Kreuzflüge
Purer Luxus in der Luft
Ein Kreuzflug im Privatflieger ist das höchste der Gefühle. Dem Passagier wird nicht nur alles abgenommen, was heute den Traum vom Fliegen trübt – manchmal trägt ihm der Kapitän sogar die Koffer.
Der Himmel hängt voller Charlie Bravos. So heißen Gewitterwolken in der Fliegersprache. Klingt lustig, sieht jedoch bedrohlich aus. Deshalb kommt jetzt schwereres Gerät zum Einsatz.
Und die fünf Privatfluggäste klettern in München nicht wie geplant in die kleine Cessna, sondern in die größere Cessna CJ2+. In 54 Minuten geht es bei einer Windstärke von fünf Knoten in die Toskana. Pilot Hubert Schweighofer lässt die Charlie Bravos mit einem Schulterzucken links liegen.
Das Ruckeln der Maschine als Flugerlebnis
An Bord kuschelt man sich in ausladende, sandfarbene Ledersitze, Gourmet-Häppchen und Hochglanzzeitschriften werden gereicht. Es ruckelt zwar in solchen kleinen Maschinen manchmal mehr als in großen Linienjets, doch das kann der Passagier unter Flugerlebnis verbuchen – und über Kopfhörer sogar den Funkverkehr mithören.
Das Verwöhnprogramm beginnt indes bereits auf dem Boden. Dort wird dem Privatfluggast praktischerweise alles abgenommen, was heutzutage den Traum vom Fliegen trübt.
Separates Check-in ohne Wartezeiten
Dazu gehören die Erledigung sämtlicher Einreiseformalitäten, separates Check-in ohne Wartezeiten, oft auch Gepäck- und Limousinenservice ab der Wohnungstür. Nach einem Drink im Privatterminal spaziert man entspannt zum Flugzeug. Und wann trägt einem schon mal der Kapitän höchstpersönlich den Koffer?
Damit der Luxus nach der Landung nicht plötzlich ein Ende hat, geht es in Florenz direkt vom Flughafen ins "Platinhome". In den komplett eingerichteten Apartments gleich um die Ecke vom Florentiner Dom steht hinter dem Kopfende des opulenten Doppelbetts eine riesige Badewanne mit Whirlpool und wechselnder Beleuchtung. Also bitte immer schön den Duschvorhang zuziehen, sonst wird das Bett nass!
Wie teuer sind Privatflüge?
Auf Wunsch gehört zur Suite auch ein privater Koch und ein Masseur, der extra ins Haus kommt. Ausflüge in die Toskana auf der Vespa oder mit Privatchauffeur können zugebucht werden. Aber sind Privatflüge nicht exorbitant teuer? Man kennt das ja aus den Medien, wenn der Bund der Steuerzahler mal wieder Extratouren von Politikern anprangert.
Es geht aber auch günstiger. Je nach Ziel, Reisezeit und Anzahl der Passagiere können Privatflüge sogar mit Linienflügen in der First oder Businessclass konkurrieren. Der Oneway-Flug nach Florenz zum Beispiel kostete – bei fünf Passagieren – weniger als 800 Euro pro Kopf.
Bewegung in den Luftraumbringen
"Bei den Spritpreisen heute ist Fliegen nur so zum Spaß für viele Piloten einfach zu teuer geworden", sagt Sepp Wimmer, selbst Pilot und Geschäftsführer von Balaton Air, der mit dem Veranstalter Thomas Cook kooperiert.
Wenn ein Privatpilot Passagiere mit in die Luft nimmt, rechnet es sich besser – für beide Seiten. Vor allem bei Starts von kleineren Flughäfen. "Wir wollen die Fliegerei dezentralisieren und mehr Bewegung in den unteren Luftraum bringen", erklärt Wimmer das Konzept.
Der Hausherr dreht eine Runde mit den Gästen
Wir, das ist eine Interessengemeinschaft von erfahrenen Piloten, die meisten haben eigene Maschinen. Sie nehmen Gäste gern zum eigenen Feriendomizil mit, etwa nach Sardinien oder fast bis vors Tor vom "Schlosshotel Hertelendy Kastély".
Das Haus hat eine eigene Landebahn und einen Helikopterlandeplatz. Der Hausherr ist selbst begeisterter Pilot und dreht schon mal eine Runde mit den Gästen.
Vom Himmelblau ins spielerische Green
Ansonsten ist in der Gegend um das Schlosshotel wenig los. Hier soll man sich vor allem entspannen. Wen so viel Ruhe allerdings unruhig macht, für den organisieren die Piloten von Balaton Air auch Gourmet-Rundflüge in Frankreich oder Kreuzflüge von einem Golfplatz zum anderen.
Extratouren vom Himmelblau direkt ins spielerische Green vermittelt ebenfalls der Spezialveranstalter Golfreisen & Meer, der auch die Variante Golf und Gourmet anbietet.
Kreuz-und-quer-Flug durch China für 55.000 Euro
Bei einer Reise rund um Afrika kostet allein der Südpoltagesflug mit Landung bei den Pinguinen 6880 Euro pro Person – und das bei 20 Passagieren.
"Following the Emperors" heißt das Motto beim Kreuz-und-quer-Flug durch China mit einem Sonderstopp in der Mongolei, der in diesen Breitengraden allerdings nur im Sommer möglich ist. Die Reise kostet zwischen 55.000 und 60.000 Euro.
