22.12.12

Weihnachtsverkehr

Staugefahr durch 6571 Kilometer langen Schlitten

Die Weihnachtsreisewelle rollt, allerorten drohen Staus. Doch nicht die vielen Reisenden auf dem Weg zur Familie oder in den Winterurlaub sind der Grund, sondern ein einzelner Verkehrsteilnehmer.

Von Sönke Krüger
Foto: picture-alliance/ dpa

Hier sehen wir die eigentliche Ursache für die lästigen Staus zur Weihnachtszeit. Nicht im Bild: die 13.142.855 weiteren Rentiere des Weihnachtsmannes. In Viererreihen hintereinander aufgereiht, ergäben sie ein Schlittengespann, das von Berlin bis Bombay reicht
Hier sehen wir die eigentliche Ursache für die lästigen Staus zur Weihnachtszeit. Nicht im Bild: die 13.142.855 weiteren Rentiere des Weihnachtsmannes. In Viererreihen hintereinander aufgereiht, ergäben sie ein Schlittengespann, das von Berlin bis Bombay reicht

Weihnachtszeit ist Reisezeit. Bundesstraßen und Landchausseen, Alleen und Autobahnen sind traditionell restlos verstopft, allerorten steht man im Stau. Was überwiegend einem einzelnen Reisenden zuzuschreiben ist: dem Weihnachtsmann. Der ist bekanntlich mit seinem Schlitten unterwegs, um die 2,3 Milliarden Christen weltweit mit Geschenken zu versorgen – und blockiert dabei leider die Straßen.

13 Millionen Rentiere für einen Schlitten

Wir haben mal nachgerechnet: Wenn jeder Christ statistisch gesehen auch nur ein Kilo Geschenke bekommt, muss Santas Rentierschlitten 2,3 Milliarden Kilogramm befördern (plus rund 120 Kilo geschätztes Weihnachtsmann-Eigengewicht).

Ein durchschnittliches Ren hat eine Zugkraft von 175 Kilogramm, folglich sind 13.142.857 dieser Vierbeiner erforderlich, um den Schlitten zu ziehen. Bei einer Kopf-Rumpf-Länge von zwei Metern (inklusive Reitgeschirr) pro Tier wäre das Gespann ungefähr 26.285 Kilometer lang, plus Schlitten. Wir nehmen aber mal zugunsten des Weihnachtsmanns an, dass er die Tiere nicht hintereinander, sondern platzsparend in Viererreihen nebeneinander positioniert, dann bleibt immer noch eine Schlittengespannlänge von mindestens 6571 Kilometern, was ziemlich genau der Luftlinie Berlin–Bombay entspricht.

Grenzkontrollen erschweren Durchkommen

Laut Wikipedia verfügt Mutter Erde über ein Straßennetz von 32 Millionen Kilometern (inklusive Schotterpisten), das reicht längenmäßig für den Schlitten immerhin aus. Nicht berücksichtigt sind freilich all die roten Ampeln, Halteverbote, Einbahnstraßen, Sackgassen, Grenzkontrollen, Zollvorschriften und Geschwindigkeitsbegrenzungen rund um den Globus, die dem Weihnachtsmann ein zügiges Durchkommen erschweren – gerade in Deutschland mit seinen vielen Tempo-30-Zonen.

Dass der Weihnachtsmann sich nicht an Tempolimits hält, liegt andererseits auf der Hand: Wie sollte er sonst die schätzungsweise 700 Millionen christlicher Haushalte weltweit an nur einem Tag abklappern und mit Geschenken beliefern?

Das Problem, dass sein Schlitten hierfür eigentlich mit zigfacher Schallgeschwindigkeit um den Globus reisen müsste, ignorieren wir an dieser Stelle übrigens bewusst. Er wird Tricks und Schleichwege kennen, der Weihnachtsmann, sonst hätte er seine Aufgabe in all den Jahren zuvor nicht bewältigen können. Oder kann sich hier irgendjemand an ein Weihnachtsfest ohne Geschenke erinnern? Eben.

Tipps für Reisende zur Weihnachtszeit

Wir raten deshalb: Reisende sollten den 24. Dezember weiträumig umfahren oder gleich den Zug nehmen. Dort kommt man dem Weihnachtsmann ganz sicher nicht in die Quere, zumal Rentiere von der Beförderung ausgeschlossen sind, seit die im März 2003 Tiertransporte offiziell eingestellt hat.

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