Hurrikan "Sandy"
Passagiere können Flüge umbuchen oder stornieren
Wegen Hurrikan "Sandy" wurde Tausende Flüge von und an die Ostküste der USA gestrichen. Auch Verbindungen aus Deutschland sind betroffen. Reiseveranstalter müssen Urlauber evakuieren.
An der Ostküste der USA bereiten sich die Menschen auf den herannahenden Hurrikan "Sandy" vor. Von North Carolina im Süden bis Connecticut im Norden wurde der Ausnahmezustand verhängt. Zahlreiche Fluggesellschaften strichen Tausende Flüge in das Gebiet, auch viele Transatlantikverbindungen – darunter welche von und nach Deutschland – waren betroffen.
Am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main wurden am Montag zunächst zwölf Flüge in die USA gestrichen. Wie ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport sagte, waren darunter vier nach New York, je drei weitere nach Washington und Newark sowie je einer nach Boston und Philadelphia. Betroffen sind die Passagiere mehrerer Airlines, darunter Lufthansa, United Airlines und Singapore Airlines.
Flüge aus den Vereinigten Staaten nach Frankfurt waren noch nicht von Streichungen betroffen, sie waren alle am Montagmorgen noch vor dem Unwetter gestartet. Für Dienstag rechnet die Fraport aber damit, dass auch Verbindungen von der amerikanischen Ostküste nach Frankfurt annulliert werden.
Neben dem Unwetter gebe es das logistische Problem, dass die Maschinen, die am Montag in den USA hätten landen sollen, dort am Dienstag nicht für den Rückflug nach Frankfurt zur Verfügung stünden. Wie viele Passagiere betroffen sind und ob es Ausweichrouten gebe, war der Fraport nicht bekannt. Fluggästen wird geraten, sich bei den jeweiligen Fluggesellschaften zu informieren.
Flüge aus Hamburg und München betroffen
Auch in Hamburg wurde der einzige Direktflug von der Hansestadt in die USA am Montag wegen Hurrikan "Sandy" gestrichen. Der Abflug von Hamburg nach New York für Dienstag wurde ebenfalls gecancelt.
Am Münchner Flughafen sind am Montag sechs Flüge an die Ostküste der USA gestrichen worden. Die Maschinen sollten in Richtung New York Boston, Washington und Philadelphia abheben, sagte ein Flughafen-Sprecher. Bei den Landungen gebe es bisher keine Ausfälle. Alle Maschinen aus den USA seien zunächst planmäßig angekommen.
Lufthansa streicht 13 Flüge
Allein die Lufthansa streicht bundesweit für Montag und Dienstag insgesamt 13 Flüge an die US-Ostküste – zunächst war von 15 die Rede gewesen. "Wir konnten zwei Flüge wieder einrichten", sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft. Die beiden Maschinen sollten erst nach Durchzug des Wirbelsturms landen.
Abgesagt werden Flüge an den Airports Frankfurt, München und Düsseldorf. Mit den Verbindungen in die Vereinigten Staaten sollten auch die Rückflüge nach Deutschland ausfallen.
Bei Air Berlin fallen zehn Flüge aus
Auch die Fluglinie Air Berlin streicht wegen der Warnungen vor Hurrikan "Sandy" mehrere Flüge nach und von New York. Insgesamt würden Sonntag, Montag und Dienstag zehn Flüge ausfallen, sagte eine Sprecherin. Das betreffe Verbindungen von Berlin und Düsseldorf nach New York und zurück.
Die Fluggesellschaften riefen die Passagiere auf, sich vor dem Antritt ihrer Reise regelmäßig auf den Internetseiten der Unternehmen über den aktuellen Status ihres Fluges zu informieren. Passagiere, deren Flüge ausfallen, können umbuchen oder kostenlos stornieren.
Kein Anspruch auf Entschädigung
Anspruch auf eine Entschädigung haben Betroffene wegen des Hurrikans aber nicht. Weil der Sturm als höhere Gewalt gilt, können Kunden die Fluggesellschaft nicht für eine Annullierung verantwortlich machen. Betroffene erhalten daher keine Ausgleichszahlung nach der EU-Fluggastrechteverordnung. Diese sieht in anderen Fällen bis zu 600 Euro als Entschädigung für einen Flugausfall vor.
Bei einer Annullierung wegen des Hurrikans können Urlauber auch für das verpasste Anschlussprogramm keinen Schadenersatz von der Airline fordern. Für ungenutzte Anschlussflüge, Zugreisen oder Hotelübernachtungen müssen Urlauber selbst aufkommen.
Allerdings haben Betroffene Anspruch auf die Rückzahlung des Ticketpreises. Alternativ können sie sich für einen kostenlosen Ersatzflug auf der gleichen Strecke entscheiden. Dabei müssen sie eventuell aber eine längere Wartezeit hinnehmen, bis der Flughafen am gebuchten Reiseziel wieder geöffnet ist. Wer etwa statt nach New York nach Miami fliegen möchte, um dem Sturm auszuweichen, muss verhandeln: Einen Anspruch aufs kostenlose Umbuchen zu einem anderen Ziel gibt es nicht.
Bisher kaum Absagen von USA-Reisen
Pauschalurlauber bekommen Geld vom Veranstalter zurück, wenn sich der Sturm erheblich auf eine gebuchte Rundreise auswirkt. Das ist beispielsweise der Fall, wenn mehrere Stationen nicht wie geplant angefahren werden können. Dann dürfen Urlauber den Reisepreis mindern. Fällt eine Pauschalreise komplett ins Wasser, weil der Zubringerflug annulliert wird, erhalten Betroffene den kompletten Reisepreis zurück.
