29.11.12

Versicherungsschutz

Ab 1. Januar 2013 steigt das Risiko für Reisende

Eine Woche Türkei gibt es schon ab 400 Euro. Daraus können 40.000 Euro werden, wenn der ADAC wegen eines Unfalls den Rücktransport organisiert – und der Urlauber keine Auslandskrankenversicherung hat.

Von Bettina Seipp
Foto: picture-alliance / obs

Wintersportler in europäischen Ländern müssen für die Bergung und den Rücktransport nach Deutschland finanziell aufkommen, da das Sozialversicherungsabkommen nur die Behandlung umfasst
Wintersportler in europäischen Ländern müssen für die Bergung und den Rücktransport nach Deutschland finanziell aufkommen, da das Sozialversicherungsabkommen nur die Behandlung umfasst

Die Deutschen sind überversichert, heißt es oft. Auf einen Lebensbereich trifft das allerdings nicht zu – den Gesundheitsschutz auf Reisen. Denn die Auslandskrankenversicherung, die gesetzlich Versicherte ganz automatisch und kostenlos genießen, gilt nur für jene Länder, mit denen Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen hat. Und die liegen meist in Europa.

Für Reisen nach Nord- und Südamerika, Afrika, Asien, Australien, Neuseeland und Ozeanien muss deshalb eine private Zusatzversicherung abgeschlossen werden. Keine Regel ohne Ausnahme: So haben einige Krankenkassen auch diesen weltweiten Schutz für ihre Versicherten bislang kostenlos mitgetragen.

Genau das ist den gesetzlichen Krankenkassen ab 1. Januar 2013 aber verwehrt. Der ADAC warnt deshalb: "Wer ohne zusätzlichen privaten Versicherungsschutz ins Ausland reist, riskiert den finanziellen Ruin. Eine einfache Blinddarm-Operation in einem amerikanischen Krankenhaus schlägt beispielsweise mit mindestens 20.000 Euro zu Buche. Und selbst ein Winterurlaub in Österreich kann zur Kostenfalle werden", sagt Pressesprecher Jochen Oesterle.

Privatärzte müssen selbst bezahlt werden

Schon jetzt seien viele Deutsche verschuldet, weil sie keine private Auslandskrankenversicherung abgeschlossen haben, "in der Annahme, ja nur in Europa Urlaub zu machen, wo sie über die gesetzlichen Kassen versichert sind. Doch das ist zu kurz gedacht".

Das Problem sei, so Oesterle weiter, dass die gesetzlichen Kassen nur die Behandlungskosten eines öffentlichen Krankenhauses des Gastlandes übernehmen. Gerade in den beliebten Wintersportorten der Alpen aber gebe es häufig Privatkliniken, deren Rechnung entsprechend um ein Vielfaches höher ausfielen. "Diesen Mehrbetrag gegenüber den gesetzlichen Kosten haben Urlauber ohne zusätzlichen Versicherungsschutz selbst zu tragen."

Zudem müssten Wintersportler in jedem Fall für Bergung und Rücktransport nach Deutschland finanziell aufkommen, da das Sozialversicherungsabkommen mit Österreich – und jedem anderen europäischen Land – nur die Behandlung umfasst. "So ist eigentlich ausnahmslos jeder Reisende gut beraten, Jahr für Jahr eine Auslandsreisekrankenversicherung abzuschließen. Das kostet für eine ganze Familie im Schnitt lediglich 20 Euro."

50.000 Deutsche erkranken im Ausland

Hintergrund: Der Ambulanzdienst des Clubs muss jährlich erfahrungsgemäß 50.000 erkrankte und verletzte Deutsche im Ausland versorgen. Für rund 15.000 endet die schönste Zeit des Jahres mit einem Rücktransport in die Heimat; und 1700 davon müssen mit einer speziell ausgerüsteten ADAC-Sondermaschine ausgeflogen werden. "Das kann schnell mehrere Zehntausend Euro kosten", sagt Oesterle, der in dem Zusammenhang einen Fall schildert, bei dem ein junger Mann auf Abi-Reise in Australien schwer verunglückte.

"Der 19-Jährige hatte keine Auslandskrankenversicherung und war auch kein ADAC-Mitglied. Wir haben ihn trotzdem heimgeholt, weil wir die letzte Hoffnung für die Familie waren. Denn jeder Tag, den der Junge auf der Intensivstation in Australien lag, kostete rund 5000 Euro. Das ging uns sehr nahe." Auf die Eltern kamen dann allerdings nochmals 100.000 Euro Kosten hinzu für den ADAC-Rücktransport in ein deutsches Krankenhaus.

Versicherungsschutz ab einem Euro pro Monat

Die meisten Urlauber werden aus Spanien, Italien und der Türkei ausgeflogen. "Vergleicht man diese drei Länder, ist die Türkei in puncto Rücktransport übrigens am teuersten. Um die 40.000 Euro kommen da schnell zusammen", sagt der Pressesprecher.

Beim ADAC kostet eine weltweite Auslandskrankenversicherung, womit Versicherte auch Anspruch auf einen Krankenrücktransport haben, 12,80 Euro pro Jahr. Den Versicherungsschutz gibt es freilich noch preiswerter – die Münchener Verein Versicherungsgruppe etwa bietet die Police schon ab 4,56 Euro im Jahr an und ist damit laut der Finanzzeitschrift "Euro" (Heft 07/2011) die günstigste Auslandsreisekrankenversicherung. Verbraucherschützer raten, nicht nur auf den Preis, sondern ebenso auf die Leistung zu achten.

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