29.07.2012, 11:24

Umfrage Schwarze Schafe unter den Online-Reiseportalen

Foto: Christian Ohde / CHROMORANGE / picture-alliance

Von Sönke Krüger

Deutschlands Reisemanager warnen: Verbraucher sind „leichte Beute“ von unseriösen Anbietern, die im Internet Reisen, Flüge oder Hotelzimmer verkaufen. Abhilfe könnten strengere Gesetze schaffen.

Den Reiseportalen gehört die Zukunft: 87 Prozent der Manager der deutschen Reiseindustrie sind der Meinung, dass Internet-Reiseportale in der Verbrauchergunst weiter steigen werden. Das ergab eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Trendscope für den Travel Industry Club, in dem mehr als 600 Führungskräfte der deutschen Reiseindustrie organisiert sind.

Allerdings sind 75 Prozent der Befragten der Meinung, dass es derzeit keine ausreichende Transparenz für Nutzer von Online-Reiseangeboten gibt, viel zu leicht könne man sich im Dschungel der vielen unübersichtlichen Angebote und angeblichen Schnäppchenpreise verirren.

Eine Mitschuld trifft allerdings auch die Verbraucher: Diese seien viel zu sehr auf den Preis fixiert und würden deshalb zu oft eine "leichte Beute" für unseriöse Anbieter, sagen 92 Prozent der Reisemanager. 80 Prozent befürchten einen Imageschaden durch solche schwarzen Schafe in der Online-Reiseindustrie.

Warnung vor Abzocke im Internet

Reiseportale waren laut Travel Industry Club in den vergangenen Wochen verstärkt in die Kritik geraten. Beispielsweise hatte die Zeitschrift "Computer Bild" das Leipziger Internetunternehmen Unister kritisiert und als "Abzock-Imperium" bezeichnet. Unister betreibt und vermarktet Portale wie fluege.de und ab-in-den-urlaub.de.

Auch die Verbraucherzentrale Sachsen (VZS) warnte ausdrücklich vor dem Reiseportal fluege.de: Je weiter man sich voranklicke, desto mehr Gebühren würden aufgeschlagen. "Bei uns gibt es eine Flut von Be­schwer­den über das Portal", sagt VZS-​Ge­schäfts­füh­rer Joachim Betz. So sei der beworbene Preis meist nicht der Endpreis, weil während der Buchung ver­steckte Gebühren drauf­ge­schla­gen würden. Das Gesetz schreibe aber vor, dass der Endpreis von Anfang an erkennbar sein müsse.

Klassische Reisebüros wird es weiterhin geben

Die Lösung solcher Probleme könnten klare und strengere gesetzliche Richtlinien sein, finden Deutschlands Reisemanager: 68 Prozent vermissten diese in der Umfrage ausdrücklich. Verstöße gegen geltende Richtlinien sollten zudem strenger geahndet werden, finden 89 Prozent. Und neun von zehn Befragten sagen: Die Online-Reiseindustrie muss noch stärker in die Qualität ihrer Angebote investieren.

Die Zukunft des Reisebüros sehen Deutschlands Reisemanager indes nicht bedroht: Nur zwölf Prozent glauben laut Umfrage, dass es in zehn Jahren angesichts des Vormarsches der Online-Reiseportale keine klassischen Reisebüros mehr geben wird.

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