Tourismus
Freizeitforscher sieht Deutschland weiter im Trend
Seit 25 Jahren beobachtet Professor Horst W. Opaschowski die Deutschen und ihr Reiseverhalten. Nun warnt der Freizeitforscher vor neuen Herausforderungen: Angesichts der Finanzkrise wird 2009 für ihn das Jahr der Bewährung. Den Reiseanbietern rät er dringend, sich darauf einzustellen.
Von Edgar S. Hasse
Der Tourismus in Deutschland steht in diesem Jahr nach Ansicht des Hamburger Freizeitforschers Professor Horst W. Opaschowski vor einer großen Belastungsprobe. "2009 wird das Jahr der Bewährung. Die Ferienregionen müssen angesichts der Finanzkrise neu denken. Die Arroganz der Wohlstandszeiten ist vorbei", sagte der Gründer des BAT-Freizeitforschungsinstituts in Hamburg Morgenpost Online.
Mit Blick auf die norddeutschen Küstenregionen und auf das Nachbarland Dänemark sprach sich der Tourismusexperte dafür aus, dass die Anbieter ihre Preise regulieren und mehr Flexibilität bei der An- und Abreise zeigen. "Wir müssen weg von starren Reisenzeiten. Und es sollte keine ausschließliche Anreise mehr am Sonnabend geben", sagte der Wissenschaftler.
Wie Professor Horst W. Opaschowski, der auf der Messe "Reisen Hamburg" die 25. Deutsche Tourismusanalyse der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen vorstellt, betonte, befindet sich der Inlandstourismus weiter im Trend. Bereits in der Studie von 2006 konnte das Institut eine Renaissance der deutschen Ferienregionen feststellen. Für 2009 rechnet der Forscher mit einem hohen Anteil von Bundesbürgern, die noch unentschieden sind, ob sie sich überhaupt in diesem Jahr einen Urlaub leisten wollen. "Nach unseren Erhebungen bleiben zwei Drittel von diesen Unentschlossenen zu Hause. Um diese Gruppe müssten jetzt die Touristiker viel mehr werben als bisher und Aktivitäten mobilisieren – zum Beispiel mit attraktiven Kurzurlauben an der Küste." Es werde höchste Zeit, da etwas zu unternehmen.
Weitere Details der neuen Tourismusstudie stellt Opaschowski, der 1968 mit einer Arbeit über den Tourismus an der Uni Köln promovierte, am Rande der "Reisen"-Messe auf dem Hamburger Messegelände vor, die vom 4. bis zum 8. Februar stattfindet. Für den Wissenschaftler, der einst als Student als Reiseleiter unterwegs war, ist die 25. Präsentation der Tourismusanalyse ein wichtiges Jubiläum.
Vor 25 Jahren seien die Bürger in ihren schönsten Wochen des Jahres faul gewesen, dann aber zunehmend aktiv geworden, sagt er. "Heute dagegen sind sie alle auf Trab. Parallel zu mehr Aktivitäten im Urlaub hat sich die Demokratisierung des Reisens beschleunigt fortgesetzt", bilanziert Opaschowski. Reisen sei inzwischen "kein Privileg mehr für wenige, sondern ein Glück für viele". Wesentlich dafür verantwortlich macht der Leiter der heutigen BAT-Zukunftsstiftung die Zunahme des Flugtourismus – "das war der große Durchbruch, vor allem für Urlaub im ferneren Ausland".
In den vergangenen 25 Jahren hat Opaschowski den Bundesbürgern tief in ihre "Reiseseele" geblickt und etliche Trends vorausgesehen. Schon Mitte der 1980er-Jahre prognostizierte er einen grundlegenden Einstellungswandel der deutschen Urlauber: Sie würden öfter und kürzer verreisen. Und eines Tages wieder Gefallen an "Billigtrips" finden. Tatsächlich ist diese Prognose Realität geworden.
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