13.11.12

Hotellerie

Frauen in Hosen sind vor Anmache in Bars sicherer

César Ritz war der erste Hotelier, der seine Häuser frauenfreundlich gestaltete. Das war vor über 100 Jahren. Doch nach wie vor gibt es aus Sicht weiblicher Gäste Verbesserungsbedarf, belegen Studien.

Von Bettina Seipp
Foto: picture-alliance / Denkou Images

Geschäftsfrauen lassen sich laut einer Gender-Studie in Hotelbars eher ungern ansprechen. Tragen sie Hosen statt Röcke, werden sie auch meist in Ruhe gelassen, denn Männer fühlen sich von strengen Beinkleidern abgeschreckt
Geschäftsfrauen lassen sich laut einer Gender-Studie in Hotelbars eher ungern ansprechen. Tragen sie Hosen statt Röcke, werden sie auch meist in Ruhe gelassen, denn Männer fühlen sich von strengen Beinkleidern abgeschreckt

Der Schweizer Luxus-Hotelier César Ritz (1850 - 1918) wusste, was er seinen weiblichen Gästen schuldig war und setzte auf warme Farbtöne, private Badezimmer und einen guten Service. Das ist heute auch noch richtig, aber gerade alleinreisende Geschäftsfrauen brauchen einiges mehr, meint Uta Brandes, Professorin für Gender und Design an der Köln International School of Design.

Zusammen mit ihren Studierenden hat sie 150 Frauen befragt und über die Ergebnisse das Buch "Frauenzimmer im Hotel – Wie Geschäftsfrauen sich Hotels wünschen" geschrieben. Immerhin ist in Deutschland jeder vierte Business-Reisende weiblich, in Nordeuropa sind es sogar 40 Prozent.

Die Welt: Alleinreisende Geschäftsfrauen stellen besondere Ansprüche an das Hotel. Worin besteht der größte Unterschied im Vergleich zu alleinreisenden Männern?

Uta Brandes: Männer legen bei der Hotelwahl Wert auf kostenloses W-LAN, eine gute Matratze und eine starke Dusche. Auf der Checkliste von Frauen stehen bis zu 35 Dinge und Service-Leistungen, wobei generell gilt, dass Frauen weniger auf die Produkte achten, als vielmehr auf eine insgesamt "gute Atmosphäre". Und das heißt dann immer, die Hoteleinrichtungen und die Zimmer sollten so sein, dass sich die alleinreisenden (Geschäfts)-Frauen nicht verunsichert fühlen.

Die Welt: Dunkle Tiefgaragen, lange Hotelflure und enge Aufzüge ängstigen Frauen besonders. Aber was kann ein Hotelier machen, wenn er teure Umbauten scheut?

Brandes: In punkto Tiefgarage kann die Lösung Valet Parking heißen, also das Hotelpersonal parkt das Auto ein. In den USA ist das selbst in Restaurants üblich. Hotelflure und Aufzüge sollten helles und dennoch sanftes Licht verströmen; im Lift gibt es zusätzlich die Möglichkeit, Speisekarten oder Fotos auszuhängen, so dass Gäste nicht gezwungen sind, andere Gäste anzustarren.

Die Welt: Als Frau allein in einer Bar oder in einem Restaurant zu sitzen, empfinden viele als unangenehm. Halten Sie die Einrichtung einer "Frauenecke" für eine gute Idee?

Brandes: Nein, bitte keine Frauenecke, sondern ein Raum, der offen und licht ist und zugleich eine Art semitransparenter Abgrenzung bietet, sozusagen eine halb-imaginäre Wand, an die sie sich "anlehnen" können. Das ist etwa durch halbtransparente Stoffe oder flexible Schnurvorhänge innerhalb eines großen Raums zu erreichen, am besten in der Lobby. Frauen mögen keine abgeschlossenen, dunklen, gruftigen Bars mit viel Holz.

Die Welt: Im Rahmen Ihrer Forschungsarbeit zu dem Thema haben sich Studentinnen allein in Hotelbars gesetzt. Welche der geschilderten Erlebnisse hat Sie besonders überrascht?

Brandes: Die Barkeeper berichteten uns von dem Phänomen, dass männliche Gäste der Hotelbar offenbar glauben, zwischen Business-Look und Freizeit-Look der Frauen unterscheiden zu können. Kleid oder Rock signalisieren den männlichen Gästen demnach, die Frau ist potenziell ansprechbar. Trägt sie eine Hose, bedeutet das Business, also nicht ansprechbar.

Die Welt: Die Zahl der Singles, auch und gerade unter Geschäftsfrauen, ist in Deutschland hoch. Sollte die Gestaltung eines Geschäftshotels nicht auch den Aspekt berücksichtigen, dass Frauen ihren Aufenthalt im Hotel vielleicht zur Partnersuche nutzen? Wenn ja, was hieße das für die Gestaltung?

Brandes: Unsere Untersuchung hat überhaupt keine Hinweise darauf gegeben, dass Frauen im Hotel nach Partnern Ausschau halten. Was sie aber gern annehmen würden, wäre ein Online-Service, der Business-Frauen miteinander vernetzt und zwar so, dass sie wissen, wer an jenem Tag in dieser Stadt ebenfalls als Geschäftsfrau übernachtet, um gemeinsam Essen gehen zu können.

