09.05.12

Paris-Nostalgie

Kitsch aus China bedroht Künstler in Montmartre

Die Künstler des Pariser Place du Tertre bangen um ihre Tradition. Billige Massenware mit Motiven rund um die Seine-Romantik macht den Künstlern das Leben schwer. Nun greift das Rathaus ein.

Foto: DPA
Place du Tertre in Paris
Die Künstlerin Mirea Cozinéia malt auf dem Place du Tertre in Paris. Billige Massenware mit Motiven rund um die Seine-Romantik machen ihr das Leben schwer

Auf dem malerischen Place du Tertre schwingt Mirea Cozinéia den Pinsel voller Konzentration. Leuchtende fröhliche Farben dominieren ihre Bilder.

Ihre Motive sind vor allem Paris-typische Bistros, kleine Cafés, alte Brücken. Das Paris der Bohème, das von Edith Piaf, das der Hinterhöfe und Straßenmusikanten – Bilder von einem Paris, das es so längst nicht mehr gibt.

Auf diesem idyllischen Marktplatz, wo schon Pablo Picasso seine Staffelei aufgestellt hat, regiert das Geschäft mit der Nostalgie.

Im Schatten der weithin sichtbaren Basilika Sacré-Cœur bietet eine ganze Armada von Künstlern ihre "Originale" zum Kauf an. Doch Krise und Globalisierung haben auch den malerischen Flecken auf dem Montmartre-Hügel oberhalb von Paris erreicht.

Billige Massenware

"Nichts ist mehr so, wie es einmal war", seufzt Mirea Cozinéia. Seit sechs Jahren verdient sie hier ihren Lebensunterhalt. Sie kämpft mittlerweile wie die anderen Künstler auf dem Place du Tertre gegen billige Kopien an – oft aus China, wie sie sagt.

Denn auf dem traditionsreichen Platz, auf dem in diesen warmen Frühlingstagen Scharen von Touristen der "Seine-Romantik von einst" auf der Spur sind, tummeln sich auch viele Profiteure. Sie wissen die Sehnsucht der Besucher zu vermarkten und verkaufen Massenware für wenig Geld.

Auch die Zahl der illegal arbeitenden Künstler ist gestiegen. Sie malen ein Porträt schon für 15 Euro. "Das verdirbt unsere Preise", beklagt Cozinéia die Situation an einem der beliebtesten Touristenplätze von Paris.

Sie selbst und viele ihrer Kollegen nehmen das Dreifache. Einer der Gründe: Sie haben Kosten zu tragen, die die illegale Konkurrenz nicht hat – etwa in Form von Standmieten oder Konzessionsabgaben.

Bezirks-Bürgermeister greift ein

Der zuständige Bezirks-Bürgermeister vom 18. Arrondissement trat jetzt angesichts der "Kunst-Krise" beherzt auf die Bremse und ordnete eine Neuregelung an.

Durch ein Auswahlverfahren soll die Qualität auf dem Place du Tertre angehoben werden. Wer einen der beliebten Plätze ergattern will, muss sich mit einem überzeugenden Dossier beim Bürgermeister bewerben und ihm sein künstlerisches Talent beweisen.

"Wir möchten dem Missbrauch auf dem Place du Tertre einen Riegel vorschieben und stärkere Kontrollen einführen", bestätigt eine Rathaussprecherin.

Der legendäre Platz im Herzen von Montmartre soll schließlich auch weiterhin Besucherscharen anlocken. "Rund 10 Millionen Touristen pilgern jedes Jahr zum Place du Tertre", schätzt Catherine Roudon vom Tourismusbüro in Paris. Zum Vergleich: Der Eiffelturm lockte im vergangenen Jahr rund sieben Millionen Besucher aus aller Welt an.

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