27.09.12

Umfragen

Wie Deutsche und Russen sich gegenseitig sehen

Russen feiern gern und trinken Wodka – so weit zu den Klischees, an denen viele Deutsche kleben. Doch was denken beide Nationen ernsthaft voneinander? Die Antworten fallen ziemlich positiv aus.

Von Michael Posch
Foto: picture-alliance

Es ist wie bei jeder anderen Nation auch: Ein flüchtiger Blick reicht nicht – wer wissen will, wie die Russen wirklich sind, muss hinter die Fassade schauen
Es ist wie bei jeder anderen Nation auch: Ein flüchtiger Blick reicht nicht – wer wissen will, wie die Russen wirklich sind, muss hinter die Fassade schauen

Vorurteile gibt es noch immer. Die Russen sind nach Meinung der Deutschen eine gesellige, gern feiernde und vor allem Wodka trinkende Spezies. Dass es sich dabei um Klischeevorstellungen handelt, belegt wohl auch, dass man Wodkatrinken schon im 18. Jahrhundert für eine typisch russische Eigenschaft hielt.

Doch wie sieht das Bild der Deutschen vom Russen tatsächlich aus? Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa ergab, dass vier Fünftel der Bundesbürger ein positives Bild von den Russen haben. 88 Prozent bewerten sie als gastfreundlich und 78 Prozent als tapfer.

Allerdings glauben 45 Prozent der Bundesbürger auch, ihre Mitbürger hätten im Gegensatz zur eigenen Person ein eher negatives Bild. Gründe für eine kritische Haltung gegenüber dem Land sehen sie vor allem in den großen sozialen Unterschieden sowie in den Beschränkungen demokratischer Rechte.

Große Einigkeit herrscht derweil bei den wirtschaftlichen Beziehungen: Mehr als 90 Prozent der Befragten bezeichnen sie als sehr wichtig und haben zudem großes Vertrauen, dass die Zusammenarbeit für Deutschland von großer Bedeutung ist.

Russen locken die Bayerischen Alpen

Dass realistische Einschätzungen vor allem durch persönliche Kontakte und das bessere Kennenlernen entstehen, zeigt eine Umfrage des Energiekonzerns E.on. Der größte deutsche Investor in Russland führte eine Fragebogenaktion durch, an der deutsche und russische Mitarbeiter sowie Partnerfirmen und Künstler teilnahmen. Die Ergebnisse verdeutlichen ein sehr großes Interesse sowohl für die Menschen des jeweils anderen Landes als auch an deren kulturellen und sozialen Möglichkeiten.

So war bei allen Befragten die Absicht vorhanden, noch mehr vom anderen Land kennenzulernen. Für die Deutschen ist beispielsweise der sibirische Baikalsee als weltweit größtes Süßwasserreservoir ein Ort, den sie unbedingt noch besuchen möchten. Auch die "Weißen Nächte" in Sankt Petersburg wollen viele in den nächsten Jahren unbedingt erleben.

Als wichtig empfanden die deutschen Teilnehmer auch das bessere Kennerlernen der russischen Kunst, darunter Schriftsteller wie beispielsweise Michail Lermontow, Michail Bulgakow oder auch Alexander Grin sowie Komponisten wie Alexander Skrjabin oder Sergei Rachmaninow. Deshalb gehören unter anderem das Bolschoi-Theater und die Tretjakow-Galerie zu den Orten, die man während eines künftigen Moskau-Aufenthaltes besuchen möchte.

Die befragten Russen planen dagegen, ihren Urlaub einmal in den Bayerischen Alpen zu verbringen. Zudem sind das Münchner Oktoberfest sowie Berlin Wunschreiseziele.

Deutsche Funktionalität und russische Improvisation

Die Ergebnisse zeigten auch, dass das Gros der Befragten aus beiden Ländern glaubt, gerade in Russland seien zwischenmenschliche Beziehungen und der Aufbau von Vertrauen bei der Zusammenarbeit essenziell. Das bestehende Niveau bei den gemeinsamen Aktivitäten bewerteten Deutsche wie Russen als produktiv und lehrreich.

Dabei gaben viele an, die Kombination aus deutschem Streben nach Funktionalität verbunden mit russischem Improvisationsgeschick führe zu Erfolgen. Große Bedeutung messen die Befragten der deutschen Hilfsbereitschaft sowie der russischen Großzügigkeit und Offenheit bei.

Allerdings gibt es auch Situationen im Alltagsleben, die auf weniger Verständnis stoßen. So fällt vielen Deutschen der Umgang mit der russischen Bürokratie schwer. Die Russen wünschen sich hingegen von den Deutschen etwas mehr Humor und Flexibilität.

Humoristisch sieht es der 1980 in Kiew geborene und in Münster lebende Künstler Gleb Bas, der die Beziehungen ein wenig ironisch beleuchtet. Seiner Meinung nach planen die Deutschen zwar "zu weit im Voraus". Die Russen würden allerdings erst beginnen, "wenn es schon zu spät ist".

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