28.12.11

Drogenbeauftragte

400.000 alte Menschen haben ein Suchtproblem

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, hat alarmierende Zahlen vorgelegt: Demnach steigt die Zahl älterer Menschen, die alkohol- oder medikamentenabhängig sind. Jeder siebte Pflegebedürftige sei süchtig. Das Thema soll stärker in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden.

Foto: dapd/DAPD
Kinderdienst: Weniger Kinder wegen Alkoholvergiftung im Krankenhaus
Die Zahl alkoholabhängiger alter Menschen in Deutschland steigt laut Drogenbeauftragter massiv

400.000 Deutsche über 60 haben ein Alkoholproblem. Diese Zahl nannte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau". Die FDP-Politikerin will nun stärker gegen eine wachsende Abhängigkeit älterer Menschen von Alkohol und Medikamenten vorgehen.

Diese Problematik werde bislang zu wenig beachtet und häufig nicht erkannt. Zudem zeigten Untersuchungen, dass jeder siebte Pflegebedürftige, der zu Hause oder in einem Heim betreut wird, ein Alkohol- oder Medikamentenproblem habe. Diese Zahlen seien alarmierend, sagte Dyckmans weiter.

Angesichts der immer älter werdenden Gesellschaft werde die Zahl der Betroffenen weiter zunehmen, warnte die Drogenbeauftragte. Sie kündigte an, Sucht im Alter zu einem Schwerpunkt der neuen nationalen Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik der Bundesregierung zu machen. Das Thema solle stärker in den Fokus der Öffentlichkeit und der Fachleute im Gesundheitswesen rücken.

Besonders gefährlich bei älteren Menschen sind demnach Schlaf- und Beruhigungsmittel. Durch sie steige die Gefahr von schweren Stürzen und anderen Verletzungen. Wenn hinzu noch der Konsum von Alkohol komme, führe dies zu einer Potenzierung der Wirkung und einer hohen Suchtgefahr, warnte Dyckmans. Sie regte unter anderem eine engere Zusammenarbeit von Apothekern und Ärzten sowie eine bessere Sucht-Schulung von Pflegepersonal an.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) appellierte an die Erwachsenen, sich ihrer Vorbildrolle bewusst zu werden. Exzessiver Alkoholkonsum sei kein Jugendphänomen, sagte BZgA-Sprecherin Marita Völker-Albert. Das Problem ziehe sich durch alle Altersklassen. Jeder Erwachsene sollte sich kritisch mit seinem eigenen Alkoholkonsum auseinandersetzen.

In Deutschland sterben jedes Jahr rund 74.000 Menschen an den Folgen übermäßigen Trinkens. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) ging in einer Schätzung aus dem Jahr 2006 davon aus, dass bei zwei bis drei Prozent der über 65-jährigen Männer und 0,5 bis ein Prozent der Frauen eine Alkoholabhängigkeit beziehungsweise ein Alkoholmissbrauch vorliegt. Hinzu kommt demnach, dass mehr als 15 Prozent der über 60-Jährigen in riskanter Weise Alkohol konsumieren.

Quelle: dapd/bee
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