24.06.12

Typologie

Polen-Urlauber wollen Sex, Italien-Fans sind dick

Sind deutsche Spanien-Urlauber arm, aber unsexy? Und wohin reisen Sportfreunde am liebsten? Eine repräsentative Umfrage hat untersucht, wie sich die Deutschen – je nach Urlaubsziel – unterscheiden.

Von Sönke Krüger
Foto: Isabell Bischoff

Wird Schweden von Sportsfreunden besucht und China von weltoffenen Reichen? Und wohin reisen Rentner am liebsten? Die Unternehmensberatung Progenium hat das einmal für uns geklärt – in einer repräsentativen Umfrage für 15 beliebte Urlaubsländer.

16 Bilder

Wenn Sie diesen Artikel gerade im Jet nach New York lesen oder im Zug Richtung Innsbruck oder im Stau auf der Autobahn gen Mittelmeer, sind Sie in guter Gesellschaft: Auf dem Weg in den Urlaub, so wie zwei Drittel aller Bundesbürger, die in diesem Jahr mindestens eine größere Reise planen – ganz nach dem Motto des Dichters Jean Paul: "Nur Reisen ist Leben, wie umgekehrt das Leben Reisen ist."

Wir Deutschen sind mit 54 Millionen 2011 absolvierten Urlaubsreisen zwar nicht mehr Reiseweltmeister (den Titel haben uns die Chinesen abgeluchst). Reiselustig sind wir aber weiterhin, wobei das Urlaubsziel Heimat auf Platz eins rangiert: 2011 führte jede dritte Reise ins eigene Land, die anderen zwei Drittel deutscher Touristen beglückten das Ausland mit ihrer Anwesenheit.

Spanien, Italien, Österreich und die Türkei waren und sind jenseits der Grenzen die Favoriten der Bundesbürger; immerhin elf Prozent leisteten sich eine Fernreise.

Der deutsche Urlauber wirft Fragen auf

Diese Zahlen und Ziele werfen indes einige Fragen auf. Was lockt die Deutschen eigentlich Jahr für Jahr nach Spanien, Italien, Österreich? Fahren sie tatsächlich lieber in den Harz als nach Hawaii? Oder wird das Reiseziel vom Geldbeutel diktiert?

Und was treiben die Deutschen denn so am Urlaubsort – hängen sie als Pauschaltouristen am All-inclusive-Hotelpool herum? Oder besichtigen sie als Individualreisende antike Trümmer?

Sind sie einem Urlaubsflirt abgeneigt? Und werden bestimmte Länder von bestimmten Gruppen – Rentner, Singles, Familien – bevorzugt?

Die Unternehmensberatung Progenium ist diesen Fragen auf den Grund gegangen. Im Rahmen einer exklusiven, repräsentativen Umfrage unter 1000 Bundesbürgern für "Welt Online" haben die Experten Image und Merkmale deutscher Urlauber in 15 beliebten Urlaubsländern herausgearbeitet, die über alle Kontinente verteilt sind.

Nicht an Sex-Abenteuern interessiert

Über den Durchschnittsurlauber lässt sich sagen: Er verfügt monatlich über 2300 Euro, hat einen mittleren Sozialstatus (61 Prozent), ist eher weltoffen (64 Prozent) als spießig und auf Reisen mehrheitlich nicht an Sex-Abenteuern interessiert (62 Prozent).

Ansonsten ist er in etwa zu gleichen Teilen sportlich beziehungsweise unsportlich, attraktiv beziehungsweise unattraktiv, umweltbewusst beziehungsweise nicht umweltbewusst, und genau die Hälfte reist individuell, die andere pauschal. 34 Prozent der Reisenden sind jüngere Paare, 23 Prozent Rentner, 22 Prozent Singles, 21 Prozent Familien.

Singles lockt Thailand, Rentner Polen

Betrachtet man die einzelnen Profile pro Land, treten interessante Details zutage: Seychellen-Urlauber verdienen mit 3200 Euro netto fast doppelt so viel wie Spanien-Touristen (1800 Euro). Singles fahren am liebsten nach Thailand (46 Prozent), Rentner nach Polen (59 Prozent), Spießer nach Deutschland (71 Prozent), Weltoffene nach Frankreich (81 Prozent).

Familien zieht es häufig nach Österreich (49 Prozent), jüngere Paare in die Türkei (58 Prozent). Pauschalurlauber reisen nach Ägypten (91 Prozent), Ökofreaks nach Schweden (89 Prozent).

Schweden-Urlauber punkten auch auf einem anderen Feld: Sie gelten als Sportskanonen (84 Prozent), während 79 Prozent der deutschen Italien-Besucher ein Image als dickbäuchige Sportverächter haben.

"Angesichts der Vorzüge Italiens als Reiseland – viel Kultur, gute Küche, schöne Strände – hat uns dieses negative Votum überrascht", sagt Progenium-Chef Michael Mandat, "genau wie die Tatsache, dass Spanien-Touristen mit Abstand das niedrigste Ansehen aller 15 abgefragten Urlauberländer haben."

Spanien-Urlauber haben schlechtes Image

In der Tat halten 40 Prozent der Befragten den sozialen Status eines Spanien-Urlaubers für niedrig, 56 Prozent für mittelmäßig und nur 4 Prozent für hoch; Polen- und Türkei-Urlauber beispielsweise schneiden deutlich besser ab. Warum?

"Bei einzelnen Werten spielen sicher auch Vorurteile eine Rolle", erklärt Mandat. "Nehmen Sie die bekannten 'Ballermänner': Die hat jeder vor Augen, die prägen das Bild, auch wenn die meisten Spanien-Touristen nie am 'Ballermann' waren."

Mit hartnäckigen Klischees hat auch ein anderes beliebtes Reiseland zu kämpfen: Thailand. Der typische Urlauber dort gilt als unattraktiv (80 Prozent) und unsportlich (63 Prozent). Was ihn indes nicht davon abhält, vor Ort nach Sex-Abenteuern Ausschau zu halten – das zumindest wird ihm von 74 Prozent der Befragten unterstellt.

Urlaubsbedingte Fleischeslust wird verstärkt auch Kuba-Reisenden (69 Prozent) nachgesagt, wohingegen Österreich-Urlauber ein unbeflecktes Image haben: Nur 7 Prozent sind laut Studie an einem Schäferstündchen interessiert – auf der Alm gibt's ja bekanntlich koa Sünd.

Wenn Sie also demnächst bei Nachbarn oder Kollegen ein Stirnrunzeln registrieren, nur weil Sie begeistert von Ihrem Thailand-Urlaub erzählt haben, wissen Sie jetzt, warum. Mit einer Reise nach Schweden, Neuseeland oder auf die Seychellen fahren Sie, was Image und Moral betrifft, deutlich besser.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Multimedia
Kurios!

Deutsche sind dem Rest der Welt ein Rätsel

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Belästigungsvideo "Ich betreibe Kampfsport und habe trotzdem…
Vorsicht Kamera! Hochzeit aus der Sicht einer Whiskey-Flasche
Nach Pokalsieg Pep Guardiola denkt nur noch an Borussia Dortmund
Israel Radikaler Rabbiner überlebt Attentat
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Kleine Horror-Show

Halloween, das Fest des Gruselns

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote