22.12.12

Horrmanns Hoteltest

Ein Design-Hotel, in dem der Gast nicht stört

Er hat rund 2000 Top-Hotels getestet und 35 Hotelbücher geschrieben: Heinz Horrmann. Für die Berliner Morgenpost stellt er regelmäßig ein Hotel vor – diesmal ist es das Luxus-Hotel "Kamera Grand" in Bonn.

Es gibt inzwischen weltweit ein gutes Dutzend dieser so genannten Design-Hotels, die mich mit ihrem merkwürdigen Konzept, bei dem die Gäste in der Design-Komposition von den Angestellten eher als störend empfunden werden, nerven. Neobarocker Protz, knallige Farben, aber total servicefreie Zonen.

Doch das "Kameha Grand" in Bonn, unmittelbar am Rhein gelegen, ist die große Ausnahme. Das Hotel bekam gerade erstklassige Bewertungen beim Test der Leading Hotels of the World, jener weltweiten Vereinigung von Luxushotels, Resorts und Spas unterschiedlicher Betreiber, der auch das "Kameha" angehört.

Faszinierend ist die Herzlichkeit, mit der Gäste begrüßt und gepflegt werden.

Susanne Rath, Ehefrau des Firmengründers, praktiziert eines der besten Schulungsprogramme mit höchstem Qualitätsanspruch in der europäischen Hotelbranche. Diese klassische Säule der Grand Hotellerie gleicht denn auch Design-Schnickschnack in der Hardware, die gewiss Geschmacksache ist, wieder aus.

Zimmer und Suiten

Die 190 Zimmer, aufgeteilt in drei Kategorien, sind alle individuell gestaltet. Das gilt auch für die 63 Suiten, von denen ich die eher dezent eingerichtete Beethoven-Suite favorisiere.

Viel Wert wird im "Kameha" auf exzellente Betten und die Haut schmeichelnde Wäsche gelegt. Die Bäder sind modern, funktional, kurz ohne Abstriche erstklassig. In allen Details ist das Grand Hotel klinisch sauber. Die Zimmerraten beginnen bei 159 Euro (am Wochenende).

Essen und Trinken

Beim "Kameha Grand" darf man durchaus von kulinarischer Vielfalt reden. Von der Brasserie "Next Level" über den "Yu Sushi Club" bis hin zu den voluminösen Bars und Lounges mit ebenfalls umfassendem F&B-Angebot (Essen und Trinken) wird der Gast stets mit ordentlichen, handwerklich sauber verarbeiteten Produkten bedient. Neben dem reichhaltigen Frühstücksbüfett gibt es etliche À-la-carte-Gerichte, um den Tag genussvoll zu beginnen.

Der Service

Ohne Wenn und Aber ist es vor allem die hohe Service-Qualität, ja Leidenschaft der Angestellten, die dieses Hotel auszeichnet, wenngleich es von der Gestaltung und Ausstattung her unterschiedlich bewertet werden kann.

Die herausragende Service-Klasse, die der Gast im Haus erlebt, spiegelt sich besonders im preisgekrönten Spa-Bereich wider, wo mit speziellen Behandlungen und Massagen die innere Balance und Harmonie der Gäste hergestellt wird.

Perfektion bleibt ein immerwährendes Streben. Und gibt es tatsächlich einmal eine Kleinigkeit auszusetzen, erweist sich das Reklamations-Handling des Hotels als ebenso schnell, effektiv wie mustergültig.

Das Urteil

"Life is Grand" ist das übergeordnete Motto, mit dem das Hotel wirbt. In der heutigen, schnelllebigen Zeit fokussiere ich diesen Spruch vor allem auf die Gästepflege. Ich würde etlichen Hotelchefs zu einer Service-Schulung in diesem Haus raten.

Service als Attraktion ist dank der Quality-Managerin Susanne Rath dermaßen überzeugend, dass auch der meines Erachtens eher schwächliche Hoteldirektor nicht stört.

In der Summe aller Bewertungen sind das ganz gewiss fünf ehrliche Sterne.

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