10.07.12

Luftverkehr

Flüssigkeitsverbot fällt vielleicht erst 2016 weg

Eigentlich sollten neue Geräte das Flüssigkeitsverbot beim Handgepäck von Flugpassagieren überflüssig machen. Da die Technik aber Schwierigkeiten bereitet, könnte sich das um Jahre verzögern.

Foto: picture alliance / dpa

In der EU dürfen derzeit nur Flüssigkeiten bis zu 100 Millilitern an Bord mitgeführt werden, die in transparenten Beuteln verpackt sind
In der EU dürfen derzeit nur Flüssigkeiten bis zu 100 Millilitern an Bord mitgeführt werden, die in transparenten Beuteln verpackt sind

Die EU-Kommission will in Kürze entscheiden, wie lange Flüssigkeiten im Handgepäck von Flugpassagieren noch verboten bleiben sollen. Voraussichtlich noch im Juli werde die Behörde vorschlagen, das Verbot wie derzeit geplant im April 2013 komplett aufzuheben oder es zu verlängern, sagte die Sprecherin von Verkehrskommissar Siim Kallas in Brüssel. Die Entscheidung werde "aufgrund von Sicherheitserwägungen getroffen".

Die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtet, die Kommission hätte sich mit Branchenvertretern und US-Behörden grundsätzlich geeinigt, das Verbot stufenweise außer Kraft zu setzen und voraussichtlich erst 2016 statt 2013 komplett aufzuheben. Für die dazu notwendige Änderung des geltenden EU-Rechts braucht die EU-Kommission aber noch die Zustimmung der Mitgliedsstaaten und des Europaparlaments. Laut FTD gibt es im Parlament Unterstützung für eine Verlängerung der bestehenden Regelung

Neue Technik ist nicht verlässlich

Generell dürfen in der EU derzeit nur Flüssigkeiten bis zu 100 Millilitern an Bord mitgeführt werden, die in transparenten Beuteln verpackt sind. Diese Regel war 2006 aus Angst vor Attentaten mit als Flüssigkeit getarntem Sprengstoff eingeführt und in der Zwischenzeit verlängert worden.

Schon länger wird intensiv an Geräten gearbeitet, die in Zukunft erkennen sollen, ob es sich bei den mitgeführten Flüssigkeiten um gefährliche Substanzen handelt. Doch noch arbeiten die Detektoren, die das Verbot von Flüssigkeiten im Handgepäck überflüssig machen solten, nicht zuverlässig. Deshalb warnen die Flughäfen in Europa davor, die bestehende Regelung zu kippen.

Kosten von bis zu 500 Millionen Euro

Der Flughafenverband ADV hatte im April geschätzt, es werde die Flughäfen und die Bundespolizei 400 bis 500 Millionen Euro kosten, allein Deutschland mit neuen Flüssigkeitsdetektoren, zusätzlichen Kontrolllinien und mehr Sicherheitspersonal auszustatten.

Wegen der Größe der Geräte müssten die Flughäfen für jede Kontrollstelle 20 bis 30 Prozent mehr Fläche schaffen, sagte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Außerdem erforderten die 1,6 Tonnen schweren Geräte an vielen Stellen die Erhöhung der Deckentraglast. Dies setze an vielen Flughäfen umfangreiche Umbauten und Platzerweiterungen voraus, was vielerorts wegen beschränkter Kapazitäten nicht möglich sei.

Die Kosten würden am Ende über die Luftsicherheitssteuer an die Verbraucher weitergegeben. Beisel forderte daher, die neue Regelung erst umzusetzen, wenn praxistaugliche Geräte mit weniger Gewicht und Flächenbedarf zur Verfügung stünden.

Quelle: AFP/nics
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