Bisher haben deutsche Reiseveranstalter wegen "Sandy" kaum Reisen an die US-Ostküste abgesagt. Ihm seien nur Einzelfälle bekannt, etwa eine Busreise, die in New York starten sollte, sagte Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV) in Berlin. Bei Busrundreisen gebe es wegen der Hurrikanwarnung allerdings häufiger Routenänderungen.
Bislang sei es aber nicht so, dass Reisen in großem Stil ausfielen. Das liege auch daran, dass USA-Touristen ihre Reiserouten oft individuell zusammenstellen und dann – beispielsweise, wenn in einer Region ein Hurrikan droht – vergleichsweise einfach umplanen können.
Veranstalter muss Urlauber evakuieren
Reisende, die sich in einem Gebiet befinden, in dem mit dem Hurrikan "Sandy" zu rechnen ist, müssen vom Veranstalter evakuiert werden. Da es sich um höhere Gewalt handelt, steht ihnen jedoch kein Schadenersatz zu. Allerdings müssen Urlauber nur für die Tage vor der Evakuierung zahlen.
Urlauber, die bei einem deutschen Veranstalter gebucht haben, könnten davon ausgehen, dass dieser dafür sorge, sie sicher unterzubringen, sagte Schäfer. Liegt beispielsweise in New York ein Hotel in von der Evakuierung betroffenen Stadtteilen im Süden Manhattans, versuche der Veranstalter, eine alternative Unterkunft im ungefährdeten Norden zu finden.
Selbst wenn in New York nun fast 400.000 Bewohner evakuiert werden sollen, sei es kein Problem, für deutsche Touristen noch ein alternatives Hotel in einem als ungefährdet eingestuften Stadtteil zu finden. Das gelte auch für andere Regionen an der US-Küste.
Da die Reiseveranstalter vorgewarnt seien, ließen sich Ostküsten-Reisen häufig entsprechend ändern: "Dann wird ein Rückflug eben umgebucht, und man fliegt ab Miami, nicht ab New York." Das zu organisieren, sei bei Pauschalreisen Aufgabe des Veranstalters.
Die Reisesaison dort ist Ende Oktober und Anfang November noch nicht vorbei: "Wir sind zwar gleichzeitig mitten in der Hurrikan-Saison", sagte Schäfer. "Aber es gibt auch viele Touristen, die gerade dann wegen der günstigeren Preise anreisen." Wie viele deutsche Touristen derzeit in der betroffenen Region an der Ostküste Urlaub machen, sei nicht seriös einzuschätzen, weil dazu keine zentralen Daten erhoben würden.
Reiseveranstalter informieren per SMS
Die deutsche Reisebranche nutzt das Kriseninformationssystem "Global Monitoring". Es sammelt Daten, etwa zur aktuellen Entwicklung eines Hurrikans, und berücksichtigt gleichzeitig, wo in der betroffenen Regionen Kunden eines Veranstalters Urlaub machen. "Man kann die Zugbahn eines Hurrikans beobachten und Urlauber bei Bedarf rechtzeitig warnen", erklärte Schäfer.
Urlauber sollten laut Schäfer zu ihrer eigenen Sicherheit dem Reiseveranstalter ihre Handynummer nennen. Viele Touristen hielten diese Angaben aus Angst vor Datenmissbrauch zurück. Doch über das Handy könnten Veranstalter häufig schnell und unkompliziert per SMS Kontakt mit Urlaubern aufnehmen, etwa wenn in der betreffenden Region eine Naturkatastrophe droht wie derzeit an der Ostküste der USA.
Die deutsche Reisebranche nutze diese Möglichkeit konsequent, um rechtzeitig zum Beispiel auf einen herannahenden Hurrikan hinzuweisen. Mit Kurznachrichten ließen sich Informationen weitergeben, etwa zum Stand von Evakuierungen oder zu den Plänen der Veranstalter für die Urlauber in der gefährdeten Region. Für moderne Mobilfunkgeräte sei es anders als noch vor einigen Jahren in der Regel kein Problem, Kurznachrichten auch in Asien und in den USA zu empfangen.
Öffentlicher Nahverkehr eingestellt
Angesichts der Absage Tausender Flüge droht ein Verkehrschaos in den betroffenen Gebieten an der Ostküste der USA. Viele Inlandsflüge sind ausgebucht. Passagiere auf dem New Yorker Flughafen La Guardia berichteten von mehrstündigen Wartezeiten bei den telefonischen Hotlines der Fluggesellschaften.
Die Eisenbahngesellschaft Amtrak stellte den Passagierbetrieb im Nordosten der USA ein. Nach New York und Philadelphia wurde auch der öffentliche Nahverkehr der US-Hauptstadt Washington lahmgelegt. Wie die Verkehrsbetriebe dort mitteilten, stellen die Metro und alle angeschlossenen Busse in der Nacht zum Montag (Ortszeit) ihren Betrieb ein.
"Sandy" war in den vergangenen Tagen durch die Karibik gezogen und hatte mehr als 65 Menschen das Leben gekostet. Prognosen zufolge trifft der Hurrikan am Montagabend an der Ostküste der USA auf Land.
Der Sturm gilt als besonders gefährlich, weil er sich auf Kollisionskurs mit zwei winterlichen Wetterfronten befindet. Befürchtet werden heftiger Wind, bis zu 30 Zentimeter Regen, hohe Sturmwellen und bis zu 60 Zentimeter Schnee.
