Die Welt: Sind die Türen der Hotelzimmer nach Ansicht der befragten Frauen hinreichend gesichert?

Brandes: Das war kulturell unterschiedlich. Auffällig war, dass sich insbesondere amerikanische Frauen deutlich mehr Sicherheit wünschten, als Frauen aus anderen Ländern. Für die meisten jedoch gilt, dass sie es nicht mögen, wenn sie gerade abends noch etwas bestellen und das Gewünschte von einem Mann aufs Zimmer gebracht wird. Da möchten sie lieber Frauen sehen, oder sie bestellen erst gar nichts mehr.

Die Welt: Sie sagen, dass die Checkliste der Frauen im Schnitt 35 verschiedene Positionen enthält. Gibt es darunter etwas spezifisch Deutsches?

Brandes: Eher nein; allenfalls, dass deutsche Business-Frauen etwas weniger anspruchsvoll sind, als die Geschäftsfrauen aus vielen anderen Ländern. Auffällig ist zudem, dass die mittlere Generation in allen Ländern die selbstbewussteste und anspruchsvollste ist, während die älteren Jahrgänge (ab 50 aufwärts) sehr bescheiden auftreten.

Die Welt: Seit einiger Zeit können sich Hotels als frauenfreundlich zertifizieren lassen. Was halten Sie von diesem Konzept?

Brandes: Ich halte das für eine sehr gute Idee, vor allem dann, wenn diese Zertifizierung sich längerfristig als genauso wichtig und selbstverständlich durchsetzt wie die Sterne-Kategorisierung.

Die Welt: Gestalten nach Ihrer Erfahrung weibliche Architekten Hotels anders, respektive frauenfreundlicher?

Brandes: Wir haben Interviews mit bekannten Hotelarchitektinnen/designerinnen und -architekten/designern durchgeführt, und da stellte sich sehr heraus: Die Frauen waren sich vollkommen bewusst, dass weibliche Hotelgäste durchaus andere und mehr Wünsche haben als männliche, und dass diese in der Gestaltung zu berücksichtigen sind. Die Männer hingegen waren ausnahmslos der Meinung, dass man nur "gut" und nicht mit dem Gedanken an die Geschlechter gestalten müsse, damit es allen gefällt.

Uta Brandes: "Frauenzimmer im Hotel – Wie Geschäftsfrauen sich Hotels wünschen", Erich Schmidt Verlag, 120 Seiten, 29,95 Euro

Was sich Frauen im Hotel wünschen

Frauen auf Geschäftsreise sind für Hotels eine stark wachsende Zielgruppe. Dennoch gehen viele Häuser zu wenig auf die Wünsche ein oder kennen sie gar nicht. In ihrem Buch "Frauenzimmer im Hotel – Wie Geschäftsfrauen sich Hotels wünschen" zeigt Uta Brandes auf, wie Hotels weibliche Gäste zufrieden stellen können.

1. Sicherheit im Hotel

• (Hotel-)Taxi oder Shuttleservice

• Frauenparkplätze / Valet Parking

• gut beleuchtete Flure und Wege

• gutes, einfaches Orientierungssystem

• Hotelzimmer in Aufzugnähe

• (weibliches Personal) auf der Etage oder in schneller Erreichbarkeit

2. Persönlicher Umgang im Hotel

• Abfrage von individuellen Wünschen (Speicherung in Datenbank)

• Ausgeh- und Veranstaltungstipps mit seriösem Begleitservice

• willkommene Platzvergabe bei der Tischreservierung im Restaurant

• Online Forum "Women only"

• vertrauenswürdige Hotelansprechpartner/in

3. Sinnlichkeit im Hotel

• Frische Blumen

• Obst

• hochwertige Körperpflegeprodukte

• Kissen"Menu"

• Kostenloser Fitness- und Wellness-Bereich

• frischer Zimmerduft

• veränderbares Licht: zum Arbeiten, Lesen, Entspannen

4. Service im Hotel

• Schneller, freundlicher Check-in

• Wäsche- und Bügelservice

• kostenloser Internetzugang

• Visagist/in, Frisör/in auf Wunsch

• Abendgarderoben-Service (das kleine Schwarze)

• persönlicher Butler oder Hausmädchen

5. Zimmerausstattung

• viel und praktischer Stauraum für Kleidung und Kosmetik

• spritzfreie Lagerungsmöglichkeit

• Rock-Bügel

• Make up- und Ganzkörperspiegel

• "Rückspiegel"

• Minibar mit gesunden Snacks und Getränken

• kein Teppichboden (sonst unbedingt Einweghausschuhe/Slippers)

• Raumklimaregulierung/ mögliche Frischluftzufuhr

• Radio, Musikanlage

• W-LAN/ Internet

• großer Arbeitstisch

• Arbeitsleuchte

6. zusätzliche Zimmerutensilien

• viele große Handtücher

• leistungsstarker Föhn

• Kosmetiktücher

• flauschiger Bademantel- & Einweg-Slippers

• Ersatzstrumpfhosen

• Yogamatte & Fitness-DVD

• Reiseführer

• Frauenzeitschriften in verschiedenen Sprachen

• "Von Mascara bis Tampon": frauenspezifisches Emergency Kit

Foto: trivago

Die "Skybar" des "Lebua Bangkok"-Hotels...

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