05.10.12

Reiserecht

Türkei-Urlauber können nicht kostenlos stornieren

Der Konflikt zwischen der Türkei und Syrien schaukelt sich hoch. Noch lassen sich Türkeiurlauber nicht abschrecken. Falls doch, müssen sie Verluste in Kauf nehmen und die Stornokosten tragen.

Foto: Infografik Die Welt

Die Urlaubsregionen sind nicht von den Spannungen zwischen der Türkei und Syrien betroffen
Die Urlaubsregionen sind nicht von den Spannungen zwischen der Türkei und Syrien betroffen

Der derzeitige Konflikt zwischen der Türkei und Syrien berechtigt nicht zum kostenlosen Stornieren von Türkeireisen. "Die Urlaubsregionen sind nicht betroffen", sagt der Reiserechtler Paul Degott aus Hannover. Und das Auswärtige Amt habe bislang keine Reisewarnung für die Türkei ausgegeben. Es empfiehlt lediglich in seinen Reisehinweisen, sich nicht in der Nähe der türkisch-syrischen Grenze aufzuhalten.

"Angstgefühle im Oberbauch sind keine Grundlage für einen Vertragsabbruch", erklärt Degott. Erst wenn sich die Lage ändere und die geplante Reise beeinträchtigt sei, sei das ein Grund für kostenfreies Stornieren. Wer bei der jetzigen Sachlage auf die Reise verzichten will, muss in den sauren Apfel beißen und die Stornokosten tragen.

Das könnte sich ändern, falls sich der Konflikt auch auf Touristenregionen ausweitet. Das Auswärtige Amt kann in diesem Fall auch Warnungen für Teilgebiete aussprechen. "Man muss das aber immer auf den einzelnen Vertrag runterbrechen", sagt Degott. Es kommt also immer darauf an, ob das jeweilige Reiseziel, gebuchte Ausflüge oder etwa der Flughafen betroffen sind.

Wenn der Veranstalter weder für die gebuchten Leistungen noch für die Sicherheit der Urlauber garantieren kann, dürfen Kunden kostenfrei stornieren. In solchen Fällen sollten Betroffene aber immer zuerst auf den Veranstalter zugehen und nach Ausweichmöglichkeiten fragen, rät Degott.

Konflikt schreckt Urlauber nicht ab

Bislang lassen sich Türkeiurlauber vom Konflikt des Landes mit Syrien offenbar nicht abschrecken. "Es gibt momentan keine vermehrten Stornierungen oder Umbuchungen", sagt Torsten Schäfer vom Deutschen Reiseverband (DRV).

Er rechne auch nicht damit. "Die Menschen können das schon einsortieren." Die Touristenhochburgen Antalya und Alanya seien weit weg von der Konfliktzone an der syrischen Grenze. "Das ist so, als hätten Sie einen Sylturlaub gebucht, und dann passiert etwas in München. Dann stornieren Sie ja auch nicht ihren Sylturlaub."

Ähnlich äußert sich Susanne Stünckel von der TUI, dem größten deutschen Reiseveranstalter: Stornierungen oder Umbuchungen wegen der jüngsten Vorfälle gebe es bislang nicht – auch keine Rückfragen von verunsicherten Reisenden. "Nach jetzigem Stand rechnen wir damit auch in den kommenden Tagen nicht."

Bei einem syrischen Granatangriff auf einen türkischen Grenzort sind fünf Menschen getötet worden. Die Türkei hatte mit dem Beschuss syrischen Gebiets reagiert. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) warnte angesichts des Vorfalls vor einem Flächenbrand in der Region.

Reiseveranstalter beobachten die Lage

Von den Touristenorten Antalya und Alanya an der Südküste seien es aber fast 1000 Kilometer bis zu dem betroffenen Grenzgebiet, erläutert Stünckel. Das Gebiet östlich von Alanya sei touristisch nicht erschlossen, es würden auch keine Ausflüge oder Rundreisen in diese Region angeboten.

Für Urlauber ist die Situation Schäfer zufolge vergleichbar mit den Unruhen in Ägypten während des Arabischen Frühlings – dort liegen ebenfalls mehrere Hundert Kilometer zwischen Kairo und den Touristenzentren am Roten Meer wie dem Urlaubsort Hurghada. "Und dort haben die Urlauber damals auch nichts mitbekommen", erläuterte der DRV-Sprecher.

Die Reiseveranstalter beobachteten die Lage aber genau und seien bereit, sofort zu reagieren, sobald Gefahr für Urlauber drohe, sagte Schäfer. Er verwies bei der Beurteilung der Situation auf das Auswärtige Amt. "Da gibt es keine neue Einschätzung der Lage." Daher müssten sich Urlauber derzeit keine Sorgen machen.

Quelle: dpa/nics
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