Nachtflüge finden nicht statt
Damit kein Rundreisestress aufkommt, wird bei Golfreisen & Meer auf mehrere Übernachtungen pro Ziel Wert gelegt, auch darauf, dass es am nächsten Morgen nicht vor 10 Uhr weitergeht. Nachtflüge finden nicht statt, damit man sieht, wo man überhaupt ankommt.
Gerade plant Helmut Otto Faust von Golfreisen & Meer "den weltweit ersten Golf-Luxus-Kreuzflug in 80 Tagen um die Welt". Mit ihm strebt Faust einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde an.
Im VIP-Airbus um den Erdball
Take-off soll im Herbst 2015 sein, genau 140 Jahre nach dem Erscheinen der Romanvorlage von Jules Verne. Die Teilnehmer reisen dabei im First-Class-VIP-Airbus um den Erdball.
Dieser bietet 50 Plätze, wovon allerdings allein zehn dem Reiseleiterteam vorbehalten sind. Angesteuert werden die besten Hotels der Welt, Stätten mit dem Prädikat Unesco-Weltkulturerbe, Golf-Resorts und -clubs. Am Boden ist auch ein Umstieg in vier Luxuszüge geplant. Der Preis für diese Reise wird voraussichtlich bei stolzen 120.000 Euro liegen.
1,52 Meter Abstand zwischen den Reihen
Auch Hapag-Lloyd will seine Klientel von Erlebnisreisen im Privatjet überzeugen. Für Flüge abseits regulärer Linienverbindungen unterhält der Kreuzfahrtspezialist seinen firmeneigenen Jet Albert Ballin, einen sonderausgestatteten Airbus A 319 CJ, benannt nach dem einstigen Hapag-Generaldirektor.
Der komfortable Flieger kann maximal 42 Fluggäste transportieren, es gibt ausschließlich Fenster- und Gangplätze, der Abstand zwischen den Reihen: 1,52 Meter.
Ausflug mit dem Wasserflugzeug
Das Interesse ist groß. Ein Kreuzflug zu den Nationalparks der USA inklusive Extra-Ausflug mit einem Wasserflugzeug war bereits nach einer Woche ausgebucht – und das bei einem Preis ab 46.890 Euro.
Ein Ausweichziel wäre da Südamerika – bis in die Wildnis von Patagonien. Die Seidenstraße wird aufgrund der großen Nachfrage gleich zweimal angeflogen – auf verschiedenen Routen, erstmals auch in Kombination mit der Mongolei (ab 45.990 Euro).
Übernachtet wird nur in den besten Häusern
Ein Silvester-Kreuzflug streift "Östliche Weltreligionen" in Thailand, Laos, Birma und Indien (27. Dezember 2012 bis 8. Januar 2013, ab 33.990 Euro). Und selbst der Jahreswechsel ist dabei abgehoben: Er wird im "Banyan Tree" gefeiert, dem höchsten Hotel in Bangkok.
Versteht sich von selbst, dass bei sämtlichen dieser Flugreisen nur in den besten Häusern vor Ort übernachtet wird. Wer Lust auf solch ein Privatvergnügen bekommen hat, der kann erst mal einen Schnupperkreuzflug buchen.
Zu Gast bei der Witwe Cliquot
Bei Hapag-Lloyd zum Beispiel startet maximal ein Dutzend Gäste von Stuttgart in die Champagne. Vom Flieger geht's flugs in die Keller von Ruinart, Krug, Veuve Cliquot und Moët & Chandon. Übernachtet wird in privaten Residenzen, die nur ausgewählten Gästen geöffnet werden, wie das Palais der legendären Witwe Cliquot oder ein Château von Moët & Chandon.
Ein solcher prickelnder "Höhenflug für Genießer" kostet ab 6.990 Euro pro Person. Urs Hessenauer von Moët Hennessy begleitet den Kurzkreuzflug. Denn: "Das A und O bei Kreuzflügen sind die Reisebegleiter", betont Faust, der seine Experten sorgfältig auswählt: "keine Selbstdarsteller".
Ein Bordarzt ist immer dabei
Auch Hapag-Lloyd setzt auf Kompetenz. Gelehrte, die sich schon auf Schiffstouren bewährt haben, halten jetzt Vorträge in der Luft. Außerdem wird jeder Kreuzflug von einem eigenen Bordarzt begleitet, manchmal, je nach Zielgebiet, ist sogar ein Koch dabei, der dann zur Abwechslung über Samarkand Erbsensuppe serviert.
Bleibt die Frage: Wer leistet sich solch exklusive Höhenflüge? "Leute, die nicht mehr arbeiten, ihre Firma verkauft haben und von den Zinsen leben. Der Altersdurchschnitt liegt bei 65 Jahren", sagt Faust. Auch bei Hapag-Lloyd heben eher die Über 50-Jährigen ab, oft Stammkunden von Schiffen wie der "Hanseatic" oder der "Europa".
Der Jakobsweg aus der Luft
Die Zielgruppe wird aber, was das Durchschnittsalter betrifft, immer jünger. Es ist häufig die Generation der Erben, die es sich leisten kann, in die Luft zu gehen und zu sagen: "Ich bin dann mal weg."
Wie Hape Kerkeling. Dessen Tour auf dem Jakobsweg gibt es inzwischen auch als luftig-leichte Variante: Hapag-Lloyd hat den ältesten Kulturpfad Europas in sein Kreuzflugprogramm aufgenommen. Im Privatjet Dornier 328 ist Platz für zwölf Pilger der Lüfte. Die sechstägige Reise kostet ab 16.000 Euro. Bequemer kann man wohl kaum in den Himmel kommen.















