09.11.12

Berlin

Im "Swissôtel" überwacht ein Arzt Ihren Schlaf

Wenn Sie nachts wach liegen, dann gehen Sie doch ins Hotel. Im "Swissôtel" in Berlin misst ein Mediziner Ihre Hirnströme und berät Sie. Unsere Autorin hat das Angebot getestet – mit mäßigem Erfolg.

Von Heike Weichler
Foto: Infografik Die Welt

Gerade im Sommer, wenn die Sonne früh aufgeht, geraten Schlaflose zunehmend in Panik
Gerade im Sommer, wenn die Sonne früh aufgeht, geraten Schlaflose zunehmend in Panik

Die Ärztin Samia Little Elk trifft mich zum Vorgespräch für das von mir gebuchte "Deep Sleep Package" mit Schlafanalyse. Seit Kurzem bietet das "Swissôtel" am Ku'damm-Eck (Augsburger Straße) seinen Gästen das vom Kölner Schlafmediziner und TV-Doktor Michael Feld ("Die Ärzte", ZDF) entwickelte Programm an. Mit seiner Kollegin hat er im Haus einen eigenen Praxisraum eingerichtet.

Seit ich Mutter bin, schlafe ich keine Nacht mehr durch. Das Schlafmuster scheint dauerhaft gestört zu sein. Die Ärztin nickt verständnisvoll. Sie ist spezialisiert auf Schlafmedizin, Psychosomatik und Psychotherapie.

"Wir gehen multisensorisch vor", erläutert Samia Little Elk das Programm. "Je mehr Sinne wir ansprechen, umso intensiver ist die Wirkung." Denn es gehe nicht nur um verbessertes Einschlafen und Durchschlafen, sondern auch um ein optimiertes Aufwachen.

Höhenluft und meditative Klänge

Als Erstes verordnet sie mir eine halbe Stunde Höhenluft, die ich auf ergonomisch geformten Liegen in einer speziellen Schlummer-Lounge inhaliere. Als läge das Hotel auf 2500 Meter Bergeshöhe, hat hier die Luft etwa vier Prozent weniger Sauerstoff: Blutgefäße erweitern, Blutdruck senken, entspannen. Nebenbei lauscht man den meditativen Klängen aus einem iPod.

Eine halbe Stunde vorm Zubettgehen kommt Dr. Little Elk ins Zimmer und verkabelt mich mit 16 bunten Elektroden und Strippen an Kopf, Brust und Beinen. Gemessen werden Körperlage, Brust- und Bauchatmung, Hirnströme, Augenbewegungen, Sauerstoffsättigung, Muskelspannung am Kinn, Beinbewegungen, der Atmungsfluss durch die Nase und ein EKG.

Der Zimmerservice bringt als Schlummertrunk noch eine heiße Schokolade mit Salbei, Orangenöl und Lavendel. Ich schalte die Lampe aus. Die Elektrode unterm Kinn ziept, der Brustgurt mit der Messstation drückt. Rotes Licht schimmert aus dem Clip der Fingerelektrode, blau leuchtet die LED-Anzeige der Messstation. Am besten die Bettdecke drüberziehen.

Der Blutdruck steigt, das Herz rast

Gegen 0.30 Uhr nicke ich ein. Um 2.45 Uhr wache ich wieder auf. Oje! Das Gedankenkarussell nimmt Fahrt auf. Was ist, wenn ich jetzt wach liege? Bekomme ich dann noch genügend Schlaf? Verpasse ich den Termin fürs Nachgespräch am Morgen?

Besser den Wecker stellen, statt auszuschlafen? 3.18 Uhr. Ja, besser den Wecker stellen. Sollte ich dieses Intermezzo gleich notieren, die Gedanken sichern? 3.32 Uhr. Ja, lieber notieren, sichern.

Der Blutdruck steigt, die Herzfrequenz erhöht sich. Licht anknipsen, an den Schreibtisch setzen. Frau Doktor wird sich freuen. Zurück ins Bett. Das Kopfkissen ist viel zu weich und wird zurechtgeknüllt. Warum habe ich vorher nicht ins Kissenmenü geschaut, das auf dem Nachttisch liegt?

4.58 Uhr. Berlin erwacht, ich würde gerne schlafen. Also wanke ich zum Panoramafenster, um den Vorhang richtig zuzuziehen. Bloß nicht dabei verheddern und die Strippen abreißen.

7.03 Uhr. Wieder wach. Noch eine Stunde und dreißig Minuten, bis der Wecker klingelt. Am besten nochmals schnell Notizen machen. Der Notizblock füllt sich. 8.28 Uhr. Punktlandung. Ich werde zwei Minuten vor dem Weckerklingeln wach.

Auch die Lichtbehandlung hilft nicht

Entstöpseln darf ich mich selber, der Zimmerservice bringt der Ärztin das Kabelknäuel zur Auswertung und serviert mir den belebenden Guten-Morgen-Cocktail aus Matetee, Mangosaft, Ingwer, Vanille, Minze und zerstoßenem Eis.

Trotzdem: Ich fühle mich wie vom Bus überrollt. Ich versuche es mit der Lichtbehandlung und setze mich für eine halbe Stunde vor eine 10.000-Lux-Lampe. Doch ich bleibe schlapp. Das ändert sich erst beim gewohnten Milchkaffee zum Frühstück, das ich mit der Ärztin einnehme.

"Machen Sie etwas Monotones"

Die Auswertung: Trotz der kurzen Schlafdauer zeigt sich eine normale Schlafstadienverteilung mit anteilig ausreichendem Tief- und Traumschlaf. Ich schnarche nicht, habe keine Atemaussetzer und keine Beinbewegungsstörungen, was alles die Schlafqualität mindern würde.

"Wenn Sie zu Hause wach liegen, wälzen Sie sich nicht lange im Bett hin und her. Stehen Sie lieber auf und machen Sie etwas Monotones, bis Sie müde genug sind, um weiterzuschlafen", sagt Frau Doktor.

Und ich soll aufhören, gestresst auf die Uhr zu schauen. Selbst wenn nur noch eine Stunde bis zum Weckerklingeln bleibe, reiche die Zeit für einen kompletten Schlafzyklus. "Auch wenn das persönliche Empfinden anders ist, der Körper holt sich sein Minimum an Schlaf, das er braucht. Wir sind selbst mit wenig Schlaf leistungsfähig."

"Swissôtel Berlin", www.swissotel.com/berlin, Tel. 030 / 22 01 00, Doppelzimmer ab 119 Euro. Das "Deep Sleep Package" mit Höhenluftatmung, Entspannungsklängen, Aromatherapie, Sound-Kissen, Spezialdrinks und Lichttherapie kostet 60 Euro zusätzlich zum Zimmerpreis.

Die Teilnahme wurde unterstützt vom "Swissôtel Berlin". Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter www.axelspringer.de/unabhaengigkeit.

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