13.12.12

Tourismus-Rekord

Heute reist der einmilliardste Tourist der Welt

Trotz der Krise in vielen Ländern ist die Reisebranche erneut auf Rekordkurs. So wird am 13. Dezember erstmals die magische Schwelle von weltweit einer Milliarde Reisenden pro Jahr überschritten.

Foto: Infografik Die Welt

Die Milliarden-Schallmauer ist geknackt: 2012 werden mehr als eine Milliarde Menschen eine touristische Reise unternommen haben. 2030, so aktuelle Berechnungen, könnten es bereits 1,8 Milliarden internationale Touristen sein
Die Milliarden-Schallmauer ist geknackt: 2012 werden mehr als eine Milliarde Menschen eine touristische Reise unternommen haben. 2030, so aktuelle Berechnungen, könnten es bereits 1,8 Milliarden internationale Touristen sein

Die Tourismusbranche steht für fünf Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung, sechs Prozent der Exporte und beschäftigt jeden zwölften Menschen. Bleibt der Tourismus eine boomende Wachstumsbranche?

Ein Gespräch mit Taleb Rifai, Generalsekretär der Welt-Tourismus-Organisation (UNWTO; Sitz: Madrid) über Symbole, Reiseweltmeister, Syrien, Schwellenländer und Wachstum.

DIE WELT: Ihre Experten haben errechnet, dass am 13. Dezember der milliardste Tourist in diesem Jahr eine grenzüberschreitende Reise unternimmt. Welche Nationalität hat dieser Mensch?

Taleb Rifai: Das kann ich nicht sagen. Die Wahl des Tags ist nur symbolisch, wir wissen, dass wir die Milliardengrenze bis Ende Dezember überschritten haben werden. Am 13. Dezember haben wir eine Feierstunde im Madrider Prado-Museum, der wichtigsten Sehenswürdigkeit der Stadt, angesetzt. Dort werden wir eine Person auswählen, die wir offiziell zum Milliardsten Touristen küren werden. Wir haben jedes Land der Welt gebeten, diesen wichtigen Meilenstein in der Geschichte des Tourismus auf seine Weise zu feiern. Wie gesagt, alles hat nur Symbolgehalt, aber einen sehr bedeutsamen.

DIE WELT: Mittlerweile haben die Chinesen, dieses Jahr werden 72 Millionen verreisen, uns Deutsche als Reiseweltmeister abgehängt. Es wäre also wahrscheinlich, dass ein Chinese den offiziellen Titel erhält ...

Rifai: Ja, aber wenn ein Flugzeug mit 400 Personen landet, ist es unmöglich, den soundsovielten Touristen auszumachen, das geht nur symbolisch

DIE WELT: Welche Regionen wuchsen dieses Jahr am meisten?

Rifai: Eindeutig die Asien-Pazifik Region, sie legte um sechs Prozent zu. Das hat damit zu tun, dass die Japaner letztes Jahr wegen der Fukushima-Katastrophe nicht reisen konnten oder wollten und dies dieses Jahr nachgeholt haben. Sehr gut entwickelten sich auch Süd- und Mittelamerika sowie Afrika, das freilich von einer geringen Basis aus startete.

DIE WELT: Und Europa ist und bleibt vorerst die wichtigste Reiseregion der Welt ?

Rifai: Ja sicher, Europa hat sich sehr gut geschlagen, besonders Zentral- und Osteuropa, diese Länder wuchsen um stolze neun Prozent, Europa insgesamt aber nur drei Prozent. Das liegt daran, dass sich die Staaten am Mittelmeer weniger gut schlugen wie letztes Jahr, als Griechenland etwa um 11 Prozent oder Spanien um acht Prozent wuchsen. Damals profitierten sie vom Wegfall der nordafrikanischen Länder, die nun zurückkamen …

DIE WELT: Aber jetzt ist die Unruhe nach Ägypten, Partnerland der Tourismusmesse ITB dieses Jahr, zurückgekehrt.

Rifai: Ja, aber erst jetzt, zu Jahresende. Den Ägyptern ist es gelungen, den Einbruch von letztem Jahr, minus 80 Prozent, fast gänzlich wieder gutmachen, auch Tunesien konnte sich erholen. Aber seien wir realistisch. In Nordafrika und im Nahen Osten wird es immer Auf- und Abwärtsbewegungen geben, je nach der politischen Entwicklung. So schlimm wie 2011 wird es aber nie wieder kommen.

DIE WELT: Syrien ist auf der touristischen Landkarte nicht mehr zu finden.

Rifai: Ja leider, da ist kein Ende der Krise absehbar.

DIE WELT: Letztes Jahr wuchs die Branche um 4,4 Prozent, damals waren rund 980 Millionen unterwegs. Dieses Jahr hat sich das Wachstum offensichtlich verlangsamt, denn erst jetzt wird die Milliardengrenze überschritten.

Rifai: Ja natürlich, das hatten wir schon zu Jahresbeginn vorhergesagt, dieses Jahr bewegt sich die Zuwachsrate zwischen drei und vier Prozent, vor allem in den letzten drei Monaten des Jahres bewegt sich nicht mehr allzu viel. Für die kommenden 20 Jahre rechnen wir mit einem jährlichen Plus von 3,3 Prozent im Schnitt, das bedeutet, dass 2030 bereits 1,8 Milliarden internationale Touristen unterwegs sein werden.

DIE WELT: Wie entwickeln sich bis dahin die Schwellenländer?

Rifai: Noch ist Europa bei den internationalen Reiseströmen führend, mit einem Marktanteil von 52 Prozent. Bis zum Jahr 2015 wird der Ausgleich erzielt sein und im Jahr 2030 haben die Schwellenmärkte wie Brasilien, China, Indonesien, Malaysia und so weiter gar einen Anteil von 60 Prozent. Das bedeutet nicht, dass es kein Wachstum für die reifen Märkte mehr gibt, sie wachsen einfach nur langsamer. Doch da das Reisen zum Grundbedürfnis des Menschen gehört, sind den Wachstumsperspektiven keine Grenzen gesetzt.

Quelle: Das Interview führte Ute Müller.
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