29.05.12

Kompensieren

Für viele gehört Fliegen zum Urlaub einfach dazu

Urlaub machen kann man an der Nordsee oder der Mecklenburgischen Seenplatte genauso gut wie am Mittelmeer – Flüge ließen sich also vermeiden. Das sagt Karsten Smid, Klimaexperte bei Greenpeace.

Foto: Greenpeace

Karsten Smid ist Klimaexperte bei Greenpeace in Hamburg
Karsten Smid ist Klimaexperte bei Greenpeace in Hamburg

Berliner Morgenpost: Warum steigen so viele Urlauber ins Flugzeug?

Karsten Smid: "Unsere Vorstellung von Urlaub ist, weg von zu Hause sein zu wollen. Ruhe und Erholung kann man aber auch in der Nähe suchen. Statt Kitesurfen auf den Malediven kann man Kanu fahren in Mecklenburg-Vorpommern. Und klimabewusst reisen bedeutet, auf schnelle Verkehrsmittel zu verzichten, aber zum Beispiel auch, klimaneutrale Hotels zu wählen."

Berliner Morgenpost: Ist Fliegen tabu?

Smid: "Natürlich wäre es vernünftiger, das Fliegen ganz zu unterlassen. Und man sollte sich auch fragen: ,Muss ich tatsächlich fliegen? Oder kann ich das umgehen?' Den Flug zu kompensieren ist nicht der erste, sondern der letzte Schritt. Wir bei Greenpeace nehmen innerhalb Europas den Zug, aber wir müssen auch manchmal fliegen und kompensieren das dann."

Berliner Morgenpost: Warum kompensieren so wenige?

Smid: "Die Kompensationsprojekte sind stark in Misskredit geraten, weil da viel geschummelt wurde. Bei einigen wird auch einfach falsch gerechnet. Beim Verbrennen in 10.000 Meter Höhe ist das CO2 ungefähr dreimal so schädlich wie auf der Erde. Der Faktor liegt zwischen zwei und fünf. Atmosfair berücksichtigt das, manche berücksichtigen es zum Teil, andere überhaupt nicht. Und das macht es für die Kunden nicht gerade einfacher."

Berliner Morgenpost: Ist die Umwelt den Touristen überhaupt wichtig?

Smid: "Da gibt es schon eine gewisse Schizophrenie. Urlauber erwarten am Urlaubsziel eine intakte Umwelt. Und etliche wollen zum Beispiel Urlaub im Regenwald machen. Andererseits hat kaum jemand Probleme damit, dafür dorthin zu fliegen. Und ökologische Angebote fristen noch ein Nischendasein."

Berliner Morgenpost: Wird sich das ändern?

Smid: "Ich sehe für Organisationen wie Atmosfair noch enormes Potenzial. Es ist aber ein Thema, das von der Tourismusbranche nicht gerade mit Herzblut verfolgt wird und wo insgesamt auch noch viel zu tun ist."

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