahren unsere Bäder mit kleinen Vasen und richtigen Grünpflanzen verschönerten, war in nur vier Wochen die Hälfte davon verschwunden", erinnert sich der Hotelier.

Inzwischen hielten sich die Verluste in Grenzen. Während Hand- und Badetücher selten verschwinden, finden besondere Löffel beispielsweise für Milchkaffee immer wieder Interessenten. Auch Gläser unterschiedlichster Form würden "gern genommen".

Kleinteile wie Schuhlöffel und Kleiderbügel seien typische Dinge, die am Ende eines Hotelaufenthalts im "Roten Ross" in Halle mitgenommen würden, sagt Direktor Fabian Fernekess. Auch Handtücher gehörten zu den Utensilien, die ab und zu durch Souvenirjäger abhanden kämen.

Die Toilettenbürste mitgenommen

Besonders skurril: Nach der Übernachtung eines Profi-Fußballers sei die Personenwaage unauffindbar gewesen. "Und in meinem Vorgängerhotel in Plauen fehlte eines Tages die komplette Toilettenbrille samt Toilettenbürste", erinnert sich der Manager mit einem Lachen.

Aber mit der Herkunft der Gäste habe die Leidenschaft auf Hotelsouvenirs keineswegs etwas zu tun, versichert er. Touristen, Geschäftsreisende oder Tagungsteilnehmer wären letztlich alle aus dem gleichen Holz geschnitzt.

Quelle: dapd
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