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06.03.09

Sommerferien 2009

Wie die Abwrackprämie den Urlaub verändert

Auch die Reiselust leidet in der Krise: Die Reiseveranstalter versuchen zwar, den Deutschen mit allen Mitteln den Mund wässrig zu machen, doch es herrscht allgemeine Buchungszurückhaltung. Großer Gewinner als Urlaubsland könnte die Heimat werden. Nicht zuletzt wegen der Abwrackprämie.

DPA

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Die Reiselust der Bundesbürger leidet angesichts der weltweiten Wirtschaftskrise. Noch aber hält sich der Frust der Urlaubsindustrie in Grenzen, viele Veranstalter üben sich in Zweckoptimismus. Die großen Ferienanbieter locken derzeit mit Sonderangeboten und längeren Frühbuchungsfristen. Eine Rabattschlacht werde es aber nicht geben, beteuern sie. Wie die wichtige Sommersaison jedoch ausgehen wird – dazu wagt angesichts des Niedergangs der Konjunktur derzeit niemand eine Prognose.

Im vergangenen Jahr hatte der organisierte Urlaub nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes (DRV) noch um 3,5 Prozent zugelegt. Der Umsatz der deutschen Reiseveranstalter stieg auf rund 21 Milliarden Euro. Besonders gut liefen Studienreisen und Kreuzfahrten. Die großen Konzerne, die rund 60 Prozent des Marktvolumens abdecken, steigerten ihren Umsatz um zwei Prozent. Die Reiseausgaben insgesamt stiegen nach einer Studie der Dresdner Bank um 4 Prozent auf den Rekordwert von 61 Milliarden Euro. Der tiefe Einbruch, den die Branche nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und weiteren Terrorattacken erlitten hatte, schien endlich überwunden.

Doch inzwischen sieht die Welt schon wieder anders aus. Immer neue Schreckensnachrichten aus der Wirtschaft und von den weltweiten Finanzmärkten verunsichern die Reisewilligen zutiefst. Die Deutschen wollen in diesem Jahr weniger häufig in Urlaub fahren. 64,5 Prozent der Bundesbürger planen 2009 mindestens eine Urlaubsreise, wie aus dem jetzt veröffentlichten ADAC-Reisemonitor hervorgeht. Das sind knapp drei Prozent weniger als vor einem Jahr. Bei ihrem Haupturlaub wollen die Deutschen aber trotz der Wirtschaftskrise nicht weniger ausgeben als im Vorjahr. Die Zahl der Deutschen, die zwei oder mehr Urlaubsreisen machen wollen, ging aber deutlich zurück.

"Wer bucht jetzt schon Urlaub, wenn er nicht weiß, ob er im Sommer seinen Job noch hat", heißt es in der Branche. "So viel Ratlosigkeit hatten wir in den vergangenen 25 Jahren nicht", sagt Freizeitforscher Horst Opaschowski. Marktführer TUI verbuchte beim Buchungsstart für den Sommer ein Minus von elf Prozent, der Branchenzweite Thomas Cook mit der Hauptmarke Neckermann verkaufte 20 Prozent weniger Reisen.

Die Unternehmen setzen auf Spätbuchungen. In den vergangenen Wochen habe das Geschäft leicht angezogen. Um profitabel zu bleiben, haben die Veranstalter ihre Kontingente reduziert und Flüge gestrichen. TUI-Deutschland-Chef Volker Böttcher sagt, 25 Millionen Bundesbürger wollten Umfragen zufolge noch verreisen. "Die Deutschen sitzen auf gepackten Koffern, wir müssen sie nur abholen." Die Formel, auf die alle hoffen – dass am Urlaub zuletzt gespart wird - steht jetzt vor ihrer großen Bewährungsprobe.

Profitieren wird von der Krise nach Ansicht vieler Beobachter der Deutschland-Tourismus. Nach Einschätzung des Touristikexperte der Hochschule Harz, Karl Born, könnte vielleicht sogar die Abwrackprämie den "Urlaub in der Nähe" fördern. Käufer von Neuwagen hätten kurzfristig weniger Geld für Flugreisen.

Aber auch Länder wie die Türkei mit vergleichsweise niedrigem Preisniveau und vielen Inklusiv-Angeboten sind gefragt. "Das wird ein All-Inclusive-Jahr", sagt Böttcher. Urlaub werde damit berechenbarer. Bei TUI laufen wie bei anderen Anbietern aber auch die USA wegen des günstigen Dollarkurses und einige andere Fernstrecken noch ganz gut.

Der DRV ging Ende 2008 noch davon aus, dass die Branche glimpflich davonkommen könnte – bei etwa gleicher Nachfrage wie im vorigen Jahr. Der Einbruch bei großen Veranstaltern zu Jahresbeginn müsse kein Indiz dafür sein, dass diese Erwartung nicht mehr zu halten sei, sagte ein DRV-Sprecher. Für eine neue Prognose sei das Bild aber noch zu unterschiedlich. Für Preissenkungen auf breiter Front sieht der DRV keine Anzeichen. Die Veranstalter hätten aus den Erfahrungen nach dem 11. September 2001 gelernt und sich viel flexibler aufgestellt. "Die Veranstalter werden nicht auf ihren Kontingenten sitzen bleiben, eher geben sie sie zurück, als die Reisen zu verramschen."

Quelle: dpa/AFP/heg